Kulturspaziergang an der Volme

Hagen und seine Kunst im öffentlichen Raum

Die Bodenskulptur von Tom Fechte liegt vor dem Museum Osthaus in Hagen.
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Die Bodenskulptur von Tom Fechte liegt vor dem Museum Osthaus in Hagen.

In Hagen wurde das Museum Folkwang 1902 gegründet. Die Kunstwerke in der Innenstadt und im Stadtgarten erinnern an Kunstgeschichte.

Hagen – Zuversicht und Innovation herrschten in Hagen. „Der Künstler als Lehrer für Handel und Gewerbe“ war eine Überzeugung von Karl Ernst Osthaus, dem Bankier, Kunstförderer und Folkwang-Gründer. Er holte Jan Thorn Prikker in die Industriestadt. Der Niederländer entwarf für die neue Bahnhofshalle 1911 ein Rundbogenfenster: neun Meter breit, fast vier Meter hoch, aus 156 Glasfeldern. Zu sehen sind Menschen aus Industrie und Gewerbe, sowie eine Frau mit Skiern. Prikker hatte wohl an Winterfreizeiten im Sauerland gedacht. Seine monumentale Glasmalerei mit expressiven Akzenten bildet auch heute noch das Entrée der Stadt.

Hier lässt sich ein Cityrundgang beginnen, der entlang der Kunst im öffentlichen Raum auch an die Kunstgeschichte der finanziell unter Druck stehenden Kommune erinnert. Busbahnhof und Graf-von-Galen-Ring müssen überquert werden, um dann durch die Luther-Straße links in die Hindenburgstraße zu gelangen. Wieder rechts führt die Körnerstraße direkt auf den Volkspark zu, wo Heinrich Holthaus’ „Sitzender Junge“ (1957/58) an einem Brunnen platziert ist. 2019 war die Bronzeskulptur noch restauriert worden. Vom Hagener Holthaus (1903–1980) gelten sechs Figuren als verschollen oder demoliert.

Weiter zur Innenstadt gelangt man über Kamp- und Mittelstraße auf den zentralen Friedrich-Ebert-Platz, wo ein Brunnen (1967) von Ewald Mataré steht. Die Betonschale nimmt vier Wasserspeier auf, die die Flüsse Ruhr, Lenne, Volme und Ennepe symbolisieren. Die Kaskade soll die Hasper Talsperre darstellen, aus der die Stadt ihr Trinkwasser bezieht. Am neogotischen Rathausturm vorbei, der nach den Weltkriegsschäden nur in schlichter Form wieder errichtet wurde, geht es über die Rathausstraße zum Dr.- Ferdinand-David-Park. Hier dominiert die abstrakte Figurengruppe (1964) von Eva Niestrath-Berger. Wie der Mataré-Brunnen hat auch dieses Werk einen zweiten Standort gefunden. In dem kleinen Stadtpark stehen „Die sieben Weisen“ aus Rotlava seit 1988. Von Eva Niestrath-Berger (1914–1993) gibt es 17 Arbeiten im öffentlichen Raum.

Als Denkmal hat Alexander Parfeonow (Smolensk) eine Mädchen-Figur über einem Regenbogen aus Mosaiksteinen geschaffen. Kess und selbstbewusst streckt sie ein Buch aus, das den Titel „Meine Rechte“ trägt. Die Bronzeskulptur ist Mittelpunkt des Projekts „BalanceAkt-Kinderrechte“.

Parallel zum Fluss Volme geht es über die Potthoffstraße bis zum Märkischen Ring. Rechts stößt man auf die Hochstraße. Wieder rechte Hand gelangt man zum Kultur-Quartier. Vor dem Altbau des Osthaus Museums ist 1993 eine Bodenskulptur eingelassen worden. Sie ist Teil eines internationalen Projekts von Tom Fecht. Der Künstler hatte auf der documenta IX über 2300 Namensteine verlegt. Sie erinnern an Menschen, die an Aids gestorben sind, wie der Puppenspieler und TV-Produzent Jim Henson („Sesamstraße“).

Zurück zum Bergischen Ring (oder durchs Quartier) geht es bis zur Bergstraße. Links führt danach die Böhmerstraße hoch zum Stadtgarten. Ein Anstieg. Man nimmt rechte Hand den Zugang zum Park und folgt dem Weg unterhalb des Stadtgarten-Gebäudes. Dahinter führt eine Treppe hoch vor das Restaurant. Nun ist Emil Schumachers Wandrelief zu sehen. Der Hagener Künstler, weltbekannt für seine abstrakten expressiven Bilder, hat einige Scherbenmosaike in der Stadt realisiert. Die Arbeit von 1957 schwingt sich leicht mit Elementen in Gelb, Blau, Braun, Schwarz und Weiß empor. Zurück am Parkplatz vorbei führt einen die Christian- Rohlfs-Straße hinunter zum surrealen Wandgemälde von David Radon (Neheim-Hüsten/Soest). „Rookie. The Weird“. Zwei eigentümliche Wesen verdrehen sich ineinander und zählen zur Freiluftgalerie des „Urban Heroes Art-Festivals“ von 2016.

Ein Stück zurück geht es links in die Buscheystraße und wieder links in die Grünstraße auf den Buschey-Friedhof. 1810 angelegt finden sich die Ruhestätten namhafter Hagener Familien. Wer den Symbolismus des 19. Jahrhunderts schätzt, stößt auf skulpturale Grabbilder von George Minne (1866–1941). Der Belgier zählt mit seinem „Brunnen mit knienden Knaben“ (1905/06) zur Folkwang-Historie der Stadt. Einst stand das filigrane Ensemble im Foyer des Museums Folkwang, das Karl Ernst Osthaus 1902 gegründet hatte. Nach dem Tod von Osthaus 1921 kaufte der Essener Museumsverein die Sammlung und erweiterte das Museum der Ruhrstadt 1922 zum Museum Folkwang. Auch der Minne-Brunnen ist in Essen zu sehen. Die drei Minne-Skulpturen (1903 bis 1907) sind im linken Eck des Hagener Friedhofs zu finden. Eine Rarität.

Es geht die Grünstraße weiter durch die Unterführung Bergischer Ring und die Treppe hinunter auf die Konkordiastraße. Dann rechts in die Bergstraße und links in die Viktoriastraße, wo vor dem Cuno-Berufskolleg Kurt Schwipperts Bronze „Lehrer und Schüler“ (1951) steht. Neben christlichen Themen war die stehende Einzelfigur typisch für Schwippert (1903–1983). Weiter in die Spinngasse und dann links auf die Elberfelder Straße, die am Theater vorbeiführt. Am Portal des Drei-Sparten-Hauses ragen vier weibliche Sandsteinfiguren (1911) von Milly Steger (1881–1948) hervor. Die üppigen Brüste der Damen sorgten seinerzeit für einen Skandal. Steger wurde deutschlandweit bekannt. Am Theaterplatz gegenüber wirkt das „Relief“ von Helmut Lander (1924–2013) sehr entrückt, so hoch ist die spiegelnde Installation der Bronzefiguren (1988) montiert.

Auf dem Rückweg steht man auf der Bahnhofstraße vor Waldemar Wiens Bronzeplastik „Aufstrebend“. Der Dortmunder Künstler (1927–1994), der lange in Kierspe lebte, wollte mit dem Stangengebilde 1968 „den aufstrebenden Handel in Hagen symbolisieren“. Auch das ist lange her.

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