Das Gustav-Lübcke-Museum Hamm zeigt Hann Trier anlässlich einer Schenkung: „Das Wandern“

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„Das Wandern“ (1981), ein Bild von Hann Trier, schenken die Sammler Boris und Ralf E. Wechtenbruck dem Gustav-Lübcke-Museum in Hamm. Diana Lenz-Weber kuratiert die Schau.

HAMM - Wie Hann Trier an seinem vierteiligen Gemälde „Das Wandern“ arbeitete, das hat Ralf E. Wechtenbruck 1980/81 in Mechernich, im Eifeler Atelier des Künstlers gesehen. „Es war ein Erlebnis“, sagte der Sammler in Hamm, „wir haben stundenlang mit dem Künstler gesprochen.“ Nun hat sich Wechtenbruck (85) mit seinem Sohn Boris und Tochter Judith entschieden, das Werk dem Gustav-Lübcke-Museum zu schenken. Und Diana Lenz-Weber, stellvertretende Direktorin des Hauses, richtet aus diesem Anlass eine Kabinett-Ausstellung mit 17 Bildern und einem Objekt Triers ein. Informelle Kunst ist ein Schwerpunkt des Museums.

Die Wechtenbrucks sammeln bereits in dritter Generation. Alles was gefällt, ist ihr Motto, weil „man ja damit lebt“, sagt Ralf E. Wechtenbruck. Die Gier, zu besitzen, ist nicht das Motiv der Sammler aus Ratingen. Und mit den Jahren, weiß Boris Wechtenbruck, muss „man sich konzentrieren“.

In Hamm ist das Bild „Das Wandern“ (Eitempera auf Leinwand) schon seit 1993 als Dauerleihgabe. Seinerzeit wurde der Neubau des Museums eröffnet. Das Haus besitzt bereits zwei Gemälde und 30 Papierarbeiten Triers. So bietet die Ausstellung einen Blick auf das Werk des Künstlers (1915–1999). Er zählt mit seinen gestisch abstrakten Bildern neben Karl Otto Götz und Emil Schumacher zu den Hauptvertretern der abstrakten Nachkriegskunst in Deutschland. Trier gehört zu der Generation, die in der NS-Zeit nicht frei arbeiten konnte und sich erst nach 1945 künstlerisch entwickelte. Bereits mit seinen Bühnenbildern in Thüringen, wo sich die Familie nach dem Krieg aufhielt, versuchte er die „Bewegung“ der Schauspieler zu beinflussen. Der Begriff sollte zentral für sein Werk werden. Denn Trier entwickelte ein beidhändiges Arbeiten. Der Linkshänder war in Kindertagen zum Rechtshänder umerzogen worden. Beim Malen spürte er seit seiner Zeit in Kolumbien (1952–55) eine wechselseitige Autonomie in den Händen, die er zum Mal- und Formprinzip erweiterte. Trier kannte die Abhandlung „Das Lob der Hand“ von Henri Focillon. Das Aquarell „Jávea“ (1958) führt einem das parallele Schaffen mit dem Pinsel vor. Das Schwarz der Tusche fließt und schwebt. Es breitet sich wie eine Textur aus. Hann Trier sprach selbst vom Tanz des Pinsels, wenn er vor den Bildgrund trat. Dabei ging Trier soweit, dass er den Malgrund in seine Bewegung einbezog, und als „Vortext“ verstand, aus dem besondere Tanzfiguren hervorgehen.

Das vierteilige Werk „Das Wandern“ ist ein Beispiel dafür. Trier, der sich mit Literatur und Musik beschäftigte, reagiert auf Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“. Wie sich die abgeschwächten Farben auftürmen, aufgehen, ineinander fassen und verdichten, hat eine musische Gestimmtheit und kompositorische Kraft.

Druckgrafiken, Gemälde und ein seidenes Cocktailkleid demonstrieren in Hamm Triers Spektrum.

Bis 28. 10. ; di-sa 10 – 17, so bis 18 Uhr;

Tel. 02381/175714;

www.museum-hamm.de

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