Giant Rooks sprechen über die Headliner-Tour und ihre Musik

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Frederik Rabe (Gesang, Gitarre, Percussion, von links), Finn Thomas (Schlagzeug), Luca Göttner (E-Bass), Jonathan Wischniowski (Synthesizer, Piano) und Finn Schwieters (Gitarre, Gesang).

Hamm - Giant Rooks stehen vor der ersten großen Headliner-Tour. Ab 31. Januar spielt die Band ihren Art Pop wieder deutschlandweit, in der Schweiz und Österreich.

Es gibt in NRW keine andere Band, die in den letzten beiden Jahren so durchgestartet ist. Die fünf Musiker aus Hamm haben 2016 den popNRW-Preis in Köln gewonnen, waren beim Musik Award 2016 in Berlin erfolgreich (Platz drei) und spielten nach einer eigenen Tournee („New Estate“) europaweit mit der Folkband Mighty Oaks. Giant Rooks verbinden eine nachdenkliche und empfindsame Lebenshaltung mit großer Musikalität. Tempo, Rhythmus und Strahlkraft profilieren ihre Konzertauftritte. Frederik Rabe und Finn Schwieters sprechen mit Achim Lettmann über neue Herausforderungen, ihre Musik und wie alles begann.

Die kommende Tournee bedeutet 23 Konzerte in 28 Tagen. Wie bereitet Ihr Euch darauf vor?

Frederik Rabe: Wir proben seit drei Monaten – neben einer kleinen Weihnachtspause. Wir machen neue Sachen, organisieren, bauen am neuen Set.

Finn Schwieters: Die Tour ist größer als die letzte, mit deutlich mehr Leuten. Die Spanne liegt zwischen 200 und 1000. In Würzburg spielen wir in einem kleinen Laden und in Hamburg vor 1000. Rabe: Also durchschnittlich so 600. Für mich als Sänger, denke ich mir, wird es anstrengend wegen der Stimme. Aber ich habe totalen Bock drauf.

Ihr werdet von Four Artists gemanagt, die Konzertagentur der Fantastischen Vier. Wie wichtig ist die Unterstützung?

Rabe: Die ist unglaublich wichtig. Jeder Künstler muss eigentlich im Prinzip so ein Management haben, das dafür sorgt, dass man im Radio gespielt wird und auf Festivals kommt – Promotion machen. Ohne die würden wir wahrscheinlich nirgendwo gespielt werden.

Giant Rooks haben sehr viele Konzerte gegeben, gleichzeitig findet eine digitale Verbreitung Eurer Musik statt. Wie erlebt Ihr diese unterschiedliche Aufmerksamkeit?

Rabe: Die digitale Verbreitung, auch wenn ich kein großer Freund davon bin, ist unglaublich wichtig. Gerade in Zeiten, wo kaum noch Alben verkauft werden und alles über Spotify läuft. Die Streaming Plattform ist einer der wichtigsten Wege, sich zu verbreiten. Über Spotify hören uns auch Leute in Brasilien. Aber trotzdem ist es viel schöner, ein Konzert zu geben. Wenn man hört, dass wir im Radio gespielt werden, dann ist das cool. Aber wirklich schön, ist es ein Konzert zu geben.

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Wie setzt Ihr das Live-Erlebnis aus den Konzerten dann wieder für Eure Musik um? Wie kommt das zurück?

Rabe: Das ist sehr wichtig für unsere Musik. Wir spielen gerade neue Songs. Wir werden viele neue Songs auf der Tour spielen, weil wir live am besten einschätzen können, ob das gut ankommt. Wenn es live funktioniert, kann es ein guter Song werden. Schwieters: Live hört man auch alle Nuancen. Im Probenraum haben wir zwei alte Boxen. Live ist jedes Instrument fein abgemischt. Dann lässt sich heraushören, was noch nicht so gut ist.

