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Casper begeistert im Dortmunder FZW

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Von: Frank Zöllner

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Casper in Dortmund.
Casper in Dortmund. © Zöllner

Der Rapper Casper hat am Montag im Dortmunder FZW seine zunächst verlegte Klubtour fortgesetzt, bevor es im Sommer auf die großen Festivals wie Rock am Ring und Rock im Park geht und zum Ende des Jahres in größere Hallen.

Dortmund - Es war ein umjubelter Auftritt in Dortmund, der 100 Minuten dauert und mit einer spielfreudigen Band den Bogen gespannt hat vom neuen Album bis zu den früheren Hits wie „So perfekt“ und „Auf und davon“. Er hätte mühelos die Westfalenhalle voll machen können (so wie schon zweimal in den vergangenen Jahren), um sein neues Album „Alles war schön und nichts tat weh“ zu präsentieren. Das war acht Wochen lang die Nummer eins in Deutschland (und stand auch in Österreich an der Chartsspitze)..

Aber der 39-Jährige spielt am Montagabend im eher intimen Rahmen im FZW. Der Rapper mit der Düsterrock-Attitüde ist bei einer der besten Livekünstler im Deutschrap – in den kleineren Klubs wirkt das noch mehr als auf den großen Bühnen. Entsprechend begehrt waren die Tickets, das Konzert war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Und die Fans dürsteten nach Livemusik, sangen lautstark mit. Casper merkt an, dass es zu Zeiten der Pandemie nicht selbstverständlich sei, dass das Konzert ausverkauft ist, und bedankt sich demütig. Aber die Fans lassen keinen Zweifel - sie wollen intensive Live-Musik erleben - und bekommen genau das.

Als kurz nach Beginn der Show der Ton ausfällt („Leute, wir haben die Anlage zerstört“), lädt er spontan zu einem alternativen Tanzwettbewerb ein. Dass sich ein Teil der Fans stattdessen zum gemeinsamen „Rudern“ wie bei Achim Reichels „Aloha Heja He“ auf den Boden setzen, erstaunt ihn aber doch. Kaputt war die Anlage zum Glück nicht – nach einer kleinen Unterbrechung ging es weiter - für Casper „denkwürdig“ mit „Alles endet, aber nie die Musik“. 

Caspers reißt seine Fans von Beginn an mit, springt wie ein Irrwisch über die Bühne. Den Part der Duett-Partner von den Casper-Songs wie Lea, Drangsal oder Felix Kummer von Kraftklub übernehmen die textsicheren Fans oder Mitglieder seiner herausragenden Band - es ist ein energiegeladener und druckvoller Abend.

Dabei gibt sich Casper auf seinem neuen Album noch nachdenklicher und auch verspielter. Er verhandelt die großen Gefühle aus der Sicht eines Außenseiters („Hinterland“, „Im Ascheregen“), Unverstandenen und Rebellen („Letzte Gang der Stadt“). Aber auch das Leben und die Schwierigkeiten im Umgang damit („Fabian“), die Liebe („Mieses Leben/Wolken“) den Krieg und Tod („Billie Jo“) oder einer dystopischen Zukunftsvision („Das bisschen Regen“) sind seine Themen.

Casper zeigt sich genauso begeistert vom Publikum wie umgekehrt die Fans von ihm. Immer wieder klatscht er Hände in der ersten Reihe, ab, plaudert, fordert immer wieder zum Hüpfen und Singen („Das geht lauter“) auf und ist gerührt, als das Publikum minutenlang das Outro zu „Hinterland“ singt – es ist einer von zahlreichen Gänsehautmomenten.

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