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Von-der-Heydt-Museum Wuppertal zeigt die Ausstellung „Zero, Pop und Minimal“

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Von: Achim Lettmann

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Eine Lichtkunstarbeit von Nicolas Schöffer.
Eine Lichtkunstarbeit von Nicolas Schöffer. „Lux 9“ (1959) aus Edelstahl, verchromt. © von-der-heydt-museum/vg bild-kunst, bonn

Im 120. Jahr seines Bestehens schaut das Von-der-Heydt-Museum ins Depot. Was es aus den 1960/70er Jahren zu sehen gibt, zeigt die profunde Schau „Zero, Pop und Minimal“.

Wuppertal – Es gibt kaum eine Bildfolge im Kunstbetrieb, die einen so hohen Erkennungswert hat, wie die Siebdrucke von Andy Warhol. Porträts von Marilyn Monroe, Elisabeth Taylor, Elvis Presley und anderen hat der US-Künstler mit Farbkontrasten vervielfältigt. Auch das Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum kann mit Siebdrucken von Warhol glänzen. Erstmalig sind nun zehn „Mao Tse Tung“ ausgestellt. Die Serie zum Klassiker der Pop Art schlummerte seit 1975 im Depot des Hauses. Seinerzeit hatte Museumsdirektor Günter Aust die Werke von 1972 angekauft. Zur Ausstellung „Zero, Pop und Minimal – Die 1960er und 1970er Jahre“ wurden sie erstmals gerahmt und endlich präsentiert. Es ist nicht die einzige Überraschung, die die umfangreiche Schau bereithält.

Das Museum schaut im 120. Jahr seines Bestehens auf die eigene Sammlung. Ein Bestandskatalog solle im Herbst/Winter vorgestellt werden, kündigte Roland Mönig an. Der Museumsdirektor führt das Institut seit 2020. Es gehe um 30 000 bis 40 000 Objekte, so Mönig. Digital soll die Sammlung ganz erfasst werden. Bisher sind 830 Objekte eingelesen. Es gibt noch viel zu tun.

Mit „Zero, Pop und Minimal“ erinnern die Kuratorinnen Beate Eickhoff und Anika Bruns an eine Zeit, als Wuppertal zu den innovativen Kunstorten zählte. Die Dominanz von Köln und Düsseldorf folgte erst später. Im Westen entstand zeitgenössische Kunst. Nam June Paik und Joseph Beuys stellten Anfang der 60er Jahre in der Galerie Parnass aus. Das „24 Stunden Happening“ der Wuppertaler Galerie von 1965 wird in jeder besseren Kunstgeschichte aufgeführt. Der Kunstverein, das städtische Museum – umbenannt zum Von-der-Heydt –, die Sammler und Galeristen der Stadt halfen dabei, den Kunstbegriff zu erweitern. Medien- und Performance-Kunst, Kinetik, Fluxus, Licht- und Konzeptkunst zählten dazu. Und die Ausstellung ordnet nun die Exponate der Wuppertaler Sammlung, die hervorragende Beispiele neuer künstlerischer Arbeitsweisen aufgenommen hatte. All das wird in zehn Räumen präsentiert: „Neue Medien und die Expansion der Künste“, „Expressive Figuration“, „Pop Art kommt nach Westeuropa“ und mehr.

Ganz einfangen lässt sich diese innovative Zeit allerdings nicht. Viele Strategien künstlerischer Arbeit zielten nicht auf museale Wertschätzung. Mehr Öffentlichkeit, mehr Kooperationen, mehr Teilhabe mit Zuschauern und Kunstinteressierten waren erklärte Ziele. Ein Landart-Projekt von Dennis Oppenheim ist als Schwarzweißfoto zu sehen. Der Künstler hatte mit einem Traktor Linien in ein Feld in Holland gezogen, Weizen wurde gesäht und später geerntet. In einem Beutel wurden die Körner gesammelt. Er hängt nun neben dem Foto. „Crop Finsterwalde“ (1969) steht an den „Dokumenten“ in Wuppertal. Christo hatte 1965 ein US-Kunstmagazin verpackt: Aus dem „Wrapped Look Magazine“ schaut ein Frauengesicht durch die Plastikfolie. Solche Multiples ließen sich leicht verkaufen und brachten dem Künstler Einnahmen.

Wuppertal bietet bemerkenswerte Momente der Kunstgeschichte. Von La Levine ist die Fotografie „House“ (1971) ausgestellt, die ein zerstörtes Holzhaus zeigt. La Levine ist der US-Künstler, der die erste Videoinstallation in den Staaten realisiert hatte.

US-Künstler sollten den Ton angeben. Nachdem Robert Rauschenberg 1964 den Großen Preis der Biennale in Venedig erhielt, waren Pop Art und alsbald Minimal Art wichtige Kunststile geworden. Neben Warhols „Mao Tse Tung“ hängt beispielsweise „Bel été concente“ (schöner Sommer konzentriert) von Martial Raysee. Der Franzose, der als erster Neonschrift künstlerisch einsetzte, schuf 1967 einen jungen Mann im Hochformat mit neon-orangenen Schuhen. Das Multiple in Violett hat ein Heftchen in der Jacketttasche stecken und variiert so die Auflage von 80 Bildern. Ein raffiniertes Werk.

Und immer wieder gibt es etwas zu entdecken. Nicolas Schöffers Lichtkunst-Apparat „Lux 9“ von 1959 musste komplett restauriert werden, damit er wieder sein kühles Licht-Schattenspiel zeigen kann. Mit Horst Antes’ Gemälde „Figur mit kleiner weiblichen Figur“ (1964-65) zieht die Figuration wieder in den Kunstbetrieb ein. Bald schon malte Antes seine Kopffüssler im Profil, ein Markenzeichen. Die Abstraktion der Nachkriegszeit und das Informel hatten ihren Zauber verloren.

Das „Duftobjekt“ (1963) von Franz Erhard Walter – ein lila-rosa Kissen – verströmt heute aber nur noch Zeitgeist. Dagegen tönt die filigrane Installation „Standgitarre“ (1968–71) von Joe Jones immer noch, wenn der Motor über den Saiten angestellt wird. Es gibt insgesamt 75 Gemälde, sieben Grafiken und 32 Skulpturen von insgesamt 95 Künstlerinnen und Künstlern. Zu ihnen zählt auch Gerlinde Beck. Ihre „Doppelstele Nr. II“ (1967) ist eine minimalistische Form, die einen Moment der Hinwendung ausdrückt.

Bis 16.7.; di – so 11 – 18 Uhr, do 11 – 20 Uhr; Tel. 0202/563 6231; www.von-der-heydt-museum.de

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