Art Pop ist Eure Musik. Wie kommt Ihr zu den polyrhythmischen Songstrukturen?

Rabe: Vielleicht, weil wir uns nicht so richtig Gedanken über einen Spruch und einen Refrain machen, mehr über Ideen an sich und nicht in irgendwelchen Strukturen denken, nicht den Refrain dreimal spielen müssen.

Habt Ihr Euren Musikstil gefunden?

Rabe: Nein, das würde ich nicht sagten. Nicht, weil ich es nicht mag, wie es ist. Aber ich würde das wohl in zehn Jahren noch so sagen. Ich finde es interessant, wenn man sich weiter entwickelt. Und sich neu erfindet. Ich glaube, das macht die besten Bands aus. Wie zum Beispiel Radiohead, die erkennt man gar nicht mehr, wenn man nicht wüsste, das ist Radiohead.

Stichwort: Songwriting. Wie funktioniert das bei Euch?

Schwieters: Meistens kommt Fred mit einer Idee auf der Gitarre oder auf dem Klavier in den Proberaum, gibt Anreize, und wir fangen an zu jammen. Nehmen Elemente rein, Elemente raus, probieren Songs aus und das zieht sich dann über Wochen, über Jahre. Dann probieren wir das live aus, weil man gut einschätzen kann, ob eine Songstruktur funktioniert oder nicht. Dann ist der letzte Schritt das Aufnehmen. Vielleicht kommen noch neue Ideen hinzu?

Habt ihr Vorbilder?

Rabe: Vorbilder – es gibt so viele. Wir finden Bands wie Bon Iver gut, Bob Howard, Chet Baker finde ich auch mega geil, der hat mich in letzter Zeit inspiriert. Bob Dylan sicherlich auch, Neil Young, ich kann viele Namen aus verschiedenen Zeiten nennen.

Ihr behandelt Trennungserfahrungen, Lebenszweifel und Unsicherheiten insgesamt in Euren Texten. Was bewegt Euch vor allem?

Schwieters: Was bewegt uns? Das ist schwierig zu sagen, weil es so persönlich ist und so persönlich werden kann. Ich mag das eigentlich, wenn die Texte so für sich stehen.

Mein Eindruck ist, dass Ihr Gedankenräume öffnet. Ihr gebt ein paar Impulse rein, wohin das erzählerisch gehen kann, ohne konkret zu werden. Alles bleibt in einem großen imaginären Raum. Seid ihr melancholisch?

Rabe: Ja, ich bin ein Melancholiker, auf jeden Fall. Schwieters: Ich mag das Wort nicht, es klingt so pathetisch. Aber vermutlich sind wir das schon.

Ihr macht zu fünft Musik, während andere in Eurem Alter sich um Job und Ausbildung kümmern. Was hält Euch zusammen?

Rabe: Die gleiche Leidenschaft für Musik. Weil wir von Anfang an alles zusammen gemacht haben. Wir haben uns zusammen entwickelt. Wir kennen uns mittlerweile super gut, und wir kennen uns ja nur durch die Band. Wir waren ja nicht fünf Freunde, die einfach Musik gemacht haben. Finn und ich sind angefangen, und dann haben wir andere Leute gefragt. So war es am Anfang. Das verbindet uns, dass wir sehr viel gute Sachen erlebt haben, aber auch sehr viel schlechte. Es hat eineinhalb Jahre gebraucht, bis wir zusammen waren. Aber bei der ersten Probe, als wir alle fünf zusammen gespielt haben – Luc, der Bassist, kam als letzter dazu –, ab da war klar, dass es genauso passt. Genauso sollte es sein.

23 Tourdaten. Eine NRW-Auswahl:

17. 2. Dortmund, FZW (ausverkauft), 18. 2. Bielefeld, Forum, 20. 2. Essen, Zeche Carl, 22. 2. Münster, Sputnikhalle (ausverkauft).

www.giant-rooks.com

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