Lucas Hararis Graphic Novel „Der Magnet“

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Absturz in (S. 128), erschienen in der Edition Moderne. - Foto: Edition Moderne

PARIS/ZÜRICH Bergpanoramen, Architektur und scheinbar gut gehütete Geheimnisse: Es ist ein prachtvolles Debüt, das dem Pariser Zeichner und Autor Lucas Harari (28) mit dem großformatigen Band „Der Magnet“ (Edition Moderne) gelungen ist. Seine Graphic Novel bewegt sich an der Schnittstelle architektonischer Formensprache und der Ligne Claire französicher Comic-Tradition.

Harari legt seine Hommage an den Schweizer Star-Architekten Peter Zumthor als enigmatischen Thriller mit persönlicher Färbung an. Im Mittelpunkt stehen die von Zumthor entworfene Therme in Vals (Graubünden/Schweiz) und der gescheiterte Architekturstudent Pierre.

Pierre ist gewissermaßen das Alter Ego Hararis. Auch letzterer – aus einer Architektenfamilie stammend – brach sein Architektur-Studium ab. Harari entschied sich stattdessen für den Studiengang Kunstdruck an der Fachhochschule Paris. Dort widmete er sich alten Druckverfahren wie dem Siebdruck, einer Technik, deren Ästhetik in „Der Magnet“ klar zum Ausdruck kommt. Eigentlich sollte „Der Magnet“ Hararis Abschlussarbeit werden.

Seine Faszination für die Therme entdeckte er als Jugendlicher bei einem Familienbesuch in Vals. Ein gut entworfenes Gebäude bringe eine Saite in ihm zum Klingen, sagt Harari im Interview. Und zum Besuch in Vals: „Ich bin dem Charme des Gebäudes erlegen – etwas Ähnliches hatte ich noch nie gesehen. Ich finde, dass die Therme die eigentliche Essenz dessen darstellt, was Architektur sein soll. Die Verwendung der verschiedenen Materialien, das Spiel des Lichts, die Raumaufteilung, die Geräusche, die Farben, die Umgebung, die Landschaft... All das hat mich berührt, als würde ich mich in einem feenhaften Universum befinden.“

Hararis Protagonist verlässt Paris, getrieben von dem Bedürfnis, Zumthors Bauwerk und dessen komplexe Formensprache zu entschlüsseln. Schnell gibt es für ihn Anzeichen, das sich hinter dem von 60 000 Steinplatten ummantelten Bau und seinen labyrinthischen Strukturen mehr verbirgt, als das Auge erfasst. Pierre versucht einem scheinbar lange gehütetem Geheimnis, einer Legende, auf die Spur zu kommen. Doch dabei ist er nicht der einzige. Was steckt hinter dem Mythos? Mehr und mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und persönlicher Wahrnehmung.

In der farblichen Ausgestaltung setzt Harari auf Sparsamkeit. Zur Anwendung kommen lediglich die Farben Blau, Schwarz und Rot, die mitunter übereinandergelegt werden, um Abtönungen zu erzielen. In der Bergwelt und der Formensprache der Architektur dominieren kühle Blau- und Schwarztöne. Rot steht dagegen für Wärme, Emotionalität und Dramatik.

Hararis Seiten- und Bildarchitektur reicht von konventionell bis mutig und herausragend. Ohne Zwischenschlag reiht er Bild an Bild, teilweise ineinandergreifend. Innerhalb der strengen Linienführung der Architektur lässt er seinen Protagonisten die Therme ergründen – Mensch trifft auf Form und Funktionalität. Es gibt Interaktion allerdings ohne echte Annäherung. Architektur als eine Art Chiffrensymbol. Ganzseitig zeigt Harari Landschaft und Therme im Panorama. Dunkelheit ist bei ihm vollfarbig schwarz, mitunter ebenfalls ganzseitig.

Peter Zumthor hat seine Therme selbst ein „Erfahrungsbad“ genannt. Im übertragenen Sinne gilt dies ebenso für Hararis Graphic Novel: Sie ist eine spannende sinnliche Erfahrung und ein Bad in opulenten Bildern.

Lucas Harari: Der Magnet. Edition Moderne, Zürich. 144 S., 32 Euro

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