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Die Städtische Galerie Paderborn präsentiert den Bildhauer Reinhard Buxel

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Von: Ralf Stiftel

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Ausstellung Reinhard Buxel Städtische Galerie Paderborn
Respekt vor dem Sandstein: Blick in die Paderborner Ausstellung mit Werken von Reinhard Buxel, im Vordergrund „2 + 3 Pfeiler“ (2007). © Stiftel

Paderborn – Der „Runde Turm“ ist ein Bauwerk für Gedanken. Reinhard Buxel nahm für seine Skulptur von 2007 einen Findling aus Sandstein und schnitt ihn in sechs Scheiben. Dann stapelte er sie, mit kleinen Steinklötzen dazwischen, so dass sich im massiven Gebilde Räume öffnen. Das wirkt auf den ersten Blick spielerisch und vorläufig, weil der Künstler zwar innen glatte Schnitte legte, außen aber die natürliche, raue, schrundige Hülle des Materials bewahrte.

Dabei sorgte er zwar mit Aussparungen dafür, dass die tragenden Klötze fest ruhen. Aber er passte sie nicht der Außenkontur ein. So ragen sie manchmal ein wenig hervor oder versinken. Dies ist nicht perfekt, es ist gemacht. Was einmal massiver Stoff war, kompakt und dauerhaft, hat eine Verletzlichkeit bekommen, vermittelt den Kampf mit der Schwerkraft. Die Schönheit, sagt dieses Werk, ist fragil und währt nicht ewig.

Zu sehen ist Buxels Skulptur in der Städtischen Galerie in der Reithalle Schloss Neuhaus in Paderborn. Die Ausstellung bietet einen Querschnitt durch das Werk von 1984 bis 2015 mit mehr als 30 Skulpturen und mehr als 25 großen Papierarbeiten. Der Anlass ist erfreulich: Die Stadt Paderborn hat eine große, raumgreifende Skulptur des Künstlers für den Außenraum erworben. Der fast neun Meter lange „Steg“ soll im März oder April in den Paderwiesen aufgestellt und am 14. Mai offiziell eingeweiht werden.

Der 1953 in Amshausen geborene Künstler studierte ab 1981 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Emil Cimiotti, dem führenden Bildhauer des Informel in Deutschland. Unmittelbar nach seinem Abschluss als Meisterschüler erhielt Buxel selbst einen Lehrauftrag. Er arbeitete in einem Freiluftatelier in Salzkotten. Zugleich war er in der Kunstszene in Paderborn präsent. 2016 starb er. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie entstand unter Mitwirkung seiner Witwe Ilona Habdank-Buxel.

Der Künstler verfolgte ganz andere Bildvorstellungen als sein Lehrer. Er ließ sich auf das Material ein, er respektierte den Stein, erläutert Andrea Brockmann, Leiterin der Galerie. Seine Skulpturen wirken archaisch und minimalistisch, funktionieren mit Einschnitten, die eher dezent und zurückgenommen wirken. Am Ibbenbürener Sandstein, seinem bevorzugten Werkstoff, faszinierte ihn diese markante Außenhaut, die vom Eisenoxid rötlich, bräunlich, manchmal fast schwarz getönt ist. Diese unebene Außenseite kontrastiert er mit Schnitten. Er zerlegt den Stein in Einzelelemente, die er neu zusammensetzt. So entstehen Skulpturen, die oft schon im Titel ihre Inspiration durch die Architektur erkennen lassen, wie „Galerie“ (2008), „Audimax“ (2009) und eben mehrere Türme.

Die frühesten Arbeiten in der Ausstellung entstanden noch während seines Studiums. Bei den beiden „Bunkerköpfe“ (1984) sieht man noch Anklänge an die menschliche Figur. Außerdem kombinierte Buxel in ihnen den Sandstein mit Gusseisen. Aber schon das „Steinzelt“ (1987) wirkt wie ein archaisches Bauwerk, und obwohl der Stein aussieht, als wäre er so gewachsen und nur aufgeschnitten, zeigen die Farbunterschiede, dass Buxel hier sehr wohl unterschiedliche Stücke zu einem vermeintlich homogenen Gebilde montierte. Hier brechen nur die Schnitte die Oberfläche, aber schon da war Buxels Intention, dass der Betrachter gedanklich in die Skulptur eindringen kann, erzählt Ilona Habdank-Buxel. Für den „Grat“ (2014) hat Buxel einen großen Steinkeil aufgeschnitten und mit glatten Zwischenstücken verbunden. Das Werk erinnert an das versteinerte Gerippe eines Sauriers. Ein steinerner „Ring“ (1989) durchmisst mehr als drei Meter. Buxels großes Interesse an Architektur bezeugen auch zwei kleine Arbeiten, die nicht aus Sandstein sind, sondern aus Basalt. Die angedeuteten, runden hallenartigen Gebilde sind den Baumeistern Oskar Niemeyer und Pier L. Nervi gewidmet.

Die Kohle-Zeichnungen beziehen sich oft auf die Skulpturen, sind aber keine Skizzen, sondern entstanden nachträglich. Die fünf Blätter zum „Runden Turm“ zum Beispiel zeigen jeweils den Grundriss einer Etage. Es sind eigenständige Werke, gleichsam minuziös ausgeführte Porträts von Skulpturen.

Parallel ist im benachbarten Kunstmuseum im Marstall die Ausstellung „Hommage à Reinhard“ zu sehen, Arbeiten von überwiegend bildhauerisch arbeitenden Künstlern, mit denen Buxel befreundet oder sonst verbunden war. Das beginnt bei einer schönen Werkgruppe mit Arbeiten seines Lehrers Emil Cimiotti, dessen Bronze „Strukturen verletzt“ (1988) beispielhaft das Interesse des Informel an unregelmäßigen, abstrakten Strukturen vorführt.

Von der befreundeten Bildhauerin Christiane Möbus ist die zweiteilige Bronze „Hut ab“ (1989) zu sehen, überdimensionale Röhren, eine glatt, eine gezackt wie eine Krone, aber auf die Spitzen gestellt. Den niederländischen Bildhauer Hans Reijnders lernte Buxel 1991 bei einem Symposium in Japan kennen. „Origami“, ein großer, verschlungener Knoten aus Granit, zeugt von virtuosem Umgang mit dem Material.

Bis 29.5. (Buxel), bis 8.5. (Hommage), di –so 10 – 18 Uhr, Tel. 05251/ 88 11 076, www.paderborn.de/
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