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„Die Schöne und das Biest“ in Dortmund

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Von: Achim Lettmann

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Szene aus dem Dortmunder Weihnachtsstück
Das Biest (Max Ranft) und die Schöne (Ann-Kathrin Hinz). © Birgit Hupfeld

Für Kinder ab sechs Jahren bietet das Theater Dortmund eine Version des Märchen-Musical-Klassikers „Die Schöne und das Biest“. Vielschichtig inszeniert.

Dortmund – Das Biest am Theater Dortmund ist grimmig, behaart und laut. Es grollt, knurrt und brüllt, als ein Fremder im Palast ungebeten ein Essen vertilgen will. Max Ranft spielt den verwunschen Prinzen mit Pranken und Klauen. Trotz gebeugter Haltung wie ein Affe stellt er sich auf und springt federnd leicht auf den Stuhl, um die ganze Tafel zu beherrschen. Seit dem Erfolg des Disney-Animationsfilm „Die Schöne und das Biest“ im Jahr 1991 zählt dieses Monster auch zu den Figuren, die schrittweise den Weg ins Kinderzimmer gefunden haben. In Dortmund soll es nicht anders sein.

Damit das schaurige Wesen nicht zu böse, nicht zu beherrschend wird, greift Regisseur Andreas Gruhn zu einer Fassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell. Seit 2010 haben die Autorin und die Regisseurin mit ihrer Version „Die Schöne und das Biest“ (dt. von Katharina Schmitt) dramaturgisch eingehegt. Es gibt weniger Kontrahenten aus der Kerngeschichte, die auf ein französisches Volksmärchen aus den 18. Jahrhundert zurückgeht. Es gibt mehrere Spielebenen, um die Spannungsbögen zu verkürzen, und ein Moderatorenteam, das ein eigenes Befinden unterhält und damit amüsiert.

Das traditionelle Weihnachtsmärchen, das das Kinder- und Jugendtheater Dortmund alljährlich aufwendig und engagiert realisiert, ist einmal mehr einen Besuch wert. Auch weil der gleißende Triumph der Liebe, auf den kommerzielle Produktionen wohl zusteuern müssen, hier von mehr Herzenswärme und lebensnahen Momenten getragen wird. Ann-Kathrin Hinz trägt als Belle keine glitzernden Kleider. Sie spielt ein Mädchen, das neugierig ist und außerhalb ihrer Welt etwas Interessantes vermutet. Von ihren Träumen sensibilisiert lässt sie sich auf die tierische Erscheinung ein, die merklich ruhiger wird und aufrechter steht, wenn Belle sie berührt hat und freundlich ist. Der Frage, wirst Du mich küssen, lieben und heiraten, weicht Belle allerdings noch aus. Die Rose muss warten.

Von der Fee, die Prinz Phillip mit ihrem Fluch verunstaltet hat, wird in einer Vorgeschichte erzählt. Hinter der Bühne ist ein Schattentheater (Video: Peter Kirschke) zu sehen, dass eine Königin zeigt, die zehn Jahre in den Krieg ziehen muss, und solange eine Fee einsetzt, die den Sohn des Hauses begleitet. Als sie allerdings den Prinzen heiraten will, lacht der ganze Hofstaat, weil sie allen zu hässlich ist. Erst wenn sich ein Mädchen in den verwunschen Prinzen verliebt, kann er seine schöne Gestalt wieder annehmen.

Die Kerngeschichte wird in Dortmund von einem Mann in Pink eingeleitet. Andreas Ksienzyk spielt den eitlen Erzähler mit Zauberstab. An ihm nagt seine Assistentin Cécile (Bettina Zobel), die ihren französischen Akzent pflegt und endlich ein Lied singen will. Beiden ist ein Kaninchen (Johanna Weißert) zugeteilt, dass sich – hopp, hopp – langsam über die Bühne schiebt. Mit dem Antennenstab horcht sie Gedanken im Publikum ab („Ich will Eis, ich will Eis“) oder macht die Figuren auf der Bühne verständlicher. Letztlich wird mit diesen Effekten das Theatererlebnis um die Hauptgeschichte ein wenig verfremdet, ohne dass die Unterhaltung leidet.

Über 80 Minuten ist spürbar, dass das junge Publikum aufmerksam bleibt. Andreas Gruhns Regie hält die Spielebenen beieinander. Oliver Kostecka (Ausstattung) verengt hinter der Varieté-Fläche mit dem Mann in Pink den Guckkasten soweit, dass der Bühnenraum an Tiefe gewinnt, die mal an den finsteren Wald, mal ans ferne Himmelzelt denken lässt. Die Musik von Michael Kessler federt die dramatischen Entwicklungen ab und wird ganz vielstimmig hörbar, wenn das „Insektenorchester“ dirigiert wird. Eine Inszenierung, die einfach mehr bietet.

Ab 28.11. fast täglich Aufführungen bis 26.12.; weitere Termine im Januar;

Tel. 0231/5027 222; www.theaterdo.de

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