Pearl-Jam-Sänger mit Gitarren und Hocker unterwegs

Eddie Vedder ganz intim in Düsseldorf

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Düsseldorf - Eddie Vedder auf einer deutschen Bühne anzutreffen, ist gar kein leichtes Unterfangen. Die Zahl der Konzerte ist übersichtlich, egal ob mit seiner Band Pearl Jam oder als Solokünstler. Und wenn sie terminiert sind, dann geht‘s in erster Linie nach Berlin. Umso glücklicher können sich die Fans schätzen, die jetzt beim Auftritt des 54-jährigen in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Halle dabei waren.

Dort tritt Eddie Vedder mit seinen Gitarren und auf einem Hocker sitzend auf. Rund zweieinhalb Stunden, mal mit Akustikgitarre, mal mit Ukulele, mal mit E-Gitarre, sorgt er für eine mitreißende Stimmung. 

Begleitet wird er zwischendurch von Sänger Glen Hansard, der fürs Vorprogramm verantwortlich zeichnet. Geteilt wird die Bühne zudem von einem Streicherquartett aus den Niederlanden, das bei ausgewählten Stücken fürs Ausschmücken der Songs sorgt. Seinen großen Auftritt hat das Red Limo String Quartet, als es Pearl Jams Klassiker „Alive“ spielt. Da steht die Halle und alle grölen mit.

Eddie Vedder ist begeistert von seinen Mitmusikern und verbeugt sich demonstrativ. Ganz unprätentiös gibt er sich in Düsseldorf, so wie der gute Kumpel aus der Nachbarschaft mit Jeans, T-Shirt und aufgeknöpftem Hemd.

Allerdings ausgestattet mit einer unverkennbaren, sonoren Stimme, die den Grunge mitbegründete und heute all die in die Konzerthalle lockt, die zu Beginn der 90er Jahre mit Holzfällerhemd und Boots durch die Gegend liefen, aber auch Fan-Nachwuchs. Einem Mädchen dankt Vedder, dass sie ihren Vater mitgebracht habe.

In der Landeshauptstadt hat sich Eddie Vedder häuslich eingerichtet. Die Bühne versprüht Wohnzimmeratmosphäre und macht eines deutlich: An diesem Abend soll‘s intimer zugehen als bei Konzerten, auf denen der Sänger mit seiner Hauptband Rock der harten Gangart serviert. 

Eddie Vedder stoppt auf Solotour in Düsseldorf

Ein paar Koffer stehen herum, daneben ein altes Tonbandgerät und Kuriositäten wie glitzernde Plateauschuhe auf einer Orgel und Schaufensterpuppen mit Hüten aus Bowlingkegeln. Dass Eddie Vedder etwas fürs Seltsame übrig hat, wird spätestens deutlich, als er ein kleines Geschenk von Glen Hansard zeigt, mit dem sich Vogelgeräusche imitieren lassen, und sich dabei freut wie ein kleines Kind.

Zu hören bekommen die Besucher in Düsseldorf eine Mischung aus Solostücken, Coversongs wie zum Beispiel Tom Pettys „I Won’t Back Down“, John Lennons „Imagine“ und „Seasons“ von Chris Cornell, aber auch reduziert instrumentierte Stücke von Pearl Jam, die den größten Applaus einheimsen. 

„Black“ vom Debütalbum „Ten“ aus dem Jahr 1991 ist da ein gutes Beispiel. Niemand sitzt mehr in der komplett bestuhlten Halle, als Eddie Vedder, begleitet von Glen Hansard an der Gitarre, die Nummer anstimmt und dabei auf der Bühne umherstreift. Die Zuhörer singen mit, sie klatschen zum Rhythmus, heben die Arme und winken dem Sänger zu als wären sie die in Trance versetzten, ausgelassen feiernden Anhänger eines preisenden amerikanischen TV-Priester.

Ganz klar, Eddie Vedder ist für seine Fans mehr als ein Künstler, er ist ein Idol, er ist ihr Held. „Danke, dass Du aus mir gemacht hast, was ich heute bin!“ hat einer auf ein Plakat geschrieben, dass er hochhält. 

Als der Sänger beim Hansard-Stück „Song of Good Hope“ von der Bühne in den Graben klettert, reichen ihm die Fans in der ersten Reihe die Hände, ergriffen, schon fast demütig, als wären sie gerade bei einer Papstaudienz. 

Und dann verteilt Vedder auch noch Wein. Den Korken zieht er mit den Zähnen aus der Flasche, verteilt Becher und genehmigt sich zwischendurch einen tiefen Schluck direkt aus der Pulle. Und er verspricht, dass sich die Fans und er in Zukunft häufiger sehen werden: „Wir kommen zurück!“ Seine Fans nehmen ihn beim Wort.

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