Landschaftsfotografie von Hans Strand in Iserlohn

Das Naturereignis im Blick: Hans Strand fotografierte 2010 den Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island, zu sehen in Iserlohn. Fotos: © Hans Strand

Iserlohn – Manchmal braucht es etwas Glück. Hans Strand flog 2010 in einer Cessna über Islan, als der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach. So konnte der schwedische Fotograf spektakuläre und einzigartige Aufnahmen der gewaltigen Aschewolke machen. Ein Bild zeigt das Naturereignis in all seiner Wucht: Die Eruption steht als riesige Masse genau über einem Berg. Im Vordergrund hingegen erblickt man eine friedliche, geradezu idyllische Heide. Gräser stehen unberührt, und nur die Spiegelung des Ausbruchs in der glatten Oberfläche eines Bachs verbindet die so gegensätzlich gestimmten Teile des Bilds.

Das Bild ist in der Städtischen Galerie Iserlohn zu sehen. Die Ausstellung „Erde“ ist die erste große Werkschau des international gefeierten schwedischen Fotografen in Deutschland. Rund 50 große Abzüge aus drei Bildserien stellen seine besondere Art der Landschaftsabbildung vor.

Strand, 1955 in Marmaverken geboren, ist eigentlich studierter Maschinenbauingenieur. 1990 entschloss er sich, als professioneller Fotograf zu arbeiten. Er versteht sich als Autodidakt, nennt als Vorbild unter anderen Ansel Adams, den amerikanischen pionier der Landschaftsfotrografie, Henri Cartier-Bresson, Sebastiao Salgado.

1995 begann, wie Strand es formuliert, seine „Liebesbeziehung“ zu Island. Seitdem war er fast jedes Jahr wieder dort, insgesamt hat er dort ein Jahr verbracht. Die beliebten Touristenmotive meidet er. Sein Ziel ist es, einen subjektiven Blick auf die rauen Landschaften zu werfen. Und vielleicht ist es genau der Verzicht auf dramatische Zuspitzung, der das Besondere an den vulkanisch geprägten Szenerien zur Geltung bringt. Strand zeigt das Eldhraun-Lavafeld wie eine Haut. Den größten Teil der Aufnahme von 2007 nimmt die grün bemooste Felsfläche ein, die sich bis zum Horizont erstreckt. Strand lässt den Betrachter eintauchen in Landschaft. Seine Aufnahmen bieten oft All-Over-Strukturen, die an abstrakte Malerei erinnern. Die Aufnahme des Schmelzwassersees auf dem Grimsvötn-Vulkan (2006) ist überwältigend schön: Das durch vulkanische Wärme nie gefrierende Gewässer bildet einen tiefblauen Fleck in einer durch Schneewehen und Felskämme schraffierten Schwarz-Weiß-Struktur. Er beherrscht die große Inszenierung allerdings auch: Der Gipfel des Maelifell (2009) bildet einen grünen Kegel in einem See aus schwarzgrauem Fels, und ein Schneefeld an der Flanke setzt einen kühnen Pinselstrich.

Mit dem selben Blick wendet sich Strand auch der Veränderung, genauer: Zerstörung von Landschaft durch den Menschen zu. Die in Iserlohn ausgestellten Bilder der Serie „Manmade Landscapes“ entstanden überwiegend in Spanien. Man sieht Aufnahmen vom „Trockenfeldbau“: Schon vor Jahrhunderten wurde Spanien durch die Rodung der Wälder für den Flottenbau verwüstet. In den zerklüfteten Landschaften ist noch Landwirtschaft möglich, allerdings nur im Winter, wenn es regnet. Strand zeigt Luftaufnahmen von den Feldern, die wie glitzernde, pastellgrüne Pinselstriche auf einem grauen Felsgrund wirken. Von bestrickender Faszination sind die Bilder vom Bergbau in Andalusien. Man realisiert zunächst nicht, dass man hier etwas sehr Reales erblickt: Eine Landschaft, durch die der Rio Tinto fließt, dessen Wasser von Eisenoxiden nicht nur strahlend rot eingefärbt wurde, sondern das durch die zugeführten Chemikalien auch noch die Ätzwirkung von Essigsäure entfaltet. Die intensiven Farbspiele, die da unser Auge entzücken, zeugen von extremer Umweltschädigung. „Colors of poison“ (Giftfarben) nennt Strand seine Serie.

Strand arbeitet mit extrem hoher Auflösung. Sein Bild einer Olivenbaumplantage in Andalusien („Monoculture #2“, 2016) zeigt eine Fläche ohne Begrenzung, in einem strengen Muster besetzt mit Bäumen. Jeder Baum ist als Individuum noch erkennbar. Strand meint, wenn man nah genug herangehe, könne man jede Olive sehen. Zugleich vermittelt das Foto die extreme Künstlichkeit der Landschaft. „Wie eine Armee“ sähen die Bäume aus, sagt Strand.

Der Fotograf findet im Übrigen, dass man nicht so viel reisen solle. Dass er das für seine Arbeit tut, bereitet ihm durchaus Kopfschmerzen, und er betont, dass er sich beschränken will. Von Island will er aber nicht lassen, und es spricht für ihn, dass er den Widerspruch zwischen Umweltbewusstsein und der Lust auf Bilder deutlich benennt. Einige Aufnahmen seiner „Intimate Landscapes“ entstanden in der Nähe seiner Wohnung. Man finde Naturschönheiten direkt um die Ecke, versprach er dem Vernissagen-Publikum in Iserlohn.

Tatsächlich gewinnt er dem Buchenwald im Schwedischen Söderåsen Nationalpark eine Aufnahme ab, deren Stimmung bezaubert: Die Stämme setzen einen vertikalen Rhythmus, dazwischen erzeugt das Licht eine dunstige Atmosphäre. Und das herbstlich vergilbte Laub setzt feine Farbakzente. Ähnlich intensiv setzt Strand den „gefällten Riesen“ in Szene, eine gestürzte Buche, deren kahle Äste ein dicht verflochtenes Muster bilden, ein abstrahierendes Linienspiel, dem das Auge gerne folgt. Die „Weiden am Trekanten-See“ (2015) mit dem vom Nebel neutralisierten Hintergrund bilden ebenfalls ein abstraktes Muster, das an chinesische Tuschzeichnungen erinnert.

Bis 2.2.2020, mi – fr 15 – 19, sa 11 – 15, so 11 – 17 Uhr, Tel. 02371/ 217 1972 www.galerie-iserlohn.de

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