Horror, Spaß und Spannung

Serien für den Corona-Lockdown: Zehn Tipps für Netflix, Amazon Prime, Disney Plus und Co.

Zu viel Zeit im verlängerten Corona-Lockdown? Hier sind zehn Tipps für spannende Serien im Stream auf Netflix, Joyn, Disney Plus, Amazon Prime, Sky und Co.

Hamm - Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Sky Ticket, Joyn, oder MagentaTV: Serienfans sind seit Erfindung der Streaming-Portale im siebten Himmel angekommen. Wer sich gern eine Folge nach der anderen reinzieht, hat angesichts des riesigen Angebots nur noch die Qual der Wahl. Hier sind zehn Tipps für coole Serien - alle garantiert selbst geguckt und für gut befunden. 

NetflixStreaming-Unternehmen
gegründet29. August 1997
Umsatz20 Mrd USD (2019)

Serien-Tipp: The Handmaid’s Tale - Der Report der Magd 

Was für ein düsteres Szenario: Die westliche Zivilisation ist am Ende, weil der Mensch seine Umwelt und damit seinen eigenen Fortbestand zerstört hat. Es werden kaum noch Kinder geboren. Den Ausweg versprechen „Die Söhne Jakobs” - sie putschen gegen die Regierung und installieren einen totalitären Staat, „Gilead” - fundamentalistisch und patriarchalisch. Ihre Lösung gegen den Geburtenschwund: Gebärfähige Frauen werden zur „Magd” - nach der biblischen Geschichte von Jakob, der mit der Magd seiner Frau Rahel Kinder zeugte, weil sie selbst keine bekommen konnte. 

Frauen werden in Gilead sytematisch unterdrückt. Sie dürfen nicht mehr arbeiten, keinen Besitz haben, nicht einmal lesen. Die Mägde werden versklavt. Sie verlieren sogar ihren Namen. Ihr einziger Lebenszweck ist, an den fruchtbaren Tagen zu Diensten und möglichst bald schwanger zu sein. Sie werden nun nach ihrem „Herrn“ genannt - im Falle der Hauptfigur der Serie ist das der Kommandant, Fred Waterford - seine Magd heißt jetzt Desfred.

“Der Report der Magd” ist schon in dem Roman von Margaret Atwood aus den 80er Jahren bedrückend. Was Bruce Miller in bisher drei Serien-Staffeln daraus gemacht hat, ist in jeder Hinsicht großartig. Das fängt bei der detaillierten Ausarbeitung des totalitären Systems an, das im Staat „Gilead” herrscht. Totale Überwachung, Indoktrination - aber auch Doppelmoral der herrschenden Klasse. 

Bis zum Ende der dritten Staffel ist „The Handmaid’s Tale“ in jeder der 36 Folgen spannend und bietet viele überraschende Wendungen. Die vierte Staffel sollte eigentlich schon im August rauskommen - wegen der Corona-Pandemie hat sich der Release aber verschoben. 2021 soll es endlich so weit sein. 

The Handmaid’s Tale - Staffel 1-3 der Serie im Stream auf Amazon Prime Video, Joyn, iTunes, Google Play, Microsoft, MagentaTV

Serien-Tipp: Jerks

Einmal ganz genüsslich fremdschämen? Das geht super mit Jerks. Christian Ulmen und Fahri Yardim ist offenbar nichts zu peinlich. Und wer alle drei Staffeln von „Jerks“ gesehen hat, weiß: Sie setzen immer noch eins drauf.

Das Besondere: Fahri und Christian spielen sich selbst. Oder anders: Sie spielen eine Version von sich, nur peinlicher. Dazu kommt, dass „Jerks” improvisiert ist. Das heißt: Der Plot ist grob geplant. Was die Schauspieler daraus machen, ist Tagesform. Und die ist in der Regel brillant. „Jerks“ st unglaublich witzig, unglaublich schamlos und unglaublich böse.

Dabei nehmen Fahri und Christian nicht nur die Promi-Welt aufs Korn. Die Besetzungsliste liest sich wie das Who-is-Who des deutschen Fernsehens. Und jeder spielt sich selbst. Man kennt das Prinzip schon von Bastian Pastewka, der auch kein Fettnäpfchen ausließ und keine Bedenken hatte, sich dank seiner Serie das Image eines vertrottelten, aber auch unverschämten Fernsehstars zu geben. „Jerks“ hebt das Prinzip auf eine neue Ebene. 

