Illustrator Peter Menne bietet „KulturPerLieferservice“

„Geh mich wech“, sagen „Die Bullemänner“ in Corona-Zeiten. Gezeichnet hat die „Landfrau“ der Illustrator Peter Menne. Foto: menne

Der Anlass für seine ungewöhnliche Aktion war das Virus. „Das erste Corona-Wochenende, als es hieß, die Museen sind geschlossen, es werden keine Lesungen und keine Konzerte stattfinden. Das war für mich die ausschlaggebende Situation“, sagt Peter Menne. Der Illustrator fasste einen Entschluss, den Leuten Kultur per Internet, per Video oder über die Social-Media- Kanäle nach Hause zu bringen. Auf Facebook und Instagram war er noch nicht unterwegs. Aber das hat sich nun geändert: „KulturPerLieferservice“.

Peter Menne bietet Text/Bild-Kombinationen an – kostenlos natürlich –, wie man sie von Karikaturen aus Zeitungen und Zeitschriften kennt. Seine differenziert gestrichelten Figuren und lebenswarmen Interieurs verstrahlen zu ihrer Menschlichkeit auch einen unbekümmerten Witz. Die kurzen Texte und Mehrzeiler bieten ihm Kollegen an, die Menne oft aus der gemeinsamen Arbeit kennt. Er hat viele Kontakte zu Autoren, wie Erwin Grosche, die Bullemänner, Fritz Eckenga, Ralf Thenior, Ulrich Sträter, Hubertus Janssen, Hermann Mensing und Michael Klaus. Zu „Patientenschicksal“ schrieb ihm der Autor und Herausgeber Andreas Scheffler: „Ich kann partout nicht schlafen im Computertomographen; und entspanne mich nie bei der Koloskopie“. Eine launige Bemerkung zu medizinischen Untersuchungsstandards. Menne hat dazu eine Illustration gestellt, die einen Arzt zeigt, der durch einen Röntgenapparat das Skelett eines Patienten absucht. Schön schräg, amüsant, morbide.

Menne hatte Scheffler als Kolumnist der Berliner Zeitung kennengelernt, der sich eines Tages als Ostwestfale aus Gütersloh offenbarte. Menne kommt aus Delbrück.

Von den Kabarettisten aus dem Münsterland, den „Bullemännern“, kommt die Begrüßung zu Corona-Zeiten: „Geh mich wech“.

Dazu wählte Menne eine Bäuerin im rot-weißen Kittel aus, die mit ihrer verschlossenen Art genau das zeigt und mit ihrer westfälischen Erscheinung das verkörpert.

Peter Menne (57) zeichnet seit seiner Schulzeit und ist seit über 30 Jahren Illustrator. Er hat Grafikdesign an der Fachhochschule in Bielefeld studiert (1983–1991) und ist 1991 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee gegangen. Er wollte die Großstadt erobern und ein neuer „Heinrich Zille“ werden, wie er mit einem Lachen sagt. Aber dann rief die alte Heimat – Ostwestfalen. Ein Stipendium in Schieder-Schwalenberg (1993/94), eine Dozentur an der Sommerakademie (1994–2000). Das hatte ihm gefallen.

Nun pendelt er zwischen Ost und West, lebt aber in Potsdam, wo er verheiratet und Vater zweier Kinder ist.

Menne bemerkte im Studium, dass er kein Grafikdesigner werden wollte. Werbeagentur? Nein. Das Zeichnerische war für ihn wichtig und das Künstlerische, wie er sagt. „Das gab es damals noch an der Uni in Bielefeld“, erinnert sich Menne. Comics kamen nicht in Frage. „Das können andere besser“, sagt der Westfale. Mittlerweile hat er für Zeitungen und Magazine gearbeitet, sowie für über 15 namhafte Verlage illustriert. Die meisten Bücher sind im tpk-Verlag Bielefeld herausgekommen, wie „Lippisches Panoptikum“ (2018) und das „UniGewimmel“ im letzten Jahr, ein Wimmelbuch zum 50. Jahrestag der Bielefelder Universität. Seine Corona-Initiative könnte auch in ein Buchprojekt übergehen, meint Menne. Die Reaktionen auf seine Text/Bild-Kombination seien sehr positiv.

Früher hatte Menne für Wirtschaftsmagazine gearbeitet, als die Publikationen noch aktuelle Karikaturen bezahlten. Nun sind Schul-, Kinder- und Bilderbücher für Erwachsene seine Arbeitsbereiche. Er zeichnet Wimmelbilder für Kommunen in Ostwestfalen. Die könne man sich ins Wohnzimmer hängen, sagt der Illustrator. Aktuell arbeitet er an einem Stadtplakat für das Stadtmarketing Meschede. Das soziale Leben soll dargestellt werden: Also, ein Wimmelbild.

Peter Mennes Verteiler umfasst 1350 Adressen. „Wenn das mal mehr werden, muss ich was ändern.“ Es gebe professionelle Newsletters, wie „Newsletter to go“. Aber bisher komme er noch ohne aus, sagt der Initiator und bietet jedem an, seine Text/Bild-Kombinationen zu empfangen. Eine kurze E-Mail an ihn reicht und man wird zum Adressaten für die Aktion: „KulturPerLieferservice“.

E-Mail-Adresse: peter@

menne-illustration.de

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