Das sind die wahrscheinlichsten Optionen

Zukunftsprojekt Rangierbahnhof: Wie sollen eigentlich Lkw hinkommen?

Wenig Platz: Der Einmündungsbereich Rathenaustraße/Weetfelder Straße.
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Wenig Platz: Der Einmündungsbereich Rathenaustraße/Weetfelder Straße dürfte kaum in der Lage sein, zusätzliche Lkw-Verkehre zu schlucken.

Schon Mitte dieses Jahrzehnts sollen nach dem Willen der Politik auf der Südfläche des Rangierbahnhofs in Hamm erste Logistik-Bausteine angesiedelt werden. Das wirft Fragen auf.

Hamm-Westen/Pelkum – Der Hammer Verschiebebahnhof galt einst als der größte Europas und bietet auch heute noch die deutschlandweit größte intakte Bahnflächenreserve. Nun will die Deutsche Bahn ihn in den kommenden Jahren zu einem modernen Bahnlogistik-Knoten mit innovativer Verladetechnik und vielfältigen Güterzug-Verbindungen entwickeln. Fördergelder will die Stadt vor allem aus dem Fünf-Standorte-Programm der Bundesregierung akquirieren, das aufgelegt wurde, um den Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Kommunen zu begleiten.

Doch wie realistisch ist das eingangs genannte Ziel der Hammer Ampelkoalition angesichts der noch nicht einmal ansatzweise geklärten Frage der Erschließung? WA.de hat eine Bewertung der – Stand heute – drei wahrscheinlichsten Optionen vorgenommen:

B63n

Die „Phantomstraße“ geistert schon seit vielen Jahrzehnten durch das Hammer Rathaus. Immerhin plant die Stadt die Straße mittlerweile. Allerdings haben sich SPD, Grüne und FDP im Rat darauf verständigt, dass in dieser Legislaturperiode keine Beschlüsse dazu gefasst werden. Mit der Straße würde der Rangierbahnhof im Süden an die A 2 bei Bönen und im Norden an die Hafenstraße angeschlossen werden. Soweit die Theorie.

Doch gegen das Projekt regt sich Widerstand. Der kommt nicht nur aus Bönen, sondern auch aus Hamm. Sowohl die Linken, als auch die Grünen haben sich klar gegen das Projekt positioniert. Die Grünen befinden sich daher, wie Bezirksvertreter Ulrich Schölermann zugibt, in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite begrüße man die Reaktivierung des Rangierbahnhofs, um dadurch mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Andererseits habe sich an ihrer Haltung zu Hamms größtem Straßenbauprojekt nichts geändert. „Wir sind gegen den Bau der B 63n“, so Schölermann.

Bestehende Straßen

Es soll ermittelt werden, wie der Rangierbahnhof zumindest vorübergehend über das bestehende Straßennetz erschlossen werden kann. Das wären in erster Linie die Banningstraße/Oberonstraße, die Günterstraße sowie die Rathenaustraße und die Weetfelder Straße.

Das Problem: Aufgrund ihrer Beschaffenheit sind sie – wenn überhaupt – nur bedingt dafür geeignet, zusätzliche Lkw-Verkehre aufzunehmen. Außerdem muss man beispielsweise von der Oberonstraße erstmals hoch aufs Gelände rauf. Im südlichen Bereich grenzt der Rangierbahnhof zwar direkt an die Rathenaustraße, könnte also über sie erschlossen werden. Nur: Wie geht es von hier weiter?

Im Süden gibt es die Einmündung mit der Weetfelder Straße, über die die Lkw in Richtung Kamener Straße fahren könnten. Sie ist allerdings eng, im weiteren Verlauf der Weetfelder Straße kommt ein Wohngebiet. Schon 2009 war die Stadt zu der Ansicht gekommen, dass die Weetfelder Straße als Zubringerstraße für die B 63n „in ihrem heutigen Ausbauzustand (...) nicht geeignet ist, diese Verkehre aufzunehmen. Ein Ausbau im Bestand oder eine Neutrassierung sind daher erforderlich“.

In Richtung Norden ist die erste große Barriere die Ampelkreuzung mit der Lohauserholzstraße. Danach müssten sich die Lkw weiter durch die Innenstadt „quälen“, um zum Hafen zu kommen.

Das ist auch für die CDU Hamm ein Problem. Kreisvorsitzender Arnd Hilwig hatte unlängst betont, dass die CDU die Entwicklung am Rangierbahnhof „nachhaltig unterstützt“ und der Bau der B 63n von „enormer Bedeutung ist“. Allerdings sei es nicht zumutbar, dass mehr Lkw-Verkehr durch die Anliegerstraßen geführt werde.

K35n

Sie soll nördlich des Wiescher Bachs gebaut werden, um den Verkehr von der B 63n in Richtung Kamener Straße und von dort zum Hafen zu leiten – falls sie nicht komplett auf den Rangierbahnhof verlegt wird. Ob ein Vorziehen der so genannten K 35n Sinn macht, um den Verkehr vom Rangierbahnhof auf die Kamener Straße zu bringen? Das Problem hier: Straßen im direkten Umfeld der Bahnfläche blieben zwar verschont, allerdings würde der nördliche Teil der Kamener Straße im Bereich Daberg mehr durch Lkw belastet werden. Die Linken in Hamm möchten wissen, wie die Politik das den Menschen auf dem Daberg erklären will.

Fazit

Die Reaktivierung des Hammer Rangierbahnhofs macht durchaus Sinn, der Zeitplan ist allerdings sehr sportlich. Bis zur Ansiedlung erster Betriebe müssen noch dicke Brocken aus dem Weg geräumt werden. Und: Wie bei vielen Projekten wird es – vermutlich – auch Verlierer geben.

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