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Museum Abtei Liesborn in Wadersloh zeigt expressionistische Kunst aus der Sammlung Johenning

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Von: Ralf Stiftel

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Gemälde „Kiefern“ von Alexej von Jawlensky
Expressive Farbkunst: In Liesborn ist Alexej von Jawlenskys Gemälde „Kiefern“ (ca. 1911) zu sehen. © Sammlung Johenning/Foto: Museum

Wadersloh – Am Anfang stand ein Blumenstillleben von Emil Nolde. In dem um 1925 entstandenen Aquarell ließ Nolde die nassen Farben ineinander laufen, so dass der Betrachter zwar die Blüten und Blätter erkennt, aber vor allem sieht er die Kontraste zwischen Rot, Blau, Grün, die sich zu einem Farbakkord steigern, in den zarte gelbe Tupfer hineinklingen.

Dieses Bild konnte Friedrich Johenning 1979 von einem Freund kaufen. Damit begann die Kunstsammlung von Johenning und seiner 2018 verstorbenen Frau Renate. Das Blumenstillleben hängt nun im Museum Abtei Liesborn. Mit der Ausstellung „Meisterwerke des Expressionismus aus der Sammlung Johenning“ lässt der Düsseldorfer Kaufmann die Öffentlichkeit an seinen Schätzen teilhaben.

Mit rund 40 Werken von acht Künstlern bietet die Schau keinen Überblick, sondern vermittelt die Vorlieben, den Geschmack des Sammlerpaars. Zumal sich die Auswahl recht ungleich verteilt. Fast die Hälfte der Exponate stammt von Nolde. 17 Werke von einem aquarellierten Druck von 1907 bis zum Aquarell „Rote Kakteen (Winterkaktus)“ von 1953/55 zeigen den virtuosen Umgang des Expressionisten mit der Farbe. Johenning kaufte vor allem zwei Motive: Porträts und Stillleben. Bemerkenswert das „Brustbild einer jungen Frau mit Pagen-Frisur“ von 1930, mit dem der Künstler ein sehr modernes Frauenbild transportiert. Ausgestellt sind auch zwei Ölgemälde. „Kinder Sommerfreude“ (1924) verunklart das Motiv des Jungen und des Mädchens, die schemenhaft mit pastoser Farbe dargestellt sind. Der Weg verselbstständigt sich als Bogen in leuchtendem Ocker, während die Windmühle und der Teich, in dem sie sich spiegelt, perspektivisch seltsam ungenau erscheinen. Der Betrachter merkt, dass Nolde auch hier vor allem die Farbwirkung interessiert zwischen Hell und Dunkel, dem satten Grün und dem leuchtenden Rot der Blumenbeete vorn rechts. Zeitlos wirkt das „Familienbild“, das der 80-Jährige 1947 malte. Nichts ist hier zu ahnen von Noldes zwielichtigem Taktieren in der NS-Diktatur, von seiner Parteimitgliedschaft, seinem Bestreben, als Staatskünstler anerkannt zu werden. Die Nazis wiesen die Avancen zurück, schmähten seine Malerei als „entartet“. Nolde fütterte nach dem Krieg den Mythos, er sei verfolgt worden, wobei ihm half, dass Siegfried Lenz ihn zur Figur im Roman „Die Deutschstunde“ machte. Ausstellungsmacherin Jutta Desel wies auf Noldes inzwischen bekannte politische Haltung hin, unterstrich allerdings, dass er gleichwohl ein großer Künstler gewesen sei.

Ebenfalls eine prominente Rolle in der Sammlung Johenning spielt Paula Modersohn Becker (1876–1907). Sechs der sieben ausgestellten Bilder zeigen Kinder, die nicht verniedlicht, sondern als ernsthafte Gegenüber dargestellt werden. Es frappiert, wie ernst, ja unheimlich das Mädchen im „Brustbild Elsbeth mit Blume in den Händen vor Landschaft“ (um 1901) wirkt, wie die Künstlerin beim Himmel das lichte Blau flüchtig setzt, den freien Malgrund als Bildelement einsetzt. Ein altmeisterliches Thema griff die Künstlerin in „Elsbeth mit Glaskugel im Garten“ (um 1902) auf. In dem Brunnenaufsatz spiegelt sich die Umgebung. Allerdings ist auch hier die Farbsetzung expressiv, die Künstlerin verzichtet auf Naturalismus. Weitere markante Werke stammen von Alexej von Jawlensky, August Macke, Karl Schmidt-Rottluff. Ein schönes Stillleben stammt von Lovis Corinth.

Friedrich Johenning hat Wurzeln in der Region. Sein Vater war von 1919 an Bürgermeister von Oelde, bis ihn 1939 die Nazis absetzten. Zum Gedenken an ihn hat Johenning dem Museum das Gemälde „Reitknecht am Strand“ (1902) von Max Liebermann geschenkt. Es ist mit zwei weiteren Werken des Impressionisten ausgestellt.

Bis 29.5., di – fr 9 – 12 und 14 – 17, sa, so 14 – 17 Uhr, Tel. 02523 / 98 240, www.museum-abtei-liesborn.de, Katalog, Verlag Schnell + Steiner, Regensburg, 25 Euro

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