Taub - na und? Tom (12) aus Hamm will Profifußballer werden!

+
Der zwölfjährige Tom will Profifußballer werden, und zwar am liebsten bei Borussia Dortmund. Dass der begabte Kicker gehörlos ist, merkt man nur, wenn man auf seine Ohren und den Hinterkopf schaut.

Hamm - Tom Aßhoff lebt mit seinen zwölf Jahren einen typischen Jungs-Traum: Er möchte Profifußballer werden. Dabei lässt er fast komplett vergessen, dass er taub ist.

Nein, lange überlegen muss Tom Aßhoff nicht, als er nach seinem Traumberuf gefragt wird. „Ich möchte Fußballer werden“, sagt der Zwölfjährige mit einem Lächeln und weiß auch schon genau, bei welchem Verein er gerne spielen würde: Borussia Dortmund, schließlich ist es sein Lieblingsverein. Dass der äußerst sportbegeisterte und lebenslustige Junge seit seinem dritten Lebensjahr gehörlos ist und nur dank eines Cochlea-Implantats etwas hören kann, merkt man ihm überhaupt nicht an und sieht es auch nur, wenn man auf seine Ohren und den Hinterkopf schaut.

Schwierige Situationen im Leben gemeistert

Seine Mutter Tanja Aßhoff ist begeistert von den tollen Entwicklung, die der Zwölfjährige genommen hat. Denn nicht nur beim Fußball meistert Tom auch schwierige Situationen, sondern auch im Leben. Dass hörgeschädigte Kinder es genauso weit bringen können, wie jedes andere Kind auch, will deshalb Simon Ollert Tom und vielen weiteren Teilnehmern eines internationalen Fußballcamps mit auf den Weg geben, das in diesen Tagen in Bayern stattfindet. Das Besondere: Ollert ist Fußballprofi und macht damit beruflich genau das, wovon auch Tom Aßhoff träumt.

Tom war drei, als die Diagnose kam

Tom war gerade einmal drei Jahre, als die erschütternde Diagnose feststand: Er hat eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit. „Mit vier Jahren bekam er seine ersten Hörgeräte, mit sieben dann beidseitig Cochlea-Implantate“, erklärt Tanja Aßhoff. Seit seinem siebten Lebensjahr gilt Tom dabei als gehörlos. Obwohl der Junge einen normalen Spracherwerb hatte, musste er das Hören neu erlernen.

„Wir können uns das gar nicht vorstellen, wie er hört“, sagt sie mit Blick darauf, dass Tom das Hören letztlich durch einen implantierten, quasi Mini-Computer ermöglicht wird. Man sage aber, dass es in etwa so klingt wie eine Computerstimme mit Helium gemixt.

Weil der Zwölfjährige anders hört als normal, achtet er sehr gut auf das Mundbild und die Mimik seines Gesprächspartners und etwa im Straßenverkehr viel stärker auf andere Dinge, erklärt die Mutter, die nun zusammen mit ihrem Sohn auch die Gebärdensprache erlernen will. „Als Ausweichkommunikation.“

Ärzte halten Tom für sprachbegabt

Beim Sprechen selbst merkt man Tom überhaupt nicht an, dass er eigentlich gehörlos ist. „Die Ärzte sagen deswegen, dass er sprachbegabt ist“, erklärt Tanja Aßhoff. Sogar Fremdsprachen wie Englisch und Französisch lernt der Zwölfjährige, der das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium besucht und damit eine Regelschule, die den Förderbedarf Hören/Kommunikation abdeckt und im Unterricht auch auf Technik setzt. Der einzige Unterschied zu anderen Schülern: Tom bekommt Diktate und Vokaltests nur in schriftlicher Form.

Bei den Mitschülern ist der aufgeweckte Junge sehr beliebt und voll integriert. „Manchmal fragen Leute, ob das Kopfhörer sind“, sagt Tom, der ansonsten aber keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Im Gegenteil. Sein bester Freund schaue sich sogar bei Youtube Videos über Gebärdensprache an und will damit seinen Kumpel unterstützen.

Mutter: Habe ihn nie in Watte gepackt

„Ich habe ihn nie in Watte gepackt“, sagt Mutter Tanja Aßhoff mit Blick darauf, dass Tom alles machen darf, was andere Kinder auch dürfen – egal, ob auf Bäume klettern, Tischtennis, Kanufahren oder Fußball spielen. Auch in Zukunft werde der Zwölfjährige keine Einschränkungen haben. „Er wird alles machen können“, freut sie sich.

Das gilt übrigens auch für das Fußballcamp, in dem er neben dem Austausch mit anderen Kindern mit Gehörschwierigkeiten auch an seinen fußballerischen Fähigkeiten arbeiten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.