Britische Regierung schaltet sich ein

Nach Tod eines Gastes - Erfolgs-TV-Talkshow abgesetzt

+
Der britische TV-Sender ITV stellte die Sendung „The Jeremy Kyle Show“ nach dem Tod eines Teilnehmers ein. 

Die „Jeremy Kyle Show“ läuft seit 14 Jahren auf dem englischen TV-Sender ITV. Jetzt ist ein Teilnehmer nach einer Aufzeichnung gestorben und die Sendung wurde abgesetzt.

London - Im deutschen Fernsehen sind sie so gut wie ausgestorben. Nur noch politische Talkshows finden hierzulande den Weg auf den TV-Bildschirm. Die klassischen Formate wie Bärbel Schäfer, Jörg Pilawa oder Arabella laufen nur noch als Wiederholung auf Drittsendern. Nicht so beim englischen TV-Sender ITV. Dort zeigen sie seit 14 Jahren die beliebte Talkshow „The Jeremy Kyle Show“, bei der es um das ganze Spektrum des menschlichen Lebens geht - Liebe, Leid und Intrigen. Doch damit ist jetzt Schluss. Nach dem Tod eines Teilnehmers wurde die Sendung eingestellt.

Der 63-jährige Talkshow-Teilnehmer Steve Dymond stirbt kurz nach der Aufzeichnung der „Jeremy Kyle Show“

Der 63-jährige Steve Dymond war mit seiner Verlobten in der Show von Jeremy Kyle eingeladen worden. Dort musste er sich einem Lügendetektor-Test unterziehen. Es sollte herausgefunden werden, ob er seiner Freundin fremd gegangen war. Der Test fiel negativ für Dymond aus, anscheinend war er seiner Verlobten untreu. Kurze Zeit später trennte sich das Paar dann. Dymond war nach Aussagen von Zuschauern und Beteiligten am Boden zerstört. Einige Tage nach der Aufzeichnung wurde der 63-Jährige tot aufgefunden. Wie die englische Tageszeitung The Guardian unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtete, gilt der Tod von Dymond als unverdächtig. Weiteres soll aber bei einer Obduktion geklärt werden.

Dennoch zog der britische Fernsehsender ITV Konsequenzen aus dem Vorfall. Zunächst wurde beschlossen, die Folge, in der Dymond auftrat, nicht auszustrahlen. Dann entschied man sich aber dazu, die Sendung komplett aus dem Programm zu streichen. Die Geschäftsführerin des Senders, Carolyn McCall, sagte dazu, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, mit der Show aufzuhören. Außerdem seien die Gedanken jedes Angestellten von ITV bei der Familie und den Freunden von Steve Dymond.

Es gab schon länger Kritik an Reality-Formaten wie die „Jeremy Kyle Show“

Kritik soll auch vonseiten der Regierung und Gesundheitsorganisationen gekommen sein. Angeblich werden psychisch labile Kandidaten vor und nach der Sendung mit ihren Problemen allein gelassen. Auch dass Ausschnitte aus den Sendungen über Jahre hinweg auf YouTube oder in anderen sozialen Medien zu finden sind, macht vielen Teilnehmern schwer zu schaffen. Wie Spiegel Online berichtet, hat auch schon das Komitee für Kultur, Medien und Sport Untersuchungen zum Thema Reality-Formate eingeleitet. 

Der Sprecher des Komitees, Damian Collins sagt: „Sendungen wie die 'Jeremy Kyle Show' stellen Menschen, die verletzlich sein können, zu einem Zeitpunkt ihres Lebens in die Öffentlichkeit, an dem sie nicht in der Lage sind, die Konsequenzen für sich selbst oder für ihre Familie abzusehen.“ Nichtsdestoweniger will der TV-Sender ITV auch weiterhin Formate mit Jeremy Kyle produzieren.

Der bekannte Satiriker und Sänger Wiglaf Droste ist mit 57 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Auch der „Thor“-Schauspieler Isaac Kappy ist mit nur 42 Jahren verstorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare