Die Ludwiggalerie Oberhausen feiert Rolf Kauka und „Fix und Foxi“

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Ein typischer Streich von Fix und Foxi. Das Titelbild für den Sammelband 45 (um 1969) zeichnete Branimir Karabajic.

OBERHAUSEN - Es ist ein typischer Gag von Fix und Foxi: Die Füchse haben mit einer angeleinten Maus Oma Eusebia und Lupinchen erschreckt, so dass sie an die Lampe springen. Unterdessen lassen die Lauser sich die Torte schmecken. Den Namen des Zeichners Branimir Karabajic, kennen heute nur Fans und Fachleute. Aber Rolf Kauka, Herausgeber von Fix und Foxi, stand über Jahrzehnte hinweg für den deutschen Comic. Kauka war selbst eine Marke, nicht zuletzt, weil er in jedem Heft mit einer Kolumne vertreten war, als väterlicher Freund der Kinder.

Das Ludwigmuseum Schloss Oberhausen widmet dem „deutschen Walt Disney“ von Sonntag an eine große Werkschau, die bei vielen Besuchern nostalgische Erinnerungen an die Kindheit auslösen wird. Mit mehr als 500 Exponaten wird hier ein Stück Comicgeschichte von den 1950er Jahren bis fast in die Gegenwart ausgebreitet. Die Originalzeichnungen, Skizzen, Entwurfsblätter stammen überwiegend aus dem Nachlass Kaukas, der von der Witwe Kaukas an Stefan Piëch ging. Der Urenkel von Ferdinand Porsche vermarktet die Comicfigurenüber seine in Wien ansässige Produktionsfirma Your Family Entertainment in Trickfilmen, die in Deutsch, Englisch, Spanisch und sogar Arabisch ausgestrahlt werden.

Fix und Foxi sind Schöpfungen des Wiederaufbaus. Noch die eingangs beschriebene Szene, die als Cover für ein Heft von 1969 diente, ist ganz den Rollenbildern der Zeit verhaftet: Frauen und Mädchen haben Angst, freche Jungs kriegen, was sie wollen.

Kauka, (1917–2000), Sohn eines Hufschmieds im sächsischen Markranstädt, hatte zwar schon als Jugendlicher gezeichnet. Aber er absolvierte eine Ausbildung als Drogeriegehilfe und war im Weltkrieg Offizier. 1947 gründete er den Kauka-Verlag, in dem zunächst verschiedenste Publikationen erschienen, ein „Leitfaden für Polizeibeamte“, Magazine wie „Mix“ und „Er – die Zeitschrift für den Herrn“, aber auch Romanhefte wie „Bill Rocky“. 1951 erschien die deutsche Ausgabe von „Micky Maus“. Offensichtlich inspirierte Kauka der Erfolg, und 1953 brachte er ein eigenes Heft heraus, „Till Eulenspiegel“. Darin versuchte er sich vom US-Vorbild abzusetzen, sicher auch, um der Kampagne gegen „Schmutz und Schund“ den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er betonte, dass sein Heft eine „rein deutsche Schöpfung“ sei. Und er griff Motive aus der Hochkultur auf, neben den Eulenspiegel-Schwänken waren das die Erzählungen um den Lügenbaron Münchhausen und um Reineke Fuchs. Sauber, moralisch, pädagogisch wertvoll, so sollten die Bilderzählungen vor allem auch bei den Eltern ankommen.

Die Füchse, abgeleitet von Reineke, tauchten 1953 erstmals auf und waren so erfolgreich, dass zwei Jahre später das Magazin nach ihnen benannt wurde. Kauka hat sie nie selbst gezeichnet. Seine Mitarbeiter, zunächst Dorul van der Heide, später ein immer größeres Team, darunter Kurt Ludwig Schmidt alias Kasch, Walter Neugebauer, Öktemer Köksal, schufen den Kosmos um Fuxholzen. Die Abenteuer spielten in einer idyllischen Provinz, besiedelt vom Onkel Knax, der kuchenbackenden Oma Eusebia und vor allem dem Halbstarken Lupo, der letztlich stets an der Pfiffigkeit von Fix und Foxi scheitert.

In Oberhausen sieht man wunderbar, wie die Figuren sich über mehrere Zeichner-Generationen entwickeln von anfangs fast naturalistischen Tieren hin zu den abstrahierten roten Kinderhelden. Und man kann den Wandel des Zeitgeistes studieren, der sich in Kaukas Welt stets niederschlug. Um 1955 spielen Fix und Foxi Fußball in Kriegsruinen oder machen waghalsige Kunststücke auf dem Fahrrad, wobei sie immer gerade an der Katastrophe vorbeischliddern. Am Ende steht eine Moral. 1965 fahren sie lachend mit dem Bus nach Italien, das Wirtschaftswunder lässt grüßen. Gewiss sind Fix und Foxi keine Plagiate von Disney-Figuren. Unbestreitbar aber hat Kauka sich immer wieder im Figurenrepertoire des US-Kollegen bedient, zum Beispiel mit dem Erfinder Knox, einer kaum kaschierten Kopie von Daniel Düsentrieb. Oder mit dem Rehkitz Kizzi, dessen Ähnlichkeit mit Bambi sogar angesprochen wird. Kauka erweiterte seine Produktpalette, machte den anarchischen Lupo zum Protagonisten eines eigenen Heftes, das sich eher an Jugendliche richtete. In „Lupo modern“ gab es eine Geschichte des Jazz und wurde gestritten über „Beatles contra Rolling Stones“. Mit „Bussi Bär“ sollten Kinder im Vorschulalter angesprochen werden, aber es gab auch das Erotikmagazin „Pip“.

Ab 1964 brachte Kauka in seinen Publikationen die frankobelgischen Comics auf den deutschen Markt. Das ist wohl sein größtes Verdienst, wichtiger als seine doch recht biederen Eigenentwicklungen. Hier erschienen erstmals Asterix, Lucky Luke, Spirou und die Schlümpfe. Allerdings oft in eigenwilliger Form: Aus den unbeugsamen Galliern Asterix und Obelix wurden die Germanen Siggi und Barrabas. Die Text-Gags hatte eine unangenehm nationalistische Schlagseite. Im Katalog wird das als „Politklamauk“ entschuldigt. Auch sonst zeugten kalauernde Eindeutschungen und lieblose Layouts von sorglosem Umgang mit den Originalen. Kein Wunder, dass Uderzo und Goscinny Kauka die Rechte an Asterix entzogen. Kauka brachte eine eigene Version von Siggi und Barrabas heraus.

Die Schau dokumentiert eine erstaunliche Fülle an Stilen, zeigt weitere Entwicklungen Kaukas wie die Piratenserie „Capitan Terror“, die Dschungelabenteuer um Kuma und die Serie um den Raumfahrer Mischa.

Kaukas Welt hat sich, auch das ist in Oberhausen zu sehen, schon überlebt. Aber man erinnert sich mit einem Lächeln.

Eröffnung Samstag, 19 Uhr, bis 9.9., di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0208 / 41 249 28,

www.ludwiggalerie.de,

Katalog 29,80 Euro

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