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Matthias Schaller stellt im NRW-Forum Düsseldorf aus: Porträt.

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Von: Achim Lettmann

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Die Farbpalette Vincent van Goghs fotografierte Matthias Schaller 2007.
Die Farbpalette Vincent van Goghs fotografierte Matthias Schaller 2007. Zu sehen in Düsseldorf. © Matthias Schaller

Was einen Menschen ausmacht, zeigt sich nicht in seinem Gesicht? Fotografien von Matthias Schaller im NRW-Forum Düsseldorf fassen das Thema „Porträt“ neu.

Düsseldorf – Es gibt Porträts ohne Köpfe, ohne Gesichter – aber über Menschen, die sich in Matthias Schallers Fotografien nicht zeigen. Der Kulturanthropologe und Fotograf, 1965 in Dillingen (Bayern) geboren, wird derzeit im Düsseldorfer NRW-Forum ausgestellt. 100 Lichtbilder aus acht Fotoserien präsentiert Kuratorin Linda Conze unter dem Titel „Porträt. Fotografien von Matthias Schaller“. Die Schau lässt eine Erwartungshaltung ins Leere laufen und erzielt gerade damit erstaunliche Wirkungen.

Gleich zu Beginn verbirgt der voluminöse Helm eines Raumanzugs eben das Antlitz hinter der getönten Scheibe. Wer ist der Mann im Mond? Eine Frau? Die schwarz-weiße Montur gehört einer Privatsammlung und nicht der Nasa. Hier schaut also niemand in die Kamera. Die „Disportraits“ (2008–2009) stoßen vor allem das Kopfkino an, wie eine Odyssee im Weltraum.

Schallers Konzepte sind so ideenreich wie substanziell. Seit 2007 sucht der Fotograf nach den Arbeitsgeräten berühmter Malerinnen und Maler: die Farbpalette. Erkennen wir Ölgemälde Vincent van Goghs anhand der Farben auf seiner Palette? „Das Meisterstück“ heißt die Serie, die auch an Arbeiten von Paula Modersohn-Becker und anderen denken lässt. Schaller hat die digitalen Aufnahmen vor weißem Hintergrund vergrößert und die Farben erfrischt, zum Strahlen gebracht.

Sichtbar macht die Serie „Die Mühle“ den Wohn- und Arbeitsraum von Bernd (1931–2007) und Hilla Becher (1934–2015). Das Fotografenpaar, das mit seinen typologischen Industrie-Dokumentationen die zeitgenössische Fotografie beeinflusst hat, ließ Schaller 2001 in seine privaten Räume, bevor sie in eine alte Schule nach Kaiserswerth wechselten. Schaller leuchtet alles aus. Die funktionale Einrichtung, die Orte für Materialien, die Fotografien, Sitzplätze, ein Tisch – hier ist alles dem Schaffenprozess verpflichtet. 2019 ist die Fotoserie zur Papiermühle von der Stadtsparkasse angekauft worden, die Fotografien sammelt. Das Konvolut umfasst 1300 Exponate.

Die Abwesenheit hat in der Serie „Echokammer“ (2002/03) etwas Unwirkliches. Die Kinderzimmer in Neapel sind aufgeräumt, unbenutzt. Hier ist der Ordnungswunsch der Eltern, ein Echo, das der Fotografie etwas Befremdliches einhaucht. Kinder fehlen.

Weitere Themen sind die Arbeitszimmer der Kurienkardinäle des Vatikans, ein Gipsmodell des Bildhauers Antonio Canova, ein Gemälde von Hans Memling und eine Plattensammlung.

Bis 22.5.; di – so 11 – 18 Uhr, do bis 21 Uhr;

Tel. 0211/566 42 749; www.nrw-forum.de

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