Coldplay und Chris Martin spielen in Köln vor 18 000 Zuhörern

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Mitreißend und sinnlich: Chris Martin und Gitarrist Jonny Buckland von Coldplay in der Kölnarena. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ KÖLN–„Ich bin sehr glücklich heute in Köln zu sein“, sagt Coldplay-Frontmann Chris Martin vor knapp 18 000 Fans in der ausverkauften Kölner Lanxess-Arena am Donnerstagabend.

Sein Deutsch sei nicht so gut, ergänzt er und legt auf Englisch nach, alle Bands würden es lieben, in Köln zu spielen. Und zur gerade Weihnachtszeit sei es so schön hier. Zum Auftakt der Mini-Deutschland-Reise versetzten Coldplay die Arena in ihrer 90-minütigen Show in eine Zone der vorweihnachtlichen Glückseligkeit. Dabei produziert das über 50 Millionen Alben schwere Quartett mit Chris Martin, Jonny Buckland (Gitarre), Guy Berryman (Bass) und Will Champion (Schlagzeug) bombastischen Stadionsound im Hallenformat.

Erstaunlich: Der Klang gerät zumindest anfänglich eher breiig als kristallklar. Die Band liebt das Schwelgerische, das künstlerische Erlebnis und ist bemüht um eine Gesamtinszenierung von Musik und Optik. Noch zu Beginn des Sets lassen sich Coldplay von gigantischen Luftballons (zum Song „Yellow“) und Blumen-Konfetti („In My Place“) beregnen. Durch die farbigen, zu einzelnen Stücken aktivierten Neonarmbänder an den Handgelenken der Fans wirkt die Halle in dieser Zeit wie eine gigantische Weihnachtsbeleuchtung. Fünf riesige runde Projektionsflächen – die größte davon über der Bühne – schaffen nicht nur ein dichteres Raumgefühl in der größten Konzerthalle Deutschlands, sondern erlauben es gleichzeitig, den Musikern auf die Finger zu schauen. Als Thema von „Mylo Xyloto“, dem neuen Album, ist alles bunt bei der Coldplay-Tournee: die Graffiti-Wand im Bühnenhintergrund, die besprühten Verstärker und Gitarren und selbst die Tasten der Pianos. In die Hallenmitte streckt sich ein riesiger Bühnenausläufer in Gitarrenform. Der charismatische Sänger und seine Band-Kollegen – immer wieder gerne gescholten für ihren melancholischen massenkompatiblen Sound – füllen dieses Hallen- und Kunstformat mit sehr rockigen Klängen. Nach dem „Mylo Xyloto“-Intro geht es gleich weiter mit der schnellen, enthusiastischen Popnummer „Hurts Like Heaven“ – so wie auf dem Album. Chris Martin tanzt ausgelassen über die Bühne und will das im Wesentlichen Ü30-Publikum mitnehmen auf eine bunte, 90-minütige Reise durch 20 Stücke.

Er sucht Nähe in der riesigen Arena. Acht Songs stammen aus dem aktuellen Album, inklusive einer etwas holprigen Version des Hits „Paradise“ vor den Zugaben sowie der ersten Single-Auskopplung „Every Teardrop Is A Waterfall“ als letztem Song des Abends. Durchsetzt ist die opulente Show von weiteren Klassikern wie „Politik“, „The Scientist“, „Lost!“, „God Put A Smile Upon Your Face“ und „Viva La Vida“. Zigtausend Händepaare recken sich dazu klatschend in den von Lasern und Lichtern durchzogenen Hallenhimmel. Als Momente der Ruhe gönnen Coldplay sich und den Zuschauern – per versenkbarem Piano in der Hallenmitte – „Shiver“ und „Up in Flames“ mit einem singenden Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Will Champion. Zwischen „Clocks“ und „Fix You“ in den Zugaben macht es Chris Martin mit Bing Crosbys „White Christmas“ richtig besinnlich.

Nach eineinhalb Stunden verneigen sich vier erschöpfte Musiker vor ihrem Publikum. Sie haben viele, klangmäßig nicht alle Erwartungen bedient und erfüllt: freundlich, rockig, populär, mitreißend und massentauglich. Die Halle ist begeistert und hätte gerne mehr. Das gibt‘s in Köln dann wieder am 4. September 2012 im RheinEnergieStadion.

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