Erstes von zwei ausverkauften Konzerten in Gelsenkirchen

Rammstein begeistern zum Tourauftakt 60.000 grölende Fans - Fotos im Artikel

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[Update 16.03 Uhr] Gelsenkirchen – Feuersäulen schießen über das Stadiondach, Gitarren speien Flammen, und die Klavierspielerinnen von Jatekok begleiten die Band Rammstein auf ihrem Weg zur Bühne mit dem Stück „Engel“. Die sechs Musiker sitzen in einzelnen Schlauchbooten und werden von den Fans auf Händen getragen. Stage Diving einmal anders. Rammstein starten ihre erste Europa-Stadiontour in Gelsenkirchen.

Die Industrial- und Brachialrocker brennen zum Auftakt am Montagabend in der ausverkauften Gelsenkirchener Arena ein bombastisches und opulentes Feuerwerk ab. 

An zwei Abenden sind sie zu hören. Die schiere Größe der gigantischen Bühne, die von etwa 30 Meter hohen Boxenwänden an beiden Seiten ummantelt wird, beeindruckt. Das spärliche Bühnenbild erinnert mit seiner Wolkenkratzer-Silhouette an Gotham City, inklusive mächtiger Suchscheinwerfer.

Fans singen Songs lautstark mit

Erwartungen und Vorfreude der Fans sind riesig. Auch die Bereitschaft, mit den Musikern das neue Werk in den Bandkanon einzuordnen, ist groß. Alle Songs von dem am 17. Mai erschienenen Album „Rammstein“ werden lautstark mitgesungen. 

Die Musiker um Sänger Till Lindemann hatten zum zehnten Mal die Spitze der offiziellen deutschen Charts erobert – ein Rekord. Das siebte Studio-Album in der 25-jährigen Band-Geschichte nimmt einen großen Platz im etwas mehr als zweistündigen Set ein. Rammstein ist eine Live-Band mit dem Hang zum größtmöglichen Spektakel an der Grenze zum bewussten Tabubruch – das zeigen sie auch in Gelsenkirchen.

So beginnt das Konzert im Dämmerlicht mit einem Knalleffekt. Am Anfang steht der Ambivalenz-Song „Was ich liebe“ vom neuen Album und darin heißt es „Das wird verderben“. So war es immer. 

Rammstein ist nicht eindeutig („So halte ich mich schadlos“), spielt mit Erregungszuständen und provoziert. Und was ist auf der Bühne zu sehen, was wird vom „Deutschland“-Video gezeigt, über das sich viele empörten, weil die Rammstein-Musiker als KZ-Häftlinge auftraten? 

Die Band bietet dazu ein fünfminütiges Intro, was optisch und musikalisch an die Band Kraftwerk erinnert. Vier Bandmitglieder als weiße in LED-Licht getauchte Strichmännchen hüpfen ungelenk zum Minimal-Elektro von Keyboarder Flake Lorenz. Später grölt Lindemann: „Du (übermächtig, überflüssig) / Ich (Übermenschen, überdrüssig).“ 

Und er positioniert sich und seine Band damit so eindeutig wie schon im Stakkato-Marsch „Links 2 3 4“ aus dem Jahr 2001 (der natürlich auch gespielt wird) und singt weiter: „Deutschland! Meine Liebe kann ich dir nicht geben.“ Es ist das Resümee des Songs.

Rammstein begeistert Fans 

Dazu steht Flake immer wieder im goldglitzernden Anzug am Keyboard oder auf einem Laufband wie auf einem Hamsterrad, und Till Lindemann trägt einen Anzug in Schlangenleder-Optik, während Bassist Oliver Riedel einen Netzstrumpf über den Kopf gezogen hat. 

Keine andere deutsche Rockband hat es geschafft, international so erfolgreich zu sein wie Rammstein mit ihrem harten und brachialen Sound, der in Gelsenkirchen glasklar und mit einer infernalischen Lautstärke ertönt. 

Im Ausland kommt Rammstein als reine Unterhaltungsshow an: Lindemanns Muskelspiel, ein Kraftakt, der von Blut und Schweiß zehrt, das martialische R-Rollen und die Geschmacklosigkeiten, die Tabus ausloten. So sollte auch der Tourauftakt gesehen werden. Keine politische Botschaft.

Es gibt da den Vergleich, dass Rammstein wie AC/DC seien, beide ziehen ihr Ding kompromisslos durch. Mehr Lob geht in der Rockszene eigentlich nicht. Die zweite Single „Radio“ klingt in Gelsenkirchen ein wenig poppig. 

Und in „Zeig dich“ ist eine ätzende Anklage an Geistliche zu hören, die „aus Versehen sich an Kindern vergehen“ – es wird optisch zu einem Fegefeuer. Der Song „Puppe“ erinnert an die Band Einstürzenden Neubauten, dazu kommt das langsame Grauen, für das Rammstein bekannt ist: Lindemann fängt ruhig an, um dann wie von Sinnen zu schreien. 

Dazu schiebt er einen übergroßen und später brennenden Kinderwagen: „Dann beiß ich der Puppe den Hals ab / es geht mir nicht gut.“

Zu „Sonne“ steigen Feuerbälle empor, später werden Blitze durchs Stadion geschickt. Es gibt aber auch stille Momente, etwa beim balladesken „Diamant“. Und „Engel“ wird mit dem Duo Jatekok besonders inszeniert. 

Letztlich ist es ein Konzert wie ein Donnerhall und ein Erlebnis, in dem die Fans das neue Album wie ein neues Familienmitglied begrüßen. Danach bedanken sich Lindemann und seine Musiker höflich mit einer Verbeugung.

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