„The Dead South“ spielen in Wuppertal Country mit Punk und Jazz

Im Original: Danny Kenyon am Cello, Scott Pringle und Nate Hilts, beide Gitarre und Gesang, sowie Colton Crawford am Banjo (von links) boten Countrypunkjazz. Foto: girkens

Wuppertal - Erst um 22.20 Uhr stellte sich die Band formal vor, da lief ihr Konzert bereits fast eine Stunde: Mit ihrem Song „The Dead South“ brachten es „The Dead South“ fertig, alles in vier Minuten zu legen, was sie sonst auf 90 Minuten verteilen: Country und Tempo, Punk und Prärie, Jazz und Temperament. Sie leiteten damit den letzten wilden Akt des Gastspiels ein, und das ausverkaufte Haus der Jugend in Wuppertal kochte.

Müssen sich „The Dead South“ vorstellen? Auf der einen Seite stehen 117 Millionen Klicks auf Youtube für ihren Hit „In Hell I’ll Be In Good Company“ sowie eine weitgehend ausverkaufte Bastard Son Tour, mit der sie Teenager wie ältere Herrschaften erreichen. Auf der anderen Seite: Wer noch mal ist „The Dead South“?

Es sind vier Musiker, die es alle mit Saiten haben. Tasten oder Schlagzeug fehlen. Das Banjo des großartigen Colton Crawford gibt dem Sound der Band den typischen und grundsätzlichen Klang – genannt: Country. Danny Kenyon brilliert am Cello, sorgt dabei für bassartigen Rhythmus, aber auch für die kleinen schrägen Ausflüge – der Aspekt: Jazz. Im Mittelpunkt von Musik und Bühne aber stehen Nate Hilts und Scott Pringle, zwei bärtige Sänger unterschiedlicher Stimmlage, die sich mit Gitarristen und Mandolinen abwechseln. Sie zerren den jazzpunktierten Countrysound in den Punk. Vor allem live – denn auf den Studioalben präsentiert sich die Formation eher handzahm und glattpoliert.

So formuliert es Sänger Hilts: „Ein Mix aus Nu-Folk, kombiniert mit einigen verschiedenen Stilrichtungen.“ Oder eher bildhaft ausgedrückt: Man nehme dem Sound der Pogues das grüne Irische und füge die kanadische Prärie hinzu. Denn aus der kommen die Musiker, der Bundesstaat hat den indianischen Namen Saskatchewan und ist extrem dünn besiedelt. Hier kommt man am Country nicht vorbei, bekämpft aber mit Wildheit die Langeweile.

Dabei erweisen sich die Musiker als Meister des plötzlichen Rhythmuswechsels und der unerwarteten Pause – bis hin zum eingefrorenen Standbild auf der Bühne. Besonders gut ist das in „The Recap“ zu besichtigen, dem Opener des Abends: Zwischen drei Rhythmen wechselt das Stück.

„The Recap“ ist auch typisch für die Texte des toten Südens: Ein Schläger und Säufer lässt sein bisheriges Leben Revue passieren. In „Miss Mary“ metzelt die Titelheldin im Drogenrausch ihren Gatten nieder, und in „Dead Man’s Isle“ will ein Betrunkener von seinem Hund nach Hause gefahren werden.

All das eskalierte die Band in der Zugabe am Schluss in „Banjo Odyssee“ und richteten mit ihren Punkelementen und der Trettrommel geradezu ein Massaker an der ländlichen Idylle an. Der letzte wilde Akt machte hörbar, wie wütend die Provinz einen machen kann.

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