Der Kunstpalast Düsseldorf stellt das Werk von Walter Ophey vor

An der Grenze zur Abstraktion bewegt sich der Maler Walter Ophey mit seiner „Herbstphantasie“(1912), die in der Ausstellung in Düsseldorf zu sehen ist. - Fotos: Museum

DÜSSELDORF - Die aufschießenden, flammenartigen Strukturen tragen das Gelb von Herbstlaub. Insoweit erklärt sich das Gemälde „Herbstphantasie“ (1912) von Walter Ophey geradezu von selbst. Man kann an ein überdimensional vergrößertes, gefallenes Blatt denken. Oder an Bäume, die vergilbtes Laub tragen. Am unteren Bildrand findet man kleine rote Flecken mit weißen Tupfen, als habe der Künstler Fliegenpilze in sein Bild gepflanzt.

Für den maximalen Effekt setzte er seine gelben Gebilde vor einen blauen Himmel. Und wenn auch der Titel eine Landschaft suggeriert, so sieht man eigentlich nur abstrakte organische Formen. Alles in diesem Gemälde ist Kontrast, Bewegung, Ausdruck.

Die „Herbstphantasie“ ist im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen, in der Ausstellung „Walter Ophey. Farbe bekennen!“ Das Haus besitzt mit 170 Gemälden und mehr als 3000 Arbeiten auf Papier die wohl größte Sammlung mit Werken des Künstlers (1884– 1930), der zu Lebzeiten einer der erfolgreichsten Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie war. Aber nach seinem frühen Tod geriet er ins Abseits des Kunstmarkts. Und auch heute noch ist er eine Entdeckung, ein Künstler stets auf Augenhöhe mit den aktuellen Tendenzen, der einige der prachtvollsten und strahlendsten Bilder des rheinischen Expressionismus schuf. Die letzte Werkschau wurde 1991 gezeigt, höchste Zeit für einen Neuanlauf, fand Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts.

Die Kuratorin Gunda Luyken wählte rund 120 Exponate aus dem gewaltigen Bestand, die eine schöne Übersicht über das windungsreiche Schaffen Opheys vermitteln. Er wurde im heute belgischen Eupen geboren, studierte von 1900 bis 1907 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Noch in dieser Zeit hat er seine erste Ausstellung, und der Galerist Alfred Flechtheim erwirbt eins seiner Gemälde. Flechtheim wird immer wieder Werke des Malers in seinen Galerien in Düsseldorf und Berlin zeigen. Ophey beteiligte sich auch 1912 an der Sonderbundausstellung in Köln, einer Schlüsselpräsentation der Moderne.

Die frühesten Bilder zeigen die starke Wirkung der französischen Moderne auf Ophey. Aber auch japanische Farbholzschnitte und das Werk van Goghs inspirierten ihn. Porträtstudien aus der Studienzeit sind noch ganz der akademischen Tradition verprlichtet, obwohl er auf einem Blatt die Gesichtszüge eines Mannes zu einer Teufelsfratze verzerrt – es heißt, Ophey habe durchaus Sinn für Humor gehabt. Aber die Landschaftsbilder flirren vor Licht. Ein monumentales Werk wie „Am Mittelmeer – Dekorative Landschaft“ (1910) ist wie ein Mosaik aus Farbflocken komponiert, die die Fläche in Schwingung versetzen.

Danach dunkelt sich die Palette ein, wird kräftiger, erinnert an August Macke und Alexej von Jawlensky, zum Beispiel im Porträt Frau Dr. Schrader (1913–14). In dieser Zeit streift seine Malerei die Abstraktion, ohne den Titel würde man im monumentalen Querformat „Altwasser“ (1912–13) kaum noch die Landschaft erkennen.

Der Weltkrieg muss für Ophey eine traumatische Erfahrung gewesen sein Kurz nach seiner ersten Einberufung 1915 erkrankt er und liegt lange im Lazarett an der Ostfront. Das „Selbstporträt in Uniform“ (1915-17) mit seinen verschatteten Gesichtszügen zeugt ebenso davon wie die eindringlichen Kreidezeichnungen aus dem Festungslazarett Culm. In den 1920er Jahren werden seine Bilder immer expressiver, das „Stellwerk im Sauerland“ (um 1923) wirkt mit seinen verschobenen Fluchtlinien, als taumele die Landschaft, ähnlich wie in den apokalyptischen Stadtansichten Ludwig Meidners. Ophey war offenbar auch von Technik fasziniert, wie der „Bagger“ (um 1924) zeigt, der sich wie ein Urzeittier in den Himmel erhebt.

Immer wieder griff er religiöse Motive auf, malte zum Beispiel eine alte Madonnenstatue, die er besaß, als „Madönnchen“ (1912) mit grünem Teint oder eine Kreuzigung. Er erhielt auch Aufträge, Kirchen auszustatten. Für die katholische Kapelle der Provinzialheilanstalt Eickelborn bei Lippstadt schuf er das monumentale Wandbild vom barmherzigen Samariter (1927). Das ist natürlich nicht in der Schau zu sehen. Aber in Eickelborn sah Ophey Skulpturen des schizophrenen Künstlers Karl Brendel, die in Stillleben Opheys wieder auftauchen.

Mitte der 1920er Jahre gibt es einen erneuten Umbruch im Werk des Malers. Er gibt die Landschaftsdarstellungen fast auf und wendet sich Innenraumszenen zu, malt seltsame, extrem nahsichtige Stillleben mit Puppen, Stofftieren und Nippesfiguren. Die Kuratorin Gunda Luyken vermutet, dass der frühe Tod von Opheys Sohn damit zu tun haben könnte. Die großäugige Puppe, der „französische Bauernkönig“ wirken jedenfalls nicht niedlich, sondern eher bedrohlich. Noch später entstehen Stillleben mit Früchten, die Elemente des Kubismus aufgreifen.

Bemerkenswert sind auch die Zeichnungen Opheys, für die er eine spezielle Technik entwickelte: Er wischte an den Linien Farbkreide aus, so dass sie in die Fläche ausstrahlen. Zeichnungen wie „Monschau“ (um 1921) und „Haus Westfalen (Garmisch)“ (1929) bekommen so eine malerische Qualität.

Bis 13.1.2019, di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr,

Tel. 0211/ 566 42 100, www.kunstpalast.de,

Katalog, Wienand Verlag, Köln, 29,80 Euro

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