Kunstverein in Düsseldorf zeigt Willikens & Szczesnys „Phantom Kino Ballett“

Blick auf die „A-Seite“: Das Video PKB Kyoto Version (2016-18) von Lena Willikens & Sarah Szczesny und die „Sitz Paintings“ (46 Pillow Talks) der Künstlerinnen von 2018 – 2019 sind im Kunstverein in Düsseldorf zu sehen. Foto: illner

Düsseldorf Vorhänge vor japanischen Hauseingängen sollen die bösen Geister fernhalten. Um in den Raum des Kunstvereins der Rheinlande und Westfalen zu gelangen, muss man einen solchen Noren beiseite schieben. Wer das Institut in Düsseldorf besucht, kann dazu einen bemalten Kittel überstreifen und sich als Teil der Ausstellung „Phantom Kino Ballett“ (PKB) fühlen. So haben es sich die Künstlerinnen Lena Willikens & Sarah Szczesny gedacht.

Düsseldorf Vorhänge vor japanischen Hauseingängen sollen die bösen Geister fernhalten. Um in den Raum des Kunstvereins der Rheinlande und Westfalen zu gelangen, muss man einen solchen Noren beiseite schieben. Wer das Institut in Düsseldorf besucht, kann dazu einen bemalten Kittel überstreifen und sich als Teil der Ausstellung „Phantom Kino Ballett“ (PKB) fühlen. So haben es sich die Künstlerinnen Lena Willikens & Sarah Szczesny gedacht.

Der halbdunkle Raum nimmt einen ganz auf, wie ein sakraler Ort, wo Bedeutung in Symbolen aufbewahrt wird, wo Überzeugungen in schwer zu entschlüsselten Bildern gespeichert werden. Und im Kunstverein kommen noch Töne dazu, die den Ort weiter verrätseln. Stimmen, Schreie, Schläge, ein Klappern... Willikens und Szczesny, die beide ihr Kunststudium an der Akademie in Düsseldorf absolviert haben, projizieren Ton-Bild-Montagen in so schneller Schnittfolge, das kaum mal eine erzählerische Assoziation Bestand hat. „Das Phantom Kino Ballett“ bildet das Zentrum ihrer Zusammenarbeit. Diesen Soundtrack mit Bildern beschreiben sie als „Soundfragment und Schwarzes Theater, Holly Woodlawns Nervenzusammenbrüche, Taros animierte Arpeggios“ und einiges mehr – mit kruden Verweisen auf Opernstar Maria Callas, Transvestit und Undergroundschauspieler Mario Montez sowie Anna Oppermann, Installationskünstlerin, die auch popart-surrealen Bilder malte. Vielleicht ist das Unausgesprochene und Undeutliche ein Teil ihres Interesses an „subkulturellen Strömungen“, wie der Kunstverein mitteilt.

In der „PKB-Kyoto Version“ (2016-2018) rauschen die Bildschnipsel an einen vorbei. Eine zweigliedrige grafische Figur erscheint auf der Projektionsfläche, elekronische Musik ist zu hören, Filmbilder einer Performance werden erkennbar. Schenkel reiben aneinander, Pobacken arbeiten, und es geht um Orgasmus und Tod. War nicht gerade das Gesicht von Anna Oppermann zu sehen, schemenhaft und schwarzweiß?

Die Ausstellung „Phantom Kino Ballett“ evoziert Fragen. Was bringt die Rauminstallation in Düsseldorf für dieses Soundprojekt, das schon auf drei Kontinenten aufgeführt wurde? Es zeigt zumindestens, dass sich die Kölnerin Szczesny mit ihren malerischen Arbeiten in andere kulturelle Bereiche bewegt. Im Kunstverein sind auf ausgebreitetem schwarzen Nesseltuch helle zeichenhafte Schwünge erkennbar. Eine Chiffre vielleicht, ein Schriftzeichen wohl kaum. Szczesnys „Sitz Paintings (46 Pillow Talks)“ sind sorgsam und parallel zueinander ausgebreitet. Ähnliche Arbeiten reichen bis zur Decke oder hängen an der Wand. Vieles bleibt aber im Dunkeln der mystischen Installation.

Auf der anderen Seite des Raums, der „B-Seite“, flackern weitere Monitore mit immergleichen Bildern, wechselnden Schauspielfiguren und Kurzfilmen. Im Film „Smoki Bird Ensemble“ (2019) raucht ein Trickfilmaffe zahlreiche Zigaretten nacheinander und aufeinmal, weil er die Glimmstengel von rechts nach links zwischen seinen Lippen verschiebt. Es geht um das Widerkehrende und um das Meditative.

Für Lena Willikens (Amsterdam), die als DJ und Produzentin arbeitet, und Sarah Szczesny bietet die Ausstellung die Möglichkeit, mit Gästen „punktuell performativ“ zu arbeiten. Zum Beispiel am 16. April, 19 Uhr, in der Sound-Video-Performance „Pica Pica – Nika Son“.

Wer allerdings an der Kunst Anna Oppermanns Interesse zeigt, der kann in der Kunsthalle Bielefeld das Frühwerk dieser frauenbewegten Pionierin erkunden, mit Ensembles, Gemälden, Zeichnungen – ein Kunsttipp.

Bis 5. 5.; di-so 11 – 18 Uhr; Tel. 0211/2107 420; www. kunstverein-duesseldorf.de

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