Historiker Dan Jones beschreibt das „Spiel der Könige“

Der Historiker Dan Jones. Foto: Andrea Tajti

Streit war bei den Plantagenets Familientradition. 245 Jahre lang regierten sie das mittelalterliche England und herrschten auch über große Teile Frankreichs, Irlands und Wales. Innerfamiliären Konflikten ging man nicht aus dem Weg: Söhne zogen gegen den Vater zu Felde, Ehegatten trugen Konflikte militärisch aus, bisweilen ging es bis zum Mord. Der britsche Historiker Dan Jones stellt die Familiengeschichte in „Spiel der Könige“ auf eingängige Weise dar.

Der 39-jährige Jones hat sich in Großbritannien einen Namen mit Fernseh-Dokumentationen gemacht, in denen das Mittelalter als eine Art „Game of Thrones“ mit Quellenangaben inszeniert wird, seine Bücher folgen dem selben Prinzip. Die Plantagenets drängen sich da als Thema geradezu auf. Die Familie stammte aus dem Tal der Loire, der Name geht auf den Grafen Gottfried von Anjou (1113-1151) zurück, der sich gerne einen Ginsterzweig („planta genesta“) an den Hut steckte. Er heiratete die englische Königstochter Mathilda (1102-1167), wodurch ihr gemeinsamer Sohn Heinrich (1133-1189) Anspruch auf den englischen Thron hatte.

Den setzte er 1154 auch durch, wurde als Heinrich II. gekrönt und schwang sich durch eine vorteilhafte Heirat sogar zum Herren über halb Westeuropa auf. Während er selbst England und Nordwestfrankreich mit in die Ehe brachte, steuerte seine Angetraute Eleonore (1122-1204) als Herzogin von Aquitanien den südwestlichen Teil Frankreichs bei.

Pikanterweise war Elenore zuvor mit dem französischen König Ludwig VII. (1120-1180) verheiratet gewesen; er hatte sich von ihre getrennt, weil sie ihm „nur“ Mädchen und keinen Thronfolger geboren hatte. Damit war der Grundkonflikt geboren, der England und Frankreich in jahrhundertelange Auseinandersetzungen stürzen sollte. Das Persönliche war im Mittelalter immer auch politisch.

Es gibt weitere Konflikte, die sich durch die Herrschaft der Plantagents ziehen: die wiederholten Feldzüge gegen die Schotten, die Eroberung von Wales und Irland, zudem die Auseinandersetzung mit der Kirche, die in der Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket (1118-1170) in der Kathedrale von Canterbury gipfelt. Und das Verhältnis zum Adel, der König Johann „Ohneland“ (1167-1216) in der „Magna Charta“ 1215 Mitspracherechte abtrotzt, um die in den folgenden Jahren auch militärisch gerungen wurde.

Jones stellt die einzelnen Könige chronologisch vor, sucht nach Stärken und findet oft nur Schwächen: Günstlingswirtschaft, Kriegslust, Prunksucht und Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen sind in der Dynastie weit verbreitet. Am unteren Ende der Skala stehen Eduard II. (1284-1327) und Richard II. (1367-1400), die von der eigenen Verwandtschaft abgesetzt und anschließend ermordet wurden.

Es gibt ein paar Könige, die bei Jones trotz erwiesener Schwächen gut wegkommen. Richard I. „Löwenherz“ (1157-1199), der sich kaum in England aufhielt und dem Land einen Schuldenberg hinterließ, oder Eduard III. (1312-1377), der den Hundertjährigen Krieg mit Frankreich vom Zaun brach, glänzende Siege auf dem Schlachtfeld feierte und diese strategisch nie zu nutzen wusste.

Jones Darstellung ist unterhaltsam, überschreitet aber auch Grenzen zwischen Fakt und Fiktion. Dass Eleonore Heinrich „mit ihren verführerischen dunklen Augen“ anblickte, klingt zwar gut, lässt sich aber nicht belegen. Die Herzogin gilt zwar allgemein als außergewöhnliche Schönheit, ihre Augenfarbe ist jedoch nicht überliefert. Auf erläuternde Anmerkungen haben Autor und Verlag bedauerlicherweise grundsätzlich verzichtet.

Dan Jones: Spiel der Könige. Das Haus Plantagenet und der lange Kampf um Englands Thron. Verlag C. H. Beck, München. 686 S., 29,95 Euro.

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