Leona Stahlmann: Der Defekt. Roman. Kein & Aber Verlag,

Leona Stahlmann: Der Defekt. Roman. Kein & Aber Verlag, Zürich. 268 S., 22 Euro. Als Malene aus Indien zurückkommt, finden sich die Freundinnen wieder. Mina war mit Vetko zusammen, Malene mit Fabian. In Leona Stahlmanns „Der Defekt“ geht es um Mina, die nach drei Jahren Studium wieder in ihrem Heimatdorf auftaucht und sich ihren Selbstzweifeln stellt. Mina mag Schmerzen. Als 16-Jährige fasst sie in Brennnesseln, lässt sich von Bremsen stechen. Dann taucht Vetko auf, der sie anzieht und ihr bald Aufgaben stellt, während sie entblößt im Wald niederkniet. Wie ist das möglich, ist eine Frage, die Autorin Stahlmann in einem fesselnden Entwicklungsroman ausgestaltet. Minas Widerstreit zwischen Familie und Schule einerseits und ihrer masochistischen Erfüllung andererseits wird zur verstörenden Selbstfindung, phasenweise ein Thriller („Einer fügt zu, und der andere nimmt auf“). Fragen nach „Dinkelmehl“ und „Mitschüler“ wirken langweilig. Dagegen wird eine fremde Intimität mit großer Sprachkraft erfahrbar: „Die Luft trug eine Spur Kupfer, sie fing sie mit der Zungenspitze auf und strich sie über Vetkos Lippen.“ Dazu liefert Stahlmann tropfnasse wie porentiefe Naturbilder als klebrige Kulisse für kontrolliertes Leid. Selten öffnet ein Roman eine derart bizarre Gefühlswelt und rechnet im Gegenzug mit der verbrauchten Heimat ab. Sehr stark. ACHIM LETTMANN

Leona Stahlmann: Der Defekt. Roman. Kein & Aber Verlag, Zürich. 268 S., 22 Euro. Als Malene aus Indien zurückkommt, finden sich die Freundinnen wieder. Mina war mit Vetko zusammen, Malene mit Fabian. In Leona Stahlmanns „Der Defekt“ geht es um Mina, die nach drei Jahren Studium wieder in ihrem Heimatdorf auftaucht und sich ihren Selbstzweifeln stellt. Mina mag Schmerzen. Als 16-Jährige fasst sie in Brennnesseln, lässt sich von Bremsen stechen. Dann taucht Vetko auf, der sie anzieht und ihr bald Aufgaben stellt, während sie entblößt im Wald niederkniet. Wie ist das möglich, ist eine Frage, die Autorin Stahlmann in einem fesselnden Entwicklungsroman ausgestaltet. Minas Widerstreit zwischen Familie und Schule einerseits und ihrer masochistischen Erfüllung andererseits wird zur verstörenden Selbstfindung, phasenweise ein Thriller („Einer fügt zu, und der andere nimmt auf“). Fragen nach „Dinkelmehl“ und „Mitschüler“ wirken langweilig. Dagegen wird eine fremde Intimität mit großer Sprachkraft erfahrbar: „Die Luft trug eine Spur Kupfer, sie fing sie mit der Zungenspitze auf und strich sie über Vetkos Lippen.“ Dazu liefert Stahlmann tropfnasse wie porentiefe Naturbilder als klebrige Kulisse für kontrolliertes Leid. Selten öffnet ein Roman eine derart bizarre Gefühlswelt und rechnet im Gegenzug mit der verbrauchten Heimat ab. Sehr stark. ACHIM LETTMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare