Konzert in Düsseldorf

The Prodigy bringen die 90er zurück auf die Bühne

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Düsseldorf - Als die ersten Klänge von "Firestarter" ertönen und Sänger Keith Flint auf der Bühne umherstreift, bevor er seine Textfetzen ins Mikro schreit, erreicht die Stimmung beim Konzert von The Prodigy ihren Höhepunkt.

Gefühlt die Hälfte des Publikums in der Mitsubishi Electric Halle reckt das Handy hoch, um eine Erinnerung an den Auftritt auf den Speicher zu bannen, und die andere tanzt ausgelassen wie zum Höhepunkt der Rave-Bewegung Mitte der 90er Jahre. Die Zeiten mögen sich geändert haben: Plateauschuhe sucht man vergeblich, die Songs aber schicken den Zuhörer zurück in die Zeit, als der Bass nicht tief und der Beat nicht schnell und hart genug sein konnten.

Ihren legendären Ruf erwarb sich die Band mit den beiden Alben „Music for the Jilted Generation“ (1994) und „The Fat of the Land“ (1997). Techno und Rave waren ganz groß waren, und elektronische Musik überschwemmte die Charts. Im Gegensatz zu den meisten Acts steckte hinter The Prodigy aber nicht ein Produzent, der austauschbare Darsteller mit seinen Einheitssongs auf die Bühne schickte, sondern tatsächlich eine Band. Eine Band mit einem eigenen, neuen Sound, der nicht nur elektronisch, sondern gleichzeitig rockig war. Die enge Verbindung zu Rockmusik, Punk, Dub und Ska wird auch beim Konzert in Düsseldorf deutlich – bereits bevor das Quintett überhaupt auf die Bühne kommt: Denn da dröhnen zum Warmwerden derlei Songs aus den Boxen.

Konzert von The Prodigy in Düsseldorf

The Prodigy sind vom Quintett der Anfangstage zu einem Trio geschrumpft. Liam Howlett zieht nach wie vor im Hintergrund die Strippen. Der 47-Jährige Blondschopf schreibt die Songs und produziert, hält sich auf der Bühne aber zurück. Keyboard und Synthesizer sind sein Metier. Für die große Show bleiben Maxim und Keith Flint zuständig. Besonders Maxim ist derjenige, der das Publikum einem Drill-Instructor gleich unentwegt anpeitscht.

Spätestens seitdem das Musikvideo zu „Firestarter“ auf MTV in Dauerrotation lief, wurde Keith Flint zum Gesicht der Band. Anfangs noch im Vogel-/Engelkostüm, so genau ist das nicht zu bestimmen, und später ohne seine auffällige weiße Jacke, tanzt er wild über die Düsseldorfer Bühne und schreit seine Parolen ins Mikro. Der 49-Jährige scheint in den vergangenen 25 Jahren keinen Deut gealtert. Die markante Stachel-Glatzen-Frisur jedenfalls sitzt wie eine Eins.

Unterstützt wird die Band live von Schlagzeuger Leo Crabtree und Gitarrist Rob Holliday, der bereits in Marylin Mansons Band die Saiten seines Instruments malträtiert hat. Man sieht: Vieles ist bei The Prodigy handgemacht. Noch so ein Unterschied zur Konservenmusik der Eurodance-Zeit, mit der The Prodigy am Anfang der Karriere konkurrierte.

Ein deutliches Bild von den Musikern zu machen, die da in Düsseldorf auf der Bühne stehen, fällt allerdings schwer. Dass die Band nahezu eins wird mit dem schwachen roten, grünen oder blauen Licht, gehört zur Show und ist gewollt. Genauso wie die künstlerisch gestalteten Livebilder vom Auftritt, die über die beiden Bildschirme rechts und links neben der Bühne flimmern, die Stimmung erzeugen, aber weniger zum dauerhaften Draufgucken animieren.

The Prodigy haben schon immer mit Extremen gespielt, und das Hinsehen und Hinhören kann bisweilen zur beabsichtigten Tortur werden. Deshalb sind das grelle Flackerlicht, der im Magen wummernd spürbare Bass und die überhöhte Lautstärke nur konsequente Bestandteile eines kurzen, aber aufreibenden Auftritts. Bei Electro-Klassikern wie „Breathe“, „Poison“, „No Good (Start the Dance)“ oder aber dem bei Veröffentlichung kontrovers diskutierten „Smack My Bitch Up“ verwandelt sich die Mitsubishi Electric Halle in eine Großraumdisko. Es gibt aber auch neuere Songs zu hören, zum Beispiel vom aktuellen, erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Album „No Tourists“. Wer „Need Some1“, „Light Up the Sky“ oder „We Live Forever“ hört, weiß, das sich The Prodigy treu geblieben sind. Die 90er sind gar nicht so weit entfernt.

Alles, was man von damals noch von The Prodigy in Erinnerung hat, serviert die Band in Düsseldorf auch: "No Good", "Poison", das kontroverse "Smack My Bitch Up" oder "Breathe". Dazu gesellen sich Songs neueren Datums. Die aktuelle Platte "No Tourist" ist erst vor wenigen Wochen erschienen, Nummern wie "Need Some1" und "We Live Forever" passen gut ins Programm der britischen Big-Beat-Band.

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