Familienausstellung „Eiszeit Safari“ im Gustav-Lübcke-Museum

Lebendig wirkt das Wollnashorn mit seinem Kalb in der Hammer „Eiszeit“-Ausstellung. Fotos: Frank Bruse

Hamm – Was Megafauna bedeutet, versteht man vor dem Mammutskelett. Schon das massige Modell der Kuh, das mit seinem dichten Fell einen Eindruck des realen Tiers vermittelt, überragt den Besucher im Gustav-Lübcke-Museum. Aber das Skelett des Bullen ist noch einen Meter höher. Ein monströses Tier. Und noch nicht einmal ausgewachsen, wie Archäologin Susanne Birker erklärt.

Von Sonntag an können Familien im Hammer Museum auf „Eiszeit Safari“ gehen. Rund 60 lebensgroße Tiermodelle und Präparate, dazu informative Vitrinen und Mitmachstationen machen die Zeit vor 15 000 bis 30 000 Jahren sichtbar. In Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim wurden nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Geschöpfe rekonstruiert, die die weiten Steppen der Steinzeit bevölkerten. So sieht man die Mammut-Kuh mit einem Kalb, ein Wollhaarnashorn, das auch fast drei Tonnen Gewicht erreichen konnte, den Höhlenlöwen, den Höhlenbären, den Riesenhirsch und den Steppenbison.

Europa war in der Eiszeit keineswegs dauerhaft von Eis und Schnee bedeckt. In den Sommern konnte es durchaus warm werden, die riesigen Tiere ernährten sich von den Gräsern und Kräutern. Und es ist ja beeindruckend, vor der Mammutkuh zu stehen, die ihren Rüssel schützend um ein Kälbchen legt. Oder auf das Wollnashorn mit seinem säbelartigen vorderen Horn zu blicken. Die Ausstellung begnügt sich auch nicht mit den spektakulären, eigens angefertigten Rekonstruktionen des gewaltigen Großwilds, das mit dem Ende der Kaltphase ausgestorben ist. Man sieht dazwischen auch Tiere, die überlebten, wie Vielfraß, Luchs, Reh, Fischotter, Krähe, Gämse, Rentier und Antilopen.

Auch Steinzeitmenschen haben ihren Auftritt, „Urs“ mit seinem geflochtenen Bart und „Lena“ mit dem Ledergürtel sehen befremdlich normal aus. „Wenn Sie die in moderne Kleidung gesteckt hätten, wären die hier am Tisch nicht aufgefallen“, erklärt Sarah Nelly Friedland vom Mannheimer Kuratorenteam. Urs und Lena halten beide Speere, ihren wertvollsten Besitz. Und zwar wegen der hölzernen Schäfte. In der Steppe waren solche langen Holzstangen extrem rar.

Man kann in der Schau viel lernen. Auch wegen der speziellen Museums-App, die man sich schon vorab auf das Smartphone oder Tablet laden kann. Dann kann man an einzelnen Stellen der Schau Symbole scannen, und ein Erklärfilm läuft ab. Man erfährt dann zum Beispiel, wie Steizeitmenschen ihr Essen zubereiteten. Zum Beispiel eine heiße Suppe, gekocht, indem Steine aus dem Feuer in die Brühe geworfen wurden. Oder einen Braten, gegart im Erdloch. Das Fleisch, das der Darsteller mit einem nachgebauten Steinmesser zerlegt, sieht durchaus appetitlich aus. Eine andere Spezialität weckt eher zwiespältige Gefühle: Pflanzliche Kost war in der Eiszeit rar. Darum verzehrten unsere Vorfahren nicht nur das Fleisch zum Beispiel von Rentieren, sondern auch ihren halbverdauten Mageninhalt. Bekömmlicher scheinen da die Moltebeeren in der Vitrine, die ein wenig wie unreife Erdbeeren aussehen, voller Vitamin C stecken und bitter und sauer schmecken. Und auch Drogen kannten Urs und Lena wahrscheinlich: Der weiß blühende Sumpfporst diente als Heilkraut, wirkte aber auch berauschend. Auch über die Kultur der Menschen damals erfährt man etwas mit Kopien von kleinen geschnitzten Tierfiguren, mit Steinzeitschmuck und einer Flöte. Man feierte schon Feste und musizierte dabei.

Die Schau informiert nicht nur mit ihren Texttafeln und dem Angebot der App. Es gibt auch Fühlstationen, an denen man das Gebiss der Steinzeittiere oder den Unterschied zwischen Wildschweinborsten und dem kuscheligen Rentierfell ertasten kann.

Ein Globus und Karten zeigen, wie stark vereist die Erde damals war. Eigentlich sind wir ja auf dem Weg in eine neue Eiszeit. Wäre da nicht die Erderwärmung. Manche Tiere profitieren sogar davon, auch das verrät die Schau. Der Goldschakal zum Beispiel liebt es etwas wärmer. Darum breitet er sich auch nach Europa aus.

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr, Bis 5.7.2020, di – sa 10 – 17, so bis 18 Uhr,

Tel. 02381/ 175 714, www.museum-hamm.de

Katalog 14,90 Euro

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