Lagwagon sprechen beim Konzert in Köln "über Gefühle"

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Köln - Umwege gibt es bei Lagwagon nicht: Die Songs der Punkband sind kurz und schnörkellos. Und beim Konzert in der Kölner Live Music Hall geht es gleich vom Tourbus auf die Bühne.

Bassist Joe Raposo herzt die jubelnden Fans an der Absperrung, als er vom Hof in die Halle hüpft. Gitarrist Chris Flippin, ein Hüne von einem Kerl, in dessen Händen sein Instrument wie ein Kinderspielzeug wirkt, folgt ihm und winkt den Zuhörern herzlich zu. Dann geht es aber auch schon los.

Denn nur etwas mehr als eine Stunde dauert der Auftritt des Quintetts, 23 Songs sollen in diesem knappen Zeitfenster Platz finden. Im Mittelpunkt steht das vor 20 Jahren erschienene Album „Let‘s Talk About Feelings“. 25 Minuten war es kurz, guter Punkrock-Durchschnitt. Für Frontmann Joey Cape, so heißt es, sei es aber bis heute die liebste Platte, die er mit Lagwagon eingespielt habe.

Punkrock-Konzert mit Lagwagon in Köln

Um den runden Album-Geburtstag gebührend zu feiern, servieren der 51-Jährige und seine Mitstreiter es ihren Fans in voller Länge. Und diese schwelgen dabei in nostalgischen Erinnerungen – jeder von ihnen auf seine Weise. Manche recken die Fäuste in die Höhe und singen jede Songzeile voller Inbrunst mit. Andere lassen sich als Crowdsurfer über die Köpfe des restlichen Publikums nach ganze vorne zur Bühnenabsperrung tragen. Und wiederum andere stehen einfach nur da und genießen. Und man kann sich gut vorstellen, dass sie sich in diesem Augenblick daran erinnern, wie sie als Teenager mit ihren Skateboards unterwegs waren, während im Hintergrund Songs wie „May 16“, „Leave the Light On“ und „Messengers“ liefen.

„Lasst uns über Gefühle reden“ - das ist 1998 mal eine Ansage an die Skatepunks gewesen, die alles andere im Sinn hatten als gefühlsduselig zu sein, die Spaß haben und Partys feiern wollten, mit und ohne ihre Boards. Klar, der Titel des Albums ist auch ein wenig augenzwinkernd gemeint, aber Lagwagon waren seit jeher keine der Punkbands, die sich vornehmlich der Blödelei verschrieben hatten wie zum Beispiel Nofx, die zeitgleich in den 90ern mit Lagwagon und anderen Bands den melodischen Punkrock im Mainstream etablierten.

Joey Cape ist ein lustiger Kerl, er ist aber auch ein nachdenklicher. Das spiegelt sich in den Texten der Band wider, die die Welt im Kleinen im Blick haben, die das Zwischenmenschliche beleuchten und die eigene Wahrnehmung ergründen. Das ist aber auch auf der Bühne zu spüren, wenn Cape zwar Grimassen schneidet und auch mal einen Spruch raus haut, aber zumeist mit geschlossenen Augen auf seine beinahe poetischen Songs konzentriert bleibt. Für die große Show sind andere zuständig, in erster Linie Joe Raposo, der 2010 zur Band gestoßen ist und aufgedreht und pausenlos mit seinem Instrument herum hantiert, als könnte er damit nicht nur Bass, sondern auch Geige spielen und dazu noch schießen und es als Stichwaffe nutzen. Und, ach ja, balancieren kann er das Ding auf seinem Kopf auch ziemlich gut.

Nach nicht einmal einer Stunde sind Lagwagon mit ihrem Set durch. Verschnaufpausen Fehlanzeige. Neben den Songs von „Let‘s Talk About Feelings“ spielt die Band, die 1992 mit „Duh“ debütierte, auch Stücke anderer Platten. Vor allem in den Zugaben gibt es eine Aneinanderreihung bekannter Hits, die das Publikum voller Begeisterung mitsingt, zum Beispiel „Alien 8“, „Making Friends“ und „Falling Apart“.

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