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15-jährige Zwangsprostituierte oft von Zuhältern verprügelt worden

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Von: Lisa Moorwessel

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Die damals minderjährige Bulgarin soll von dem Trio monatelang auf den Straßenstrich in Hamm und Dortmund geschickt worden sein. © picture alliance / dpa

Hamm/Dortmund - Einblicke in einen offenbar wahr gewordenen Alptraum bot am Montag im Dortmunder Landgericht die Zeugenaussage einer jungen Bulgarin. Die ehemalige Arbeitskollegin des 15-jährigen Opfers, das auf den Straßenstrich gezwungen worden sein soll, sagte im Prozess gegen drei mutmaßliche Zuhälter aus.

Die Frau und frühere Arbeitskollegin der damals Minderjährigen schilderte ein Leben voller Ausweglosigkeit und Angst vor brutalen Übergriffen der beiden 40 und 24 Jahre alten Männer sowie einer 30-jährigen Frau. Das Trio soll eine 15-jährige monatelang als Zwangsprostituierte auf den Straßenstrich in Hamm und Dortmund geschickt haben.

"Oft geschlagen" 

„Sie wurde oft geschlagen, man hat ihr sogar die Nase gebrochen“ erinnerte sich die Zeugin vor dem Dortmunder Landgericht an den brutalen und skrupellosen Umgang des Trios mit dem minderjährigen Mädchen. Immer wieder seien sie und mehrere Leidensgenossinnen bedroht und verprügelt worden. Grund für die Übergriffe war offenbar meistens, dass die mutmaßlichen Zuhälter von den Frauen nicht genug an Freierlöhnen abkassieren konnten. Auch passte es ihnen nach den Schilderungen der Zeugin nicht, wenn sie oder ihre KollegInnen länger mit den Freiern Kontakt hatten, als zunächst vereinbart worden war.

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Ganz offenkundig wollte das Trio die perfekte und lückenlose Kontrolle über die wehrlosen Frauen – die Anklage geht davon aus, dass die der deutschen Sprache nicht mächtigen Zwangsprostituierten ihre Papiere abgeben mussten, zeitweilig in den Wohnungen der Angeklagten eingeschlossen blieben und auch keinerlei Geld hatten, um fliehen zu können oder Hilfe zu holen.

In einem unbeobachteten Moment geflohen 

Mit Unterbrechungen geht die Staatsanwaltschaft von einem Tatzeitraum von Sommer 2009 bis zum 14. Februar 2017 aus. Hier war es der zunächst 15-Jährigen gelungen, in einem unbeobachteten Moment zu entkommen und zur Polizei zu gehen. Der Prozess wird mit weiteren Zeugenbefragungen vermutlich bis in den November hinein fortgesetzt.

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