Helge Schneider im Konzerthaus Dortmund

Helge Schneider gastierte mit seinem neuen Programm im Konzerthaus Dortmund. Foto: Schneider

Dortmund – Man kann sagen, Helge Schneiders Humor ist wie der „Meisenmann“: Er hebt ab, kommt nicht weit und endet mit einer Bruchlandung, wie sie kein Pechvogel schöner hinbekommt. Und dafür lässt sich Helge Schneider, die steifmoonwalkende Ein-Mann-Band, viel Zeit. Der Mülheimer war an zwei Abenden im Konzerthaus Dortmund zu Gast mit dem Programm „Ordnung muss sein“. Es war ausverkauft, ein Heimspiel vor Fans.

Schneider rückt eine Leiter zurecht, als wolle er, dass seine auftretenden Kollegen darunter hergehen. Man weiß ja, unter einer Leiter durchzugehen bringt Pech. Die Kollegen gehen andersrum. Nach der Pause rückt er wieder an der Leiter – wieder nix. Der große Auftritt der Leiter kommt, als er mit Phantom-der-Oper-Maske kurz hinaufklettert und monstermäßig ein bisschen faucht. Der Entertainer als seine eigene Geisterbahnfigur.

Helge Schneider ist der Herr der Nicht-Pointen, ein Phänomen der Fahrigkeit, der Inszenator vorhersehbaren Unfugs. Seine Geschichten schlängeln sich ins Nirgendwo wie Anekdoten, die ein gelangweilter Frührentner an der Bushalte denen ins Ohr nuschelt, die sich nicht schnell genug woandershin verzogen haben. Wenn er von der leeren „Wundertüte des Lebens“ singt, was sollte auf dem Zettel darin anderes draufstehen als „Niete“? Er macht eine Elton-John-Nummer daraus, singt gospel-mäßig „Oh Lord“ dazwischen und versprüht unter seinem Klavierhocker Kunstnebel, für die Atmosphäre. „Da kommt der Nebel her. Aus der Maschine.“

Er mixt Boogie mit Blues, beschießt Gospel mit Klassik, verwechselt den „Glöckner von Notre Dame“ mit Pinocchio. Wie ein steifhüftiger Schlager aus den Wirtschaftswunderjahren kommt „Der Komet“ daher. Es geht um das Ende der Dinosaurier und von fast allem, auch von Helge Schneiders blauem Sakko. Das alles auf der Grundlage des Trios, das ihn exzellent trägt und sich für Soli freischwimmt, die neben Schneiders Marotten eigenartig akzentuiert und in sich gekehrt klingen: Henrik Freischlader an der E-Gitarre, Bassist Ira Coleman und Peter Thoms am Schlagzeug.

Helge Schneider braucht zwei Sekunden, um im Opener „Dääänce to the music“ eine ganze Tradition der Bluesorgel vorzuführen. Er holt sich ein Cello, um seine Variante von „Peter und der Wolf“ durchzuspielen, allerdings mit einem Gimpel, einem Wurm, einem Fuchs und einem hühnerzertretenden Bauern. Für die Freunde der Klassik, man ist schließlich in einer Konzerthalle, macht er einen Witz über Herbert von Karajans Dirigierstab – den jetzt natürlich er hat.

In der Highspeed-Nuschelnummer „Telefonmann“ steckt Sprachartistik. Überhaupt fällt auf, dass Helge Schneider, wenn er ein Instrument spielt, seinen Part sprachlich behandelt, will sagen so betont oder nuanciert, als spiele er mit der menschlichen Stimme. Die Orgel macht „wow“ oder „oh yeah“, und das Klavier, dieses in einen Kasten gezwängte Orchester, zieht einen langen, stotterigen Gesprächsfaden, wie eine seiner Anekdoten. Das ist auch ohne Gimpel oder Meise toll.

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