Barbara Rüschoff-Parzinger erläutert Kulturpläne des Landschaftsverbands

Erfolgsgeschichte mit Klosterkultur schrieb der Landschaftsverband in Dalheim, hier das Refektorium. Foto: lwl

Münster – Viel Geld gibt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für Kultur aus. 100 Millionen Euro stehen für 2019 zur Verfügung. Und doch können große Kulturereignisse ohne Unterstützung, ohne Drittmittel, nicht stattfinden. Die große Ausstellung mit moderner britischer Kunst im Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster, „Das nackte Leben“, kostete rund 2 Millionen Euro und wurde zu 76 Prozent von Zuschussgebern finanziert. Die 1,5 Millionen Euro für die Schau über die sieben Todsünden im Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim kam gar zu 96 Prozent von öffentlichen und privaten Sponsoren.

Diese erstaunlichen Zahlen nannte Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des Landschaftsverbands, in Münster. Dabei blickte sie durchaus auf Erfolge zurück: Von 2008 bis 2017 hat der LWL rund 66,1 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben, rund ein Drittel, 21,6 Millionen, stammen von privaten Geldgebern. Längst schon gehört das Vorsprechen bei möglichen Spendern zu den Kernaufgaben eines Museumsdirektors. Denn eine eigene Abteilung für Sponsorenpflege hat der LWL nicht. Und trotz des großen Etats sind die Mittel für Projekte sehr begrenzt, weil drei Viertel der Summe für Fixkosten wie Gebäudeunterhalt und Personalkosten gebraucht werden. 2019 hat die Kultur in Westfalen 3,6 Millionen Euro weniger, vor allem wegen der Tariferhöhung im öffentlichen Dienst.

Umso nötiger ist eine gute Netzwerkpflege. Bei Kunstausstellungen sei es einfach, sagt Rüschoff-Parzinger, da gebe es auf Bundes- und Landesebene Zuschussgeber. Für die Bundeskulturstiftung sei es allerdings wichtig, dass ein Projekt bundesweite Ausstrahlung besitze. Aber das Naturkundemuseum habe auf dem Feld keinen Ansprechpartner. Die NRW-Stiftung fördere durchaus Projekte, aber keine Museen. Also müsse man einen Förderverein haben, der für das Museum Zuschüsse beantrage. Und hier sei es wiederum wichtig, dass ein Projekt regional verankert sei. Die Kulturdezernentin erzählt gern die Erfolgsgeschichte des einstigen Klosters Dalheim, heute LWL-Landesmuseum für Klosterkultur. „In Dalheim leben 116 Leute, vielleicht auch 114“, sagt sie. Ein wahrhaft abgelegener Ort, ohne richtigen Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. „Und doch kommen im Jahr 100 000 Besucher. Die kommen nicht zufällig vorbei, die reisen gezielt an.“

Zum Erfolg tragen Sonderausstellungen bei. Im Mai wird eine Schau über Verschwörungstheorien eröffnet. Dass zur Eröffnung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt, hilft auch bei der Sponsorenwerbung. Der Auftritt des Staatsoberhaupts garantiert schließlich Aufmerksamkeit, einen Werbeeffekt. Denn natürlich erwartet ein Geber einen Gegenwert für seine Unterstützung.

Um zum Beispiel bei der Tate Gallery in London oder anderen internationalen Häusern ernst genommen zu werden, muss man sich anstrengen. Gerade in zentralistisch ausgerichteten Ländern glaubt man nicht, dass bedeutende Kooperationspartner außerhalb der Hauptstadt existieren. „Da sagt man, man steht für 18 Landesmuseen, und die denken an 18 Heimatvereine“, erläutert Rüschoff-Parzinger. Um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, braucht man schon eine besondere Visitenkarte. Der Landschaftsverband versucht es mit einem goldenen Buch, einem aufwendigen Bildband im Coffeetable-Format mit hochwertigen Fotos, in dem die Institutionen des LWL sich präsentieren. Das Werk wiegt schwer – und verdeutlicht auch dem Museumsdirektor in Sibirien oder Japan, dass sein Gegenüber für etwas steht. Schon bevor es herauskam, hat es bereits den German Design Award gewonnen. Der LWL hatte den Dummy eingereicht. 158 000 Euro kostet das Werk, das in einer Auflage von 1000 gedruckt wurde, plus 200 Stück in englischer Sprache. Das klinge nach viel Geld, räumt Rüschoff-Parzinger ein, aber wenn man bedenke, dass es damit beträchtlich höhere Beträge als Zuschuss ingeworben oder auch Zusagen für bedeutende Leihgaben erreicht würden, relativiere sich die Ausgabe.

Für das laufende Jahr hat der Landschaftsverband kulturell viel vor. Denn für einen Erfolg braucht es attraktive Wechselausstellungen, unterstreicht Rüschoff-Parzinger. Die Schau zu Verschwörungstheorien von Hexenverfolgungen im Mittelalter bis zu Chemtrail-Gläubigen und Reichsbürgern (18.5.–22.3.2020) hat schon jetzt viel Resonanz: Touristikunternehmen planen Bustouren zum Klostermuseum in Dalheim, aber auch Anhänger von einschlägigen Irrungen melden sich schon in den sozialen Netzwerken.

Das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster plant zwei weitere große Ausstellungen mit britischer Kunst. Zunächst eine Werkschau zu dem abstrakten Maler Sean Scully (5.5.–8.9.) mit rund 120 Werken. Und im Herbst eine Präsentation des großen englischen Landschaftsmalers William Turner (8.11.-26.1.2020).

Das Museum für Archäologie in Herne plant ein mitreißende und intensive Schau über die große Seuche früherer Jahrhunderte: „Pest!“ (20.9.–10.5.2020).

www.lwl-kultur.de

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