Reise mit Greta van Fleet ins Zeitalter großer Rockmusik

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Köln - Die Jungs von Greta van Fleet sind etwas spät dran. Mit ihrem Debütalbum „Anthem of the Peaceful Army“ war das Quartett nach Erscheinen im Oktober letzten Jahres rund um den Globus steil in die Charts eingestiegen, recht früh stand auch Köln auf dem Tourplan. Zweimal allerdings musste die Band aus gesundheitlichen Gründen ihre Auftritte absagen. Jetzt haben sie es an den Rhein geschafft. Ein neues Album ist in der Mache.

Wer meint, dass ein Jahr nach Beginn des Hypes um die drei Kiszka-Brüder und Drummer Danny Wagner das Interesse an ihrem Retrorock nachgelassen hätte, irrt. Das Palladium ist ausverkauft, genauso wie das Konzert tags darauf in München und überhaupt so gut wie alle anderen Gigs der Band aus Michigan.

Während der Sound des Vierers unmissverständlich klar macht, wohin die Reise geht, nämlich in die 60er und 70er Jahre, als Classic-, Blues- und Hardrock mit Bands wie Led Zeppelin, The Doors und Jefferson Airplane eine Hochphase erlebten, ist das Publikum in Köln bunt gemischt. Daunenjacken sind genauso zu finden wie Metalkutten, Teenager genauso wie Senioren. Beweis dafür, dass Greta van Fleet, benannt nach einer Frau aus der Nachbarschaft der Musiker, den Sound der Vergangenheit geschickt in die Gegenwart transportiert.

Da die Band keine halben Sachen macht, erfährt das goldene Zeitalter des Rock nicht nur eine musikalische Auferstehung. Auch optisch könnten Sänger Josh Kiszka und der Rest der Truppe geradewegs einer Zeitkapsel entstiegen sein. Der 23-Jährige klingt nicht nur wie Robert Plant, er scheint auch in dessen Kleiderschrank gewühlt haben. Der Frontmann hat einen mit Ornamenten besetzen Jumpsuit gegriffen. Auf Schuhe verzichtet er.

Konzert von Greta van Fleet im Kölner Palladium

Bruder Sam, der Bass spielt, entledigt sich seiner Slipper ebenfalls früh. Der dritte Kiszka, Jake, ein Künstler an den Gitarrensaiten, mag’s am Oberkörper luftig. Mehr als eine Jacke trägt er nicht. Dafür hat er sein Instrument im Griff, spielt es zeitweise hinterrücks und lässt ein Soli aufs nächste folgen, dass es eine Freude ist, zu sehen, wie flink die Finger übers Griffbrett huschen.

Bei „Black Flag Exposition“ hat er viel Gelegenheit, seine Frickelfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ein „spirituelles Stück“, wie Josh Kiszka den Song anpreist, der sich zu einem rund zwölfminütigen psychedelischen Trip entwickelt. Der Sänger baut sich beschwörend vor der Menge auf, während blaues Licht und ganz viel künstlicher Nebel die Bühne beherrschen. Dann stößt der Sänger einen Urschrei aus und durchbricht eine plötzlich eingesetzte Stille. Während die Band die Intensität ihres Spiels wieder steigert, schnappt er sich sein Tamburin und hüpft als Hexenmeister im Harlekinkostüm ekstatisch umher.

Ein Dutzend Songs bekommen die Fans in Köln zu hören. Das Quartett nimmt sich rund anderthalb Stunden Zeit dafür und gibt sich ausufernd. „Age of Man“ wird zur neunminütigen Hymne und offenbart ein geniales Händchen für eingängiges Songwriting. „Watching Over“ hat ein bisschen was von Black Sabbath, ist dann im nächsten Moment aber wieder sehr bluesig. „The Cold Wind“ und „When the Curtain Falls“ spielen mit Southern-Rock-Anleihen. Als Zugabe spielt die Band „Flower Power“, ein Stück, mit dem Josh Kiszka und Co. das „Leben feiern“ möchte, wie der Frontmann sagt. Gleichzeitig steht das Stück stellvertretend für die Musik von Greta van Fleet: Es ist treibend, soulig und voller mächtiger Riffs.

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