Der Londoner Künstler Mike Nelson in Münster

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Ein unzugänglicher Arbeitsplatz: Mike Nelsons „Studio Apparatus“ ist in der Kunsthalle Münster zu sehen.

Von Marion Gay MÜNSTER - Ein undurchdringliches Gewirr aus Metallstäben füllt die Halle nahezu komplett aus. Nur ein schmaler Weg bleibt rundherum frei. Von dort aus lässt sich ins Innere des verschachtelten Käfigs blicken. Zu sehen sind Werkbänke und Betonmischer, Eimer und Werkzeuge, Drähte und Metallteile, Betonköpfe und Masken. Jemand scheint in diesem Chaos bis gerade gearbeitet zu haben. Man fragt sich nur, wie er dem labyrinthischen Gefängnis entkommen ist.

Die raumgreifende Installation „Studio apparatus for Kunsthalle Münster“ ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Mike Nelson in Deutschland. Der Londoner Künstler hat das Werk für die Kunsthalle konzipiert und mehrere Wochen lang vor Ort daran gebaut.

Der 1967 geborene Nelson ist international bekannt für seine aufwändigen Installationen und Skulpturen und war 2011 bei der Biennale in Venedig. 1998 hatte ihm das Camden Arts Centre in London seine Räumlichkeiten überlassen, um dort temporär und unter den Blicken von Ausstellungsbesuchern zu arbeiten. Nelson kam die Einladung gelegen, da er damals kein eigenes Atelier hatte. Gleichzeitig missfiel ihm die Vorstellung, beim Arbeiten von der Öffentlichkeit beobachtet zu werden. Er beschloss, die Aufgabe zu parodieren, indem er ein Atelier als maßstabsgetreue Attrappe entwarf. Dieser erste „Studio apparatus“ war begehbar. An einer Pinnwand im Eingang klebte ein Zettel mit der Einleitung von Jules Vernes Roman „Die geheimnisvolle Insel“. Diese Erzählung setzt zwar inhaltlich „20 000 Meilen unter dem Meer“ fort, seine Handlungsstränge greifen aber zeitlich unlogisch vor.

Auf solche Zeitversprünge bezieht sich Nelson in seiner seriellen Werkreihe von „Studio apparatus“. Die Arbeit in Münster ist nach einem ähnlichen Werk im Palais de Tokyo in Paris chronologisch die Nummer 5 der Werkgruppe, soll aber wie dessen Vorgänger wirken. Beide Installationen erschaffen einen Raum im Raum. Während jedoch die Arbeit in Paris begehbar und monumental ist, erscheint die aktuelle Variante wie eine engmaschige Skulptur, ein dichtes Geflecht aus Baumaterialien, das an Käfige von Legehennen erinnert. In diesem Gehege möchte niemand arbeiten.

Beunruhigend auch die Horrormasken und Betonköpfe, die wie abgeschlagen auf dem Boden liegen oder mit Eisenhaken an den Stäben befestigt sind. Assoziationen an politisch aktuelle Zustände im Mittleren Osten sind vom Künstler beabsichtigt, gleichzeitig möchte er auf vielfältige und irreführende Wirklichkeitsebenen verweisen. In die vorgegaukelte und zugleich real erscheinende Arbeitssituation drängen sich die Köpfe und Fratzen wie Wahnvorstellungen, wie Alpträume von Gefangenen.

Bis 22.2., di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 4924 191

www.kunsthalle.muenster.de

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