Gesellschaft der Freunde der NRW-Kunstsammlung in Düsseldorf stellen aus: „Beste Freunde“

Günther Ueckers Nagelbild „Zwischen Hell und Dunkel“ (1983) im K20. Foto: vg-bild-kunst, bonn

Düsseldorf – Das Schüttbild von Morris Louis ist so eine Inkunabel der NRW-Kunstsammlung. 1970 wurde „Gamma Gamma“ (1959-60) erworben. Die völlig ausgesparte Mitte des Gemäldes wird von Farbverläufen an den Bildrändern eingegrenzt. Das Thema Farbfeldmalerei erscheint durch Louis’ Symmetrie ganz unperfekt.

Die Anmerkungen unter den Bildtiteln im Museum werden nicht immer gelesen. Bei Gerhard Richters Vierteiler „Silikat“ (2003) tauchen die Freunde der Kunstsammlung neben vier weiteren Institutionen auf, die die Werke 2007 erworben haben. Wer nun die Wendeltreppe im K20 nimmt, kann die Henkel Galerie betreten und dort die Ausstellung „Beste Freunde“ besuchen. Hier präsentiert die Gesellschaft der Freunde der NRW-Kunstsammlung Arbeiten, die seit 1969 fürs Museum angekauft wurden. Es sind insgesamt 40 Bilder, Skulpturen, Fotografien und Videoarbeiten. Dazu zählt das „Portrait Schmela“ (1964), eine von Gerhard Richter übermalte Fotografie von Alfred Schmela. Der einflussreiche Düsseldorfer Galerist stellte Richter schon in den 60er Jahren aus. Das Bild ist eine Schenkung an den Förderkreis des Hauses von 2014. Und es ist eine Symbiose der wirkmächtigen Düsseldorfer Kunstszene mit einem Maler, der heute zu den gefragtesten der Kunstwelt zählt.

Mit solchen Bezügen lassen sich einige Ankäufe in Düsseldorf beschreiben. Die aktuelle Anschaffung ist eine mehrteilige Wandarbeit von Isa Genzken. „Ohne Titel“ (2015) besteht aus Spiegelfolie (Blau/Gelb) auf Stahlplatten und verfremdet das wechselnde Konterfei des Betrachters. Eigentlich ist Genzken für ihr skulpturales Oeuvre bekannt, aber dieses konzeptuell und minimalistische Werk formt das Körperliche nur im Blickmoment. Es ist Genzkens erstes Werk für die Kunstsammlung.

1969 von Ernst Schneider, Präsident der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf, gegründet, zählt der Förderkreis mittlerweile rund 1000 Mitglieder. In den ersten Jahren gingen die Ankäufe in den Besitz der NRW-Sammlung über, seit 1993 werden die Exponate als Dauerleihgabe dem Museum zur Verfügung gestellt, gehören aber der Gesellschaft der Freunde.

Wer die Wertsteigerung im Kunstbetrieb zugrunde legt, hat eine Vorstellung wie wohlhabend die Fördergesellschaft mittlerweile ist. Nicht geändert hat sich das Angebot an die Leitung der Kunstsammlung: Wünsche werden finanziert. Außerdem wird die Werner-Schmalenbach-Bibliothek unterstützt. Die größte Initiative der Förderer war aber der Anbau ans K20 im Jahr 2009. Ohne zusätzliche Aufwendungen wäre die Erweiterung am Grabbe-Platz nicht möglich gewesen.

Seit 2002 gibt es den KLUB21, der Fördermitglieder vereint, die unter 40 Jahre alt sind. Es geht um die Kunst des 21. Jahrhunderts. Ob von Düsseldorf immer noch die gleichen starken Impulse ausgehen wie in den 60/70er Jahren?

Günther Uecker, Künstlergruppe Zero, zählt zu den international erfolgreichen Künstlern Düsseldorfs. Das zweiteilige Bild „Zwischen Hell und Dunkel“ (1983) wurde von den Freunden 1984 angekauft. Seine spiralförmig eingeschlagenen Nägel bilden ein Medium, das unterschiedliche Materialfarbwirkungen schafft.

Ausgestellt werden außerdem Kunstwerke von Amedeo Modigliani, Max Ernst und Francis Bacon, von Ad Reinhardt, Robert Rauschenberg, Ellsworth Kelly und Agnes Martin, von Arman, Lucio Fontana und Piero Manzoni, von den Fotografen Bernd und Hilla Becher sowie Thomas Struth. Ein Schwerpunkt bilden eine Gemälde-Zeichnung von Max Ernst und vier seiner Gipsplastiken (von 1934 bis 1966). Dem polnischen Künstler Wilhelm Sasnal (46) ist ein ganzer Raum gewidmet.

Bis 7. 7.; di-fr 10 – 18 Uhr, sa/so 11 – 18 Uhr; Tel. 0211 / 83 81204; www.kunstsammlung.de

Eine Publikation ist in Vorbereitung.

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