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Andreas Gursky stellt im Museum Küppersmühle aus

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Von: Achim Lettmann

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Landschaftsbild von Andreas Gursky
In Bewegung scheint das Landschaftsbild, das Andreas Gursky 2017 geschaffen hat und „Utah“ (Injekt-Print, Diasec) titelte. © Andreas Gursky, VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Galerie Sprüth Magers

Seine Fotografien sind die höchst dotierten weltweit. In Duisburg ist Andreas Gursky retrospektiv zu erleben mit Bildern aus dem Ruhrgebiet.

Duisburg – Große Formate in der Fotografie sind seine Sache: Andreas Gursky, Starfotograf und Vertreter der Düsseldorfer Schule, ist weltweit mit seinen illusionistischen Abstraktionen aus der Realität unterwegs und anerkannt. Wohnhochhäuser, Landschaften, Politiker, Firmenzentralen, Stadtansichten, Klima, Sport, Konsum, Freizeit und Amazon – kaum ein Thema, das er nicht aufgreift. Seine Exponate erzielen schnell sechsstellige Verkaufserlöse. Sein für 4,3 Millionen Dollar 1999 versteigertes Bild „Rhein II“ gilt als teuerste Fotografie der Welt. Kein Fotograf wird höher gehandelt. In Duisburg ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die retrospektiv angelegt ist und 60 Werke aus den letzten vier Jahrzehnten präsentiert. Schlicht „Andreas Gursky“ heißt die vom Künstler selbst eingerichtete Schau, die im MKM Museum Küppersmühle zu sehen ist. Die zum Teil rund fünf Meter breiten Exponate sind im Wechselausstellungsbereich des MKM gehängt, das unlängst um einen Anbau der Architekten Herzog & de Meuron erweitert wurde.

Gursky, 1955 in Leipzig geboren, lebte seit 1956 in Düsseldorf. Seine Familie floh 1955 aus dem Osten. Sein Vater Willy Gursky (1921–2016) war Werbefotograf, sein Großvater Hans (1890–1969) Fotograf. Gursky selbst studierte erst an der Folkwang Hochschule in Essen, bevor er 1980 zur Kunstakademie Düsseldorf ging und bei den Hochschullehrern und Fotografen Bernd und Hilla Becher die Grundlagen seiner abstrakten Fotografie entwickelte. In diesem Jahr hat der Künstler erstmals in seiner Geburtsstadt ausgestellt – im Museum der bildenden Künste Leipzig.

In Duisburg sind Fotografien von Andreas Gursky Teil der Sammlung Ströher. Konzept des Hauses ist es, künstlerische Positionen aus dem Bestand mit weiteren Werken jeweils in einer Einzelausstellung zu präsentieren. Die Schau „Andreas Gursky“ legt die Schwerpunkte auf frühe Fotografien aus dem Ruhrgebiet und aktuellen Arbeiten.

In Lohausen aufgewachsen, dem Düsseldorfer Norden, startete Gursky seine fotografischen Streifzüge meist in Duisburg. „Die Gegend ist mir sehr vertraut und ich arbeite gerade an einer Aufnahme, welche die Industrie-Architektur des Ruhrgebiets in Augenschein nimmt“, sagte Gursky zur Duisburger Ausstellung. Vor allem sind die fotografischen Anfänge mit kleinformatigen Aufnahmen zu sehen. Die urbane Fotografie „Essen“ (1984) zeigt die Neuanlage einer Straße. Die Baustelle kurvt um einen alten Hausbestand. Nüchtern wirkt das Bild, weil das gleichmäßige Licht die Komposition im Raum nicht dramatisiert und wertet. Ein Bagger und ein Kind stehen am Straßenrand im Stadtraum. Ihr Bewegungspotenzial verschafft dem Bild ein verhaltenes Energiemoment. Die Fotografie „Mülheim a. d. Ruhr, Sonntagsspaziergänger“ (1985) dokumentiert Passanten, die abgewandt vom Fluss einem Trittpfad folgen, aber merkwürdig selbstbezogen wirken. Die Motive im Bild erscheinen verkapselt, ohne Bezug zueinander. Es ist ein Dokumentarstil, der von seiner subjektiven Auswahl lebt. Das Foto „Ruhrtal“ (1989) wiederum setzt Fußgänger ins Verhältnis zu einer gigantischen Hochstraße, die die Landschaft dominiert. In dem Bild wirkt die Verkehrsarchitektur wie ein künstlicher Bildrahmen, der eine endlose Weite schafft. Gursky thematisiert mit seinen Kompositionen das Verhältnis Mensch und Raum in Stadt und Landschaft.

Zu seinen Klassikern zählen Fotografien wie „Paris, Montparnasse“ (1993) und „Hamm, Bergwerk Ost“ (2008). Gursky hat das Mietshochhaus wie die Waschkaue mehrfach fotografiert und die Datenmengen visuell neu arrangiert. Es wird eine Realität in Übergröße simuliert, die das Charakteristische abstrahiert. Während „Paris, Montparnasse“ das Thema Mietskaserne farbmalerisch auflöst, kann „Hamm, Bergwerk Ost“ als eine Hommage an den Bergbau und seine Kumpels gelesen werden.

Zu den aktuellen Arbeiten zählt die monumentale Fotografie „Kreuzfahrt“ (2020). Der Mittelteil eines Schiffs ist als vielgeschossige Touristenhochburg dargestellt. Nur ein Passagier sitzt mit dem Rücken zum Betrachter. Gursky kritisiert den öden Gigantismus dieser Freizeitindustrie. Seine ebenso große Arbeit „Utah“ (2017) verschränkt die grün-beigen Farben einer Landschaft mit Häusern und Wohnwagen, wie sie in US-Roadmovies oder Western-Filmen verwandt werden. Wie aus einem Auto fotografiert, versteckt die Bewegungsunschärfe eine Komposition aus zahlreichen Bilddateien. „Utah“ ist kein Schnappschuss, sondern eine Montage aus zahlreichen Smartphone-Bilddateien.

Bis 30.1.2022; mi 14–18 Uhr, do – so 11–18 Uhr, Feiertage 11–18 Uhr; Tel. 0203/3019 48; www.museum-

kueppersmuehle.de

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