Jerks: Drei Staffeln der Serie kostenlos auf Joyn. 

Serien-Tipp: 4 Blocks

Hinter den Kulissen eines arabischen Familienclans: „4 Blocks“ bringt uns ganz nah ran. Im Mittelpunkt steht Clanchef Toni Hamady, der - gedrängt von seiner Frau - endlich seriös werden will. Das ist allerdings gar nicht so leicht, wenn man das Oberhaupt eines der größten Berliner Familienclans ist. Kida Khodr Ramadan spielt großartig. Man kann diesen Toni verstehen, man mag ihn - und findet ihn im nächsten Moment zum Kotzen. 

Wenn Clans die neue Mafia sind, dann ist Toni der neue Pate. Und „4 Blocks“ ist der würdige Nachfolger für die Filmreihe - und für den Serienklassiker „Die Sopranos”. Dabei ist aber vor allem das realistische Set überzeugend, und die Rollen sind überragend und vor allem glaubwürdig besetzt. 

4 Blocks: Drei Staffeln der Serie auf Amazon Prime Video.

Serien-Tipp: This is Us

Diese Serie ist aber mal so richtig was fürs Herz. „This is Us” erzählt die Geschichte von Rebecca und Jack und von ihren drei Kindern Kevin, Kate und Randall. Schnell wird klar, dass Jack gestorben ist und jeder der anderen vier daran zu knacken hat. Die schöne Rebecca ist inzwischen eine eher unscheinbare Frau mittleren Alters, mit einem Partner an ihrer Seite, der irgendwie immer fehl am Platze wirkt. Kevin ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Darsteller in einer Sitcom, Kate ist extrem übergewichtig. Und Randall hat im Job offenbar riesigen Erfolg, zwei wunderbare Kinder und eine tolle Frau - und schiebt Panikattacken. 

Nach und nach, in Rückblenden, wird uns die Geschichte von Jack und Rebecca erzählt. Und wir erfahren, wie Kate, Kevin und Randall zu denen wurden, die sie sind. Die Sprünge sind von Folge zu Folge eher willkürlich, aber nie so angelegt, dass man nicht mehr mitkommt. Im Gegenteil wird die Story so nie langweilig. 

Drei Staffeln der Serie „This is Us” bei Amazon, über Google Play und iTunes. Hardcore-Fans können inzwischen schon die Staffeln 4 und 5 streamen - allerdings nur in der Originalversion. 

Serien-Tipp: Sløborn

Der Grusel steckt ja gern in der Nähe zur Wirklichkeit. Dann probiert das mal: Eine Insel in der Nordsee. Ein Virus bricht aus. Es ist Herbst 2019. 

Die geringe zeitliche Distanz zu tatsächlichen Ereignissen ist erschütternd. Norderney entwickelte sich für die Dreharbeiten vor einem Jahr zum ersten Hotspot. Den Begriff kannten wir da noch nicht. Klar ist: Die Abfolge der Dinge wird euch bekannt vorkommen. Natürlich ist der Plot an der ein oder anderen Stelle ein bisschen überzeichnet. Aber die Macher haben sich ja auch eher an einem Endzeit-Szenario à la „Outbreak” orientiert und nicht in die Glaskugel schauen wollen. Oder? 

Sløborn - eine Staffel, zehn Folgen in der ZDF-Mediathek.

Serien-Tipp: Big Little Lies 

Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Laura Dern, Zoë Kravitz - das ist mal eine Besetzung. Natürlich sind sie alle nicht nur wunderschön, sondern auch noch stinkreich (okay, alle bis auf eine), und jede (okay, alle bis auf eine) gibt uns - abgesehen von der Tatsache, dass sie wunderschön und stinkreich ist - reichlich Anlass, sie zu hassen. Madeleine (Witherspoon) zum Beispiel ist unglaublich nervtötend, steckt ihre Nase ständig in anderer Leut‘s Angelegenheiten. 

Aber sie kann Renata (Dern) nicht ausstehen, und das macht sie fast schon wieder sympathisch. Außerdem verkraftet sie den Anblick von Bonnie (Kravitz) kaum, und das kann man jawohl verstehen, schließlich ist das Miststück jetzt mit Madeleines erstem Mann zusammen… Und Celeste (Kidman)? Wer so aussieht und dann auch noch so einen Mann und so ein tolles Haus hat, der muss jawohl nicht ständig ein Gesicht ziehen, als trage man ganz allein der Welten Last auf den Schultern. 

