Stahlhelme und Gasmasken

„Krieg.Macht.Sinn“ im Ruhrmuseum

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Propagandaplakat des Reichs-Luftschutzbunds, 1936, zu sehen in Essen.

ESSEN - Giftgas haben deutsche Truppen im 1. Weltkrieg eingesetzt und als erste diesen bestialischen Kampfstoff bei Ypern in Belgien verwandt. Die industrialisierte Kriegsführung testete ein weiteres Mittel, um den Gegner zu verderben. Im Ruhrmuseum Essen ist eine Gasmaske, Modell 1917, ausgestellt. Ihre großen Augenöffnungen haben einen ganz eigenen Grusel.

Auf der Galerie des Industriedenkmals sind insgesamt 200 Exponate thematisch geordnet. Sie sollen zeigen, dass die mittlerweile geächtete Konfliktform für viele Menschen Sinn machte. Titel der Ausstellung: „Krieg.Macht.Sinn. Krieg und Gewalt in der europäischen Erinnerung“.

Auch der deutsche Stahlhelm findet sich zu Beginn der Ausstellung. 1916 eingeführt, löste die Kopfbedeckung aus Chrom, Nickel und Stahl die alte Pickelhaube ab, die Soldaten noch zu Kriegsbeginn trugen. Sie war aus Leder und dem preußischen Infanteriehelm von 1842 nachempfunden. 

Krieg, Bombenkrieg, Völkermord, Flucht

Der Schutz gegen Granatsplitter und Geschosse sollte verbessert werden. Ob der Helm, der bis 1945 zur Standardausrüstung des deutschen Landsers zählte, wirklich geholfen hat, bleibt fraglich angesichts der Wucht des Sperrfeuers. Und in Erinnerung an die Millionen Toten der zwei Weltkriege wirkt ein einzelner Helm merkwürdig verloren – irgendwie auch sinnlos.

Die Schau ist in vier Abteilungen gegliedert: Krieg, Bombenkrieg, Völkermord sowie Flucht und Vertreibung. Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts UNREST (Beunruhigende Erinnerung und gesellschaftlicher Zusammenhang) versuchen die Ausstellungsmacher einen „völlig neuen Blick“ auf den Krieg. Über 100 Millionen Menschen sind im 20. Jahrhundert Opfer von Auseinandersetzungen geworden. Wie ist mit der Gewalt umgegangen worden, und wie werden heute historische Fakten instrumentalisiert, fragen sich die Ausstellungsmacher.

Viel Anschauungsmaterial

Angesichts der Exponatfülle von 50 Leihgebern sind Antworten schwer zu finden. Objekte wie eine Fliegerbombe und das Maxim 8, ein schweres Maschinengewehr auf Schlittenlafette von 1917, dominieren mit ihrer Präsenz. Zwar ist Hivam Maxim, der Erfinder des Maschinengewehrs (1884), ein wohlhabender Mann geworden. Aber einen Überblick, welche gesellschaftlichen Kräfte vom Krieg profitieren, und was passieren muss, dass der Kriegsfall eintritt, um für solche Leute „Sinn“ zu stiften, bleibt unbearbeitet.

„Krieg.Macht.Sinn“ bietet vor allem Anschauungsmaterial: Fotografien, Plakate (wie „Frau im Luftschutz“, 1936), Filme, Rüstungsprodukte, Skulpturen, Originale (Friedensvertrag von Brest-Litowsk) und Fakten, Fakten, Fakten. Zum Beispiel ist der Kosovo-Krieg der erste Internetkrieg gewesen. Schockbilder von Toten im Netz sollten Stimmung machen und sind in Essen zu sehen. 

Ein Plakat von Benetton erinnert an einen getöteten Soldaten im Bosnienkrieg 1994. Sein blutverschmiertes T-Shirt machte den italienischen Textilanbieter zum Tagesgespräch. Für den Fotografen Oliviero Toscani war das Foto ein Mittel, die „Realität des Krieges“ zu zeigen. Die Deutung solcher komplexer Indienstnahmen des Krieges bleibt in Essen zu plakativ und jedem einzelnen überlassen.

Bis 30. April; am 24., 25. und 31. 12. geschlossen; täglich 10 – 18 Uhr; Tel. 0201/24 681 444; www.ruhrmuseum.de

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