Nathaniel Rateliff rockt Kölner E-Werk

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Köln [Update 17.14 Uhr] - Es ist Wochenende in Köln. Zeit zum Tanzen. Das wissen auch Nathaniel Rateliff & The Night Sweats und packen „Out on the Weekend“ aus, einen ausgelassenen, hoch melodischen Rock-‘n‘-Roller. Spätestens jetzt bewegen sich alle im Kölner E-Werk zum ansteckenden Beat, während der Sänger fleißig das Tamburin gegen seine Beine schlägt und ausgelassen tanzt.

Zwischendurch lässt Nathaniel Rateliff dabei auch die Hüften seines Wohlstandsbauchs rotieren, der unter dem spack sitzenden, weit aufgeknöpften Hemd sitzt. Der 39-Jährige, geboren in der Kleinstadt Hermann im US-Bundesstaat Missouri, hat schon alleine seiner Herkunft wegen den Rhythmus im Blut – aber noch viel mehr, wie sich bereits auf den bisher erschienen beiden Platten mit den Night Sweats herausgestellt hat. Blues, Folk, Soul – all das panscht der vollbärtige Filzhutträger zusammen wie Südstaaten-Schwarzbrenner ihren Schnaps und schafft damit so mitreißende Stücke wie „Trying So Hard Not to Know“ und „S.O.B.“.

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats in Köln

Auf zuletzt genannte Nummer, das bekannteste Stück der Band, müssen die Fans bis zum Schluss warten. Rateliff lädt zum Mitsingen ein beim reich instrumentierten Kneipensong, in dem es – wie sollte es auch anders sein – ums Trinken geht. Mit einer Wirtschaft hat die Bühnendeko weniger zu tun. Stattdessen spielt die Band vor eleganten Vorhängen und zwischen zahlreichen Spots und alten Mikros auf. Die Umgebung macht auch optisch klar, was die Songs jenseits ihrer textlichen Ebene allesamt vermitteln wollen: die Liebe zur amerikanischen Musik der 50er und 60er Jahre.

Bei Nathaniel Rateliff klingt das authentisch. Aufgesetzt ist da nichts. Der Sänger atmet die Geschichte des Rock, seine Ursprünge und unterschiedlichen Ausprägungen in der Nachkriegszeit, mal gefühlvoll, mal räudig, aber immer energiegeladen. Das bluesig swingende „Howling at Nothing“ ist ein Paradebeispiel für den Retro-Charme der insgesamt achtköpfigen Band. „Baby I Lost My Way (But I‘m Going Home)“ versprüht Surfrock-Atmosphäre mit dramatischen Bläsern. „Wasting Time“ ist eine mit Country-Elementen angereicherte Ballade, die mit einem verträumten Orgel-Trompeten-Intro eingeleitet wird. Und bei „Babe I Know“ wandelt der Sänger auf den Spuren von Sam Cooke.

All seine Songs bekommen Rateliffs unnachahmliches Timbre verpasst, eine durchgehend leicht heisere, unglaublich voluminöse Stimme mit wahnsinnig viel Soul und hohem Wiedererkennungswert. Lässig steht der Frontmann zunächst am Mikro, die Hände in die Seiten gestemmt. Zu „Shoe Boot“ lässt erst einmal die Band machen: Joseph Pope III, ebenfalls überzeugter Hutträger, bearbeitet die Seiten seines Basses und entlockt ihr dunkel-dumpfe Klänge. Gitarrist Luke Mossman hat sein Instrument weit oben vor die Brust gespannt und schon kurz nach Beginn dank seines ausufernden Tanzstils schweißnasse Strähnen im Gesicht. Dazu gesellen sich Saxofon, Trompete und Orgel. Dann setzt Nathaniel Rateliff ein und perfekt ist das Nostalgie-Gemisch voller Anleihen an die Unterhaltungsmusik vergangener Tage, die so frisch und unverbraucht klingt, dass man sich wünscht, die Band würde weiterspielen, bis die Sonne wieder aufgeht. So wie in einer perfekten Wochenendnacht.

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