Toni Kroos ist in der Dokumentation „Kroos“ ein Spielstratege

Ganz liebevoll: Toni Kroos und Jessica in einer Szene des Dokumentarfilms „Kroos“. Foto: nfp

Der Rückpass von Toni Kroos im WM-Spiel gegen Südkorea 2018 ist in der Dokumentation über den erfolgreichsten deutschen Fußballer aller Zeiten nicht zu sehen. Damals vollstreckte Heung Min Son nach Kroos’ Blackout zum 2:0 für Südkorea. Der Weltmeister war raus. Ein Debakel.

Regisseur Manfred Oldenburg greift in der Doku „Kroos“ lieber das Schwedenspiel auf, als ein Ballverlust von Kroos zum 0:1 führte, aber sein magischer Freistoß am Ende den 2:1 Sieg sicherte. Die WM geht jetzt richtig los, dachte Fußball-Deutschland. Und Kroos’ Jubel zeigte damals und in der Doku, wie sehr der viermalige Gewinner der Champions League diesen Triumph wollte. Ein herrliches Gefühl. Bis zum Spiel gegen Südkorea.

Ob Filme über Fußball oder Biographien über die Kicker-Idole, jeder Fan sucht nach Antworten auf Fragen, die ihm der Fußball gestellt hat. Weshalb konnte Kroos das WM-Team 2018 nicht führen? Es gibt keine Erklärung, aber Kroos’ Statement nach dem 0:1 im Freundschaftsspiel gegen Brasilien (27.3. 2018) lässt anklingen, dass ihn die Einstellung einiger Mitspieler enttäuschte. Es begann schon vor dem Turnier in Russland.

Manfred Oldenburg („Das Wunder von Bern – Die wahre Geschichte“) ist ein ausgezeichneter Dokumentarist. Sein Film „Kroos“ verleiht dem ruhigen und sachlichen Spielgestalter ein paar charakterliche Konturen, wie die unprätentiöse Bruderliebe zu Felix, der bei Union Berlin spielt. Seine ausgeglichene Beziehung zur Ehefrau Jessica, die er mit 18 Jahren auf Fuerteventura kennenlernte, ist glaubhaft und sanftmütig. Beide leben in einer Villa vor Madrid und haben zwei Kinder. Sie ist noch nie in der City gewesen, auch weil man seit dem WM-Titel 2014 mit Toni nicht mehr in die Öffentlichkeit kann. Weltstar und Medienrummel.

Natürlich transportiert der Film auch diese Seite. Umarmung mit Maradona, Shake Hands mit Fifa-Präsident Gianni Invantino, am Tisch mit Neymar und Messi, die USA-Tour. Glamour statt Kampf. Die Real-Stars bewundern ihn, Zinédine Zidane geht es ums Spiel („elegant, effizient“), so wie Toni. Ein spanischer Journalist erläutert, dass Kroos den Madrilenen beigebracht hat, dass ihr Real-Team einen wie ihn gebraucht hat. Die Magie der Königlichen tut dem Film gut und dem deutschen Fußball-Fan, der ein bisschen teilhaben darf an Kroos’ Erfolgsserie: dreimal die Champions League gewonnen.

Und die Bilder, die 2017/2018 aufgenommen wurden, lenken ein wenig davon ab, dass der Spitzenfußball eine hermetische Wertegemeinschaft ist. Was bekommt der Fan noch zu sehen?

Szenen aus Greifswald, Kroos’ Heimat, Super-8-Bilder von Jugendspielen, Kinderfotos, die Großeltern, der ehrgeizige Vater, der die Söhne in den Profifußball brachte. Alles gehört zu einer biografischen Doku dazu und erzählt von einem sensiblen Strategen und feinen Menschen.

Bei den Bayern ist er nicht klargekommen. Dass Toni nicht zum Elfmeter-Schießen im Champions-League-Finale 2012 angetreten war, hat ihm Bayern-Boss Hoeneß nachgetragen. Um Kroos zum Sündenbock („Querpass-Toni“) zu machen, blendete Hoeneß den verschossenen Elfmeter von Arjen Robben in der Verlängerung und Mario Gomez’ vergebene Chancen aus. Eine Erklärung für diese Ignoranz gibt es in „Kroos“ nicht. Tonis Mutter Birgit hatte das Bayern-Problem schon vorher erkannt: „zu schickimicki“.

Der Film

Eine ruhige und sachliche Doku über den erfolgreichsten deutschen Fußballer.

Regie: Manfred Oldenburg

Darsteller: Toni Kroos, Pep Guardiola, Zinédine Zidane, Sergio Ramos, Robbie Williams, Uli Hoeneß

Dauer: 113 Minuten

Freigabe: 0 Jahre

Wertung: (((;;

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