1. wa.de
  2. Hamm

Zoff um Geburtstags-Besuche prägt Hammer Ratssitzung

Erstellt:

Von: Cedric Sporkert

Kommentare

An seinem eigenen Geburtstag wurde der kleine Elijah erschossen.
„Geburtstagskinder“ müssen in Hamm künftig 85 Jahre alt sein, um offiziellen