Geiger Daniel Hope mit Sonaten und Liedern in Essen

+
Ein Meister des schönen Klangs: Daniel Hope begeisterte beim Kammermusikabend in der Philharmonie Essen.

ESSEN - Der Geiger Daniel Hope widmet sich gern der Musikvermittlung mit Buchtiteln wie „Wann darf ich klatschen“. In der Philharmonie Essen ist Hope derzeit Residenzkünstler, als solcher hat er sich ein Programm zurechtgelegt, das zwei seiner Markenzeichen verbindet: Musikvermittlung und das Spiel mit einem nostalgischen Ton, in dem zuweilen ein Dämpfer mitklingt, als töne sein Spiel von einer lange gehüteten, behutsam aufbereiteten Schallplatte.

Bezugspunkt des Programms war der legendäre Joseph Joachim, Muse und Beeinflusser der großen Geigenkompositeure im 19. Jahrhundert. Im Grunde war das Konzert ein Zuckerl für Freunde schöner Geigenklänge. Allerdings war die Philharmonie kaum zur Hälfte gefüllt.

Hope und Simon Crawford-Phillips am Klavier begannen mit Brahms’ c-moll-Scherzo, in dessen Notenfolge ein persönliches Motto Joachims vertont ist: „Frei, aber einsam“. Wie in der folgenden Des-Dur-Romanze von Clara Schumann, die Joachim gewidmet ist, fächert Hope all das auf, wofür man eine Geige liebt: intimes Flüstern, himmelwärts strebende Kantilenen, glutvolle Töne, in einer Phrase versteckt ein gefühlvolles Zittern des Tons – ein Spiel mit vollem, runden Ton, der sich ins Piano zurückzieht, ohne an Substanz zu verlieren. Ein Musizieren von starkem Gefühl, das zielstrebig auf Verdichtung, Erfüllung zustrebt. So hat es sich Hope von seinen großen Vorbildern abgelauscht, vor allem Yehudi Menuhin, dessen Schüler er war.

Das verzierte, aufgeladene Spiel Hopes wird ergänzt von Crawford-Phillips mit starker, oft etwas monochromer Begleitung, die in der Schumann-Romanze fast zu sehr im Vordergrund steht.

Den Schluss der ersten Hälfte macht Brahms’ „Regenlied-Sonate“ Nr. 1. Hier führt Hopes Schmuck-Spiel, das Ausstellen von Raffinessen, weiter in die Tiefe. Delikate Effekte – Violine und Klavier perlen in hauchzart rinnenden Phrasen – machen einem zunehmend unter Strom gesetzten Musizieren Platz. Im zweiten Satz lugt zwischen dem Schönspiel noch mehr hervor: Spannung lauert zwischen dem Zweierrhythmus, den Crawford-Phillips durchaus schwer akzentuiert, und dem versuchten Rückzug der Violinstimme in die Intimität. Es ist ein schweres Sich-Freispielen der Geige; der Klavierpart hängt wie ein Treibanker an Hopes feinen Phrasen. Mit den Doppelgriffen zum Satzende kommt Hope aber wieder fest im Hier und Jetzt an, und der letzte Satz mit seiner nervösen Bewegung bleibt fest unter Kontrolle. Das Duo wird mit häufigem, starken Zwischenapplaus bedacht.

Nach der Pause folgen zwei Liedbearbeitungen von Felix Mendelssohn Bartholdy, einem wichtigen frühen Förderer Joachims. „Auf den Flügeln des Gesangs“ und das „Hexenlied“ bleiben in der Bearbeitung für Violine und Klavier dicht am Lied: Hope begnügt sich damit, die Melodie mal intim, mal leidenschaftlich zur Klavierbegleitung zu spielen. Von Joachim selbst spielte das Duo die Romanze Opus 2 Nr. 1, auch sie wie auf einem langen Atem als gefühlvolle Aufwallung, mit warm funkelnden Spitzen.

Erst die Sonate Nr. 3 in c-moll von Edward Grieg öffnete ein weiteres Spektrum. Sie ist der leidenschaftliche Schlusspunkt des Programms, der Kulminationspunkt für die ausgebreiteten Finessen. Hope und Crawford-Phillips spielen sie als emotional aufgeladenes Bravourstück, als dichte Erzählung von romantischen Stimmungsumschwüngen, mit einem Finale, in dem Hope eine weißglühende Intensität erreicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare