Duisburg bietet zahlreiche Skulpturen für den Kulturspaziergänger

Mischwesen aus König und Pflanze: Karl Hartungs Bronze „Thronoi“ (1958/59) ist im Kant-Park zu sehen. Fotos: Stiftel

Duisburg – Die Museen sind geschlossen, Kunstfreunde leiden unter Entzug. Aber es gibt ja noch Kunst zu genießen, nicht virtuell, sondern direkt. Und der Spaziergang, auf dem man Skulpturen im öffentlichen Raum genießt, bringt einen auch noch an die frische Luft. Ein guter Ort für Meisterwerke unter freiem Himmel ist Duisburg.

Der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) ist Katalysator dafür. Das Kunstmuseum Duisburg beherbergte schon in den 1920er Jahren Werke des Meidericher Bergmannssohns, der schon zu Lebzeiten international berühmt war. Seit 1964 gibt es im Kant-Park am Rande der Innenstadt das Wilhelm-Lehmbruck-Museum, das neben Werken des Namenspatrons eine umfassende Sammlung moderner Skulpturen beherbergt. Der anliegende Park wurde mit Arbeiten aus der Sammlung gleichsam zum zusätzlichen Museumsraum, allerdings jederzeit frei zugänglich. Alle Arbeiten zu beschreiben, würde den Raum sprengen, wir müssen auswählen.

Wir beginnen den Rundgang am Eingang des Museums. Eine schlanke Stele wird von stilisierten Lichtfiguren umlaufen: Die LED-Skulptur „Sam, Amelia, Jeremy, Teresa“ des britischen Bildhauers und Videokünstlers Julian Opie ist eine der aktuellsten Arbeiten und entstand 2019. Daneben erhebt sich die über drei Meter hohe „Große Zylinderspaltung“ (1991) von Alf Lechner, von dem noch ein weiteres Werk im Park steht. Im Wind dreht sich George Rickeys Stahl-Mobile „Two Congenial Segments, Rotation IV“ (1980).

Am angrenzenden Weg steht das Steinmahnmal „Der grüne Zuschauer. Einer der zuschaut, wie der andere stirbt“ von Meret Oppenheim, deren „Pelztasse“ zu den ikonischen Arbeiten des Surrealismus gehört. Gegenüber ist die Bronze „Kniende Figur – Eos“ (1958) von Toni Stadler zu sehen, ein typisches Beispiel figurativer Plastik der Nachkriegszeit.

Auf der Wiese hinter dem Museum steht Lechners „Würfelkonstruktion 3/73“ (1973), zwei ineinander verschränkte Stahlwürfel mit einer Kantenlänge von drei Metern, ein wuchtiges Zeichen in der Landschaft. Geradezu verspielt wirkt dahinter Erich Hausers „Raumsäule 17/70“ (1970), eine geknickte, neun Meter lange Stahlsäule. Am Weg steht Günter Tollmanns „Bewegliche Plastik PA 11“ (1971), zweieinhalb Meter hoch, Stahl, die sich tatsächlich im Wind dreht.

Wir wenden uns nun zur der Straße abgewandten Seite des Museums. Auf der Grünfläche liegt eine mehr als vier Meter lange Hand aus Bronze, „Egypt“ (1990) von Eduardo Paolozzi. Der schottische Bildhauer war eine der prägenden Figuren der Pop-Art in Großbritannien. Hier verbindet er Anspielungen auf ägyptische Hieroglyphen mit solchen aus der Bibel wie dem Paar kopulierender Heuschrecken auf der Hand.

An einer Weggabel begegnen wir Karl Hartungs „Thronoi“ (1958/59), einer mit Sockel fast drei Meter hohen sitzenden Figur, die aus einer Art Wurzelwerk zu bestehen scheint. Auf einer Terrasse direkt am Museum steht eine ganze Reihe von Kunstwerken, darunter zwei Bronzen des britischen Bildhauers Henry Moore, eine 4,50 Meter hohe gebogene Stahlplatte von Richard Serra und Kenneth Armitages „Prophet“ (1964), eine Bronzeplatte, die als Gesicht und als Fassade eines Gebäudes lesbar ist.

Nicht nur wegen des Lehmbruck-Museums hat Kunst im öffentlichen Raum einen besonderen Stellenwert in Duisburg. 2015 ließ die Stadt ein Verzeichnis aller Kunstwerke im öffentlichen Raum erstellen. Auch in den Außenbezirken findet man Skulpturen, U-Bahn-Stationen wurden künstlerisch gestaltet. Wir bleiben in der Innenstadt, überqueren die Friedrich-Wilhelm-Straße und gehen bis zur Königstraße, der Einkaufsmeile in der City. Wir wenden uns rechts, Richtung Hauptbahnhof, und am Amtsgericht links in den König-Heinrich-Platz. Dort leuchtet rotbraun Bernar Venets Stahlarbeit „5 Bögen x 5“ (2007). Die nach oben geöffneten Ringe wirken dramatisch wie ein Wal-Skelett.

Die Königstraße ist nicht nur Konsummeile, sondern auch eine Kunststrecke. An der Sparkasse führt ein Durchgang zu einem kleinen Skulpturenpark, wo man zum Beispiel die Bronze „Freya“ (1950) von Gerhard Marcks findet. Ein Stück weiter säumen zwei Figuren als Blei-Intarsie den Eingang zur Commerzbank. Arno Breker, der mit muskulösen arischen Heldenfiguren ein Favorit Hitlers war, war auch nach 1945 noch gut im Geschäft und beschwor mit den griechischen Gottheiten Hermes und Ceres 1952 das aufkommende Wirtschaftswunder.

Ein kurzes Stück weiter erhebt sich knallbunt und fröhlich der „Life Saver“ (1991-93), ein Gemeinschaftswerk von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely. Saint Phalles Fabelwesen aus Polyester, ein überwiegend blauer Adler mit ausgebreiteten Schwingen, steht für den Triumph der Fantasie und der Träume über das profane Leben. Ihr Mann hat kurz vor seinem Tod den stählernen Sockel gestaltet. Der Brunnen wurde zu einem der Wahrzeichen der Stadt. Ähnlich populär auf der „Brunnenmeile“ sind Thomas Virnichs „Schiffsmasken“, die sich zehn Meter hoch am Kuhtor erheben.

Wir folgen der Kuhstraße, überqueren die Steinsche Gasse und stehen auf dem Burgplatz. Hier wurde 1878 dem Duisburger Kartografen Gerhard Mercator ein Brunnen von Hermann Schülke und Joseph Reiß gewidmet. Vorbei am historistischen Rathaus mit seinem Figurenschmuck – unter anderem säumen den Durchgang Adam und Eva – geht es zu einer Grünfläche, wo eine Skulptur von Hede Bühl an die im Nationalsozialismus verfolgten Gewerkschafter erinnert.

Wer noch Kraft und Neugier hat, kann am Rathaus vorbei zum Innenhafen gehen, sich am Wasser rechts halten. Dort findet er weitere Kunstwerke. Wir gehen zurück zum Kuhplatz und biegen in den Sonnenwall ein, wo Hans Stangls anmutige „Hockende“ aus Bronze (1936/62) zu finden ist. Auf der Verkehrsinsel am Friedrich-Wilhelm-Platz steht Wasa Marjanovs „Skulptur für Duisburg“ (1992). Allerdings liegt der Brunnen des serbischen Künstlers zur Zeit trocken und entfaltet nicht den Zauber, den er im Sommer hat.

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