Keine Sorge - der erste Eindruck verfliegt ganz schnell. Und dann lernen wir die fünf Damen allesamt lieben - und leiden mit ihnen. Denn, wer hätte das gedacht: Der schöne Schein verdeckt oft tiefe Risse… 

Big Little Lies: Zwei Staffeln der Serie: Sky Ticket, TV Now Premium, Amazon (nur Kauf).

Serien-Tipp: Die Brücke - Transit in den Tod

Saga Norén und Martin Rohde sind Polizisten. Sie in Malmö, Schweden, er in Kopenhagen, Dänemark. Sie ermitteln zum ersten Mal gemeinsam, als genau auf der Mitte der Öresundbrücke, die beide Länder miteinander verbindet, eine Leiche gefunden wird. Dass sie zunächst miteinander fremdeln, hat nicht nur mit Kompetenzgerangel zu tun. Vor allem Saga tut sich schwer - sie hat autistische Züge, ist mit Zwischenmenschlichen in der Regel überfordert. Aber sie ist eine hervorragende Ermittlerin. 

In vier Staffeln steht zunehmend Saga im Mittelpunkt. Mit Martin ermittelt sie nur in den beiden ersten Staffeln. Er wird ab Durchgang drei von Henrik Sabroe ersetzt. Wer skandinavische Krimis mag, wird „Die Brücke“ lieben - aber auch alle anderen sollten der Produktion eine Chance geben. 

Die Brücke: Vier Staffeln der Serie auf Joyn.

Serien-Tipp: Occupied - Die Besatzung 

Noch was Skandinavisches: Diesmal Norwegen. Dort hat Jesper Berg gerade die Wahlen gewonnen - mit einem Öko-Programm, das sein Land künftig unabhängig machen soll. Vor allem die Russen finden das gar nicht komisch - doch auch Europa stellt sich quer und lässt zu, dass Moskau die Regierung in Oslo massiv unter Druck setzt. 

Und plötzlich sind überall russische Truppen, Norwegen droht die Annektion. „Occupied” ist ein Lehrstück über Abhängigkeiten und politischen Druck. Die Serie erschien 2015 - ob wir sie heute, nach Greta Thunberg, noch für weit hergeholt halten würden? 

„Occupied - Die Besatzung”, zwei Staffeln der Serie, bei Amazon (nur Kauf), iTunes (nur Kauf).

Serien-Tipp: Dark

Wo ist Mikkel? Was geschah in der geheimnisvollen Höhle? Welches Geheimnis hat das Atomkraftwerk? Und was bedeutet „Sic mundus creatus est“? Fragen über Fragen in der ersten deutschen Netflix-Eigenproduktion. Das Verschwinden zweier Kinder aus einer Kleinstadt scheint der Beginn einer ganzen Reihe von Ereignissen. Oder fing doch alles schon viel früher an? 

Der Zuschauer wird die handelnden Personen nach und nach immer besser kennenlernen und dabei Stück für Stück hinter ihr jeweiliges Geheimnis kommen. In den ersten beiden Staffeln gelingt den Machern dabei ein Meisterstück. „Dark” 1 und 2 macht süchtig. Allerdings wird es im dritten Durchgang echt schräg - trotzdem: Absolute Guck-Empfehlung, denn die Idee, die hinter der Story steckt, ist genial - schon wegen der Antwort auf die Frage, wohin Mikkel verschwunden ist… 

„Dark”, drei Staffeln der Serie auf Netflix.

Serien-Tipp: How to sell Drugs online (fast)

Was macht der Ober-Nerd, wenn die Freundin Drogen ausprobiert? Na klar: Er verkauft selbst welche. Natürlich stellt er sich dafür nicht an die Straßenecke, das wäre ja auch überhaupt nicht zeitgemäß. Er vertickt die Pillen im Internet. „How to sell Drugs online (fast)” kommt vielleicht nicht an den Humor von „Weeds” ran, ist aber zumindest über die Länge von zwei Staffeln eine gelungene Nachhilfestunde für alle, die gern wissen wollen, wie solche Dinge heute so laufen. 

How to sell Drugs online (Fast) - zwei Staffeln der Serie auf Netflix.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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