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Samira Elagoz‘ Film „Cock, Cock ... Who‘s There?“ auf der Ruhrtriennale im Maschinenhaus Essen

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Von: Achim Lettmann

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Samira Elagoz performt seinen Film „Cock, Cock ... Who’s There?“ in Essen bei der Ruhrtriennale.
Samira Elagoz performt seinen Film „Cock, Cock ... Who’s There?“ in Essen bei der Ruhrtriennale. Er ist hier auch auf der Filmleinwand als Sie zu sehen. © Adam Forte

Samira Elagoz verarbeitet über konzeptuelle Sozialforschung ihre zwei Missbrauchserfahrungen aus früheren Zeiten. Mit filmischen Mitteln analysiert sie das Begehren von Männern.

Essen – Sexuelle Orientierung ist neben Diversität, Rassismus und Kolonialismus ein Thema, das im Diskurs unserer Tage zunehmend verhandelt wird. In der Kunst finden Auseinandersetzungen statt, die das sexuelle Selbstverständnis mithilfe unterschiedlicher Bühnenformate auslotet. Die Ruhrtriennale bildet dafür eine Plattform, Der finnisch-ägyptische Künstler Samira Elagoz hat den Film „Cock, Cock ... Who’s There?“ bereits 2016 produziert, um seine Femme-Vergangenheit zu reflektieren, in der zwei Vergewaltigungen stattfanden.

Samira Elagoz, Absolventin der Amsterdam School for New Dance Development, fühlt sich heute als transmaskuliner Film- und Performancekünstler, der in einem Interview sagte, dass er mit dem Film eine „Ode an das Frausein“ feierte. Im Maschinenhaus in Essen wurde „Cock, Cock ... Who’s There“ von Elagoz persönlich vorgestellt und mit Monologen wie kurzen Spielszenen performt. Nach dem Missbrauch durch ihren Partner (2005) und später von einem Freund (2014), ergründet und kommentiert sie Männlichkeit. „Ich konnte den ganzen Tag Penis sagen“, berichtete Elagoz aus dem Off des Films. Ihre Abneigung steigerte sie zu einer satirischen Abrechnung, wenn sie kantenlose Hochhaustürme und andere Potenzsymbole als Auswüchse der patriarchalen Gesellschaft geiselte: „Säule der Zivilisation“. Ein erigierter Penis wird hier zum sarkastischen Sprachrohr ihrer Anklage. Daneben zeigen dokumentarische Bilder, wie eine junge Frau über Missbrauch spricht. Ihre Großmutter kommt später dazu und offenbart, was ihr 1946 passierte, als sie vor der Haustür von einem Vergewaltiger überfallen wurde. Die unmittelbare Gefährdung von Frauen ist ein durchgehendes Thema in „Cock, Cock ... Who’s There?“ und die Frage, wie Opfer mit dem Trauma selbst umgehen?

Elagoz startete eine Art soziale Forschung. Sie fragte sich, was führt dazu, dass Männer aggressiv werden? Wie erleben mich Männer? Über ein „Chatroulette“ hatte sie Kontakte. Im Film sind dann Screenshots von erstaunten Kerlen zu sehen, die Elagoz beeindrucken wollten, dann allerdings fotografiert wurden. In einem zweiten Schritt ihrer Sozialexperimente fuhr Elagoz mit ihrer Kamera zu Männern nach Hause („Die Dominanten“). Sie übernahm dabei die Bildregie und behauptete sich gegenüber coolen, alten und provokanten Typen („Ich werde dich verzehren“). Die Bilder sind risikobehaftet. Die Clips folgen auch der Fragestellung, ob Elagoz nach dem Missbrauchstrauma jemals wieder Liebe spüren kann? Sie bot Männer an, ein Treffen nur für einen Kuss? Im Splittscreen sind die Küssenden zu sehen. Nur bei einem spürte sie Zärtlichkeit.

Solche Begegnungen bleiben emotional merkwürdig. Es gibt keine Quintessenz, nur Konzepte, das sogenannte Männliche aufzuspüren. In Tokyo zeigte Elagoz ihren zweiten Vergewaltiger an. Der Täter wurde gefasst.

Am Ende lässt sie ein Bildmedley zur Musik von Michael Nyman durchlaufen, das an die bunte Zeichentrick-Illusion vom Filmanfang erinnert, als eine Vulva zum Zentrum der Welt wird und alles in sich verschlingt, um Überlegenheit zu demonstrieren. Pure Pop-Art.

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