1. wa.de
  2. Kultur

„Headroom“ in den Kammerspielen Bochum

Erstellt:

Von: Achim Lettmann

Kommentare

 „Headroom“ mit Lukas von der Lühe (von links), Dennis Tiecken, Mourad Baaiz, Ann Göbel und Suzan Boogaerdt.
Statuarisches Bild in Bochum: „Headroom“ mit Lukas von der Lühe (von links), Dennis Tiecken, Mourad Baaiz, Ann Göbel und Suzan Boogaerdt. © ju bochum

Ohne Worte spielen die Darsteller des Bochumer Theaterprojekts „Headroom“. Der versprochene „psychedelische Theaterthriller“ bleibt im Statuarischen hängen.

Bochum – Ohne Worte kommen die fünf Darsteller im Bochumer Bühnenprojekt „Headroom“ aus. In der Theaterszene wird diskutiert, ob es nach der Coronapandemie weitergehen kann wie bisher. Muss für junges Publikum nicht ein neuer Weg erschlossen werden? Bochum erprobt solche Wege. Ob mit dem Jungen Schauspielhaus im Theaterrevier oder mit Inszenierungen, die das europäische Erzähltheater ergänzen bzw. auf die Probe stellen. „Mit anderen Augen“ von Selen Kara war so eine gelungene Collage, die fürs Hören als Wahrnehmungsweise mit Musik sensibilisierte und Sehbehinderte integrierte.

Nun steuert „Headroom“ das Unterbewusste an und will mit statuarischen Bildern und expressivem Soundtrack zum Kopfkino einladen. Das Konzept von Erik Whien, Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot, das bereits 2018 in Rotterdam uraufgeführt wurde, bleibt in Bochum aber zu hermetisch. In der Dunkelheit der Kammerspiele blenden dreidimensionale Interieurbilder auf, die um Menschenfiguren erweitert werden. Es ist eine Bildfolge ohne roten Faden. Die klopfenden Schläge, Rhythmuswechsel, Stimmen, Stöhn- und Windgeräusche fordern heraus, während die Tableaux Vivants, die „Lebendbilder“, als Projektionsfläche defensiv bleiben. Die Figuren erinnern an Untote (Maske: Cynthia van der Linde) wie aus Horrorklassikern. Eine graue Dunstwolke im Theaterhimmel bestärkt dies noch – „Nebel des Grauens“. Spots erhellen die Bühneninsel von oben (Licht: Gé Wegmann). Die eingefrorene Mimik der Darsteller ist hart und teilnahmslos.

Regisseurin Bianca van der Schoot bietet Alltagsarrangements: Heizradiator, Sitzkissen, Kleiderständer oder Leiter, Stehlampe und Sessel aus Klarsichtkunststoff. Ein Wäscheständer wird zum Konstrukt. Das Gewöhnliche soll einen Grusel entwickeln, aber es bleibt vor allem abgestellt. Figuren mit wächserner Haut erscheinen, Becher verschwinden, Kartons sind aufgeklappt, Leichen liegen einzeln im weißen Lichtviereck. Gedärm wird zwanghaft aus einem Organ gezogen, nackt stehen einzelne Figuren da, ohne ihre Unruhe zu klassifizieren. Ein Puppenbaby wird präsentiert, verloren wirken alle, aber der versprochene „psychedelische Theaterthriller“ ging nicht auf. Applaus von dem Publikum, das die Kammerspiele nicht vorzeitig verlassen hatte.

19., 20.4.; Tel. 0234/3333 5555; www.

schauspielhausbochum.de

Auch interessant

Kommentare