Zwei Wende-Verlierer auf der Bühne

„Warten auf‘n Bus“ von Oliver Bukowski am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel

Mario Thomanek (links) und Mike Kühne in „Warten auf’n Bus“ in Castrop-Rauxel.
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Mit Dreiecksbadehose aus DDR-Zeiten. Mario Thomanek (links) und Mike Kühne in „Warten auf’n Bus“ in Castrop-Rauxel.

Im RBB-Fernsehprogramm gibt es bereits zwei Staffeln zu „Warten auf‘n Bus“. Nun findet sich eine Theaterversion in Castrop-Rauxel, die bittersüß unterhält.

Castrop-Rauxel – Am Anfang war der Hund. Maik bellt, und Herrchen Ralle schnauzt ihn an, er solle damit aufhören. Zusammen mit Freund Hannes spekuliert der Choleriker, weshalb Maik eine Blume anbellt. So startete 2020 die Comedy-Miniserie „Warten auf’n Bus“ im RBB-Fernsehprogramm. Die zwei Wende-Verlierer aus Brandenburg haben es nun bis ins Westfälische Landestheater (WLT) nach Castrop-Rauxel geschafft, wo Intendant Ralf Ebeling eine Bühnenversion des TV-Erfolgs sehr nah am Original eingerichtet hat. Auch am Theater Bielefeld läuft bereits eine Version.

Dramatiker Oliver Bukowski spielt im Titel seiner Comedy-Serie mit Samuel Becketts „Warten auf Godot“. Im Klassiker des Absurden Theaters wird einer vagen Hoffnung Raum gegeben, in „Warten auf’n Bus“ ist das Absurde spürbar, wenn zwei Loser sich bemühen, wieder Anschluss zu finden an eine Welt, die ihnen längst entglitten ist. Es herrscht vor allem Tragikomik, wenn Mario Thomanek (Ralle) die Dreiecksbadehose der DDR vorführt, um an alte Zeiten zu erinnern. Das fühlt sich fremd an, und Mike Kühne (Hannes) gefällt sich in der Montur eines Zimmermanns ebenso wenig, weil das Versprechen vom Arbeiter- und Bauernstaat nicht aufgegangen ist. Beide Darsteller füllen ihre Figuren wunderbar aus. Thomanek gibt den Rechthaberischen und Verkannten mit einer Spur gehemmter Männlichkeit. Während Kühne mehr folgt und ein Bauchgefühl zulässt. Einmal schlägt er zu, weil der Freund bei einer Montagsdemo in Dresden war. Das RBB-Original-Duo Felix Kramer und Ronald Zehrfeld wird nicht vermisst.

Das malerische Maisfeld hinter der Bushaltestelle bildet eine nette Kulisse (Ausstattung: Jeremias H. Vondrlik) für eine Männerfreundschaft. Beide wenden wechselseitig ihre Biografien, um nach ihrem Selbstwert zu forschen. Wenn Ralf bei Beate nicht landete, weil er im Müll nach zwei Bügelflaschen angelte, die ihm Pfand einbringen sollten, dann mischen sich Fremdschämen und Schadenfreude. „Warten auf’n Bus“ hat komödiantische Qualitäten. Facebook-Auftritt mit Bier-Fotos, Selbstverlust beim Systemwechsel, Kampf mit radikaler Feministin, Hohn von der Busfahrerin, die mit großer Klappe und blonder Mähne beide im Griff hat. Ralf und Johannes bleiben im Gespräch – untereinander, aber sind nicht angesagt. Vor allem Vergeblichkeit sorgt für bitter-süße Unterhaltung. Zwei ihrer Sorte ließen sich auch im Ruhrgebiet finden. Viel Applaus!

30., 31.1. 2023; 5., 6., 7.2. 2023 Castrop-Rauxel Studio;

16.4. 2023 Hamm, Kurhaus; www.westfälisches-

landestheater.de

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