„L.I.E.B.E.“ im Konzerthaus Dortmund: Götz Alsmann zelebriert wieder Schlager

Die Zugabe spielt Götz Alsmann im Konzerthaus auf der Ukulele. Foto: Christoph Giese

Dortmund – Man glaubt Götz Alsmann sofort, wie er sagt: „Wir haben uns wie Bolle auf diese Abende gefreut!“ Es sind die ersten Konzerte seiner Band in diesem Jahr. Gleich dreimal spielen Alsmann und seine Band am Wochenende im Konzerthaus Dortmund, das trotz Corona-Sitzordnung wieder ein so etwas wie Atmosphäre vermittelt. Hier feiert Alsmann die Premiere seines aktuellen Programms. Diemal steht wieder der deutsche Schlager im Fokus. „L.I.E.B.E.“, der titelgebende Hit, war 1965 allerdings unter dem Titel „L.O.V.E.“ ein Hit für Nat King Cole. Es passt trotzdem, denn der Komponist Bert Kaempfert war Deutscher. Und 1966 sang Gerhard Wendland die deutsche Fassung.

Das Publikum bekommt in diesem Programm, was es erwartet. Mit Charme, Ironie und Eleganz wandeln Alsmann und seine vier Mitstreiter auf dem schmalen Grat zwischen Schlager und Jazz. Dabei kann Alsmann immer wieder das Klavier verlassen, Bassst Ingo Senst und Schlagzeuger Dominik Hahn sorgen trotzdem für einen verlässlichen Groove, und Perkussionist Markus Paßlick füllt mit vielen kleinen Plings und Ticks das Klangbild auf. Und in jedem Fall brilliert Altfrid M. Sicking an Vibrafon, Xylofon, Glockenspiel, Trompete und Röhrenglocken.

Zwischendurch liefert Alsmann, bekanntlich Professor an der Universität Münster, ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Exkurse zum Beispiel über das Lied „Unter den tausend Laternen“, das Michael Jary 1952 für den Film „Die Stimme des Anderen“ schrieb. Das Lied war ein so großer Erfolg, dass der Film nach dem Hit umbenannt wurde.

Das Publikum ist mit dem Lehrstoff vertraut. Als Alsmann den Titel eines Chansons von Udo Jürgens ansagt, „Was ich dir sagen will...“, vollendet eine Besucherin die Zeile: „...sagt mein Klavier“. Da hat der Sänger schon über seine Kindheitsfaszination für das Klavier geplaudert, von Fernsehstunden mit Paul Kuhn und Horst Jankowski. Für sein Pianosolo enthüllt er ein Kinderklavier und klimpert darauf die Melodie, ein wenig schräg und doch schmerzlich schön.

Und er gewinnt den alten Liedern frische Momente ab, baut hier eine Bop-Phrase ein, eine jazzige Überleitung. Den Klassiker „Man müsste Klavier spielen können“ peppt er mit einem New-Orleans-Shuffle auf, als wär’s von Fats Domino. Für Zarah Leanders Hit „Du darfst mir nie mehr rote Rosen schenken“ schnallt er die E-Gitarre um und spielt einen Rock-Rhythmus, ein Lick wie von Bo Diddley. Ein paar Überraschungen hat er eben doch dabei. Für die Zugaben nach zwei hochamüsanten Stunden greift er zur Ukulele. Verlernt hat er in der Zwangspause jedenfalls nichts.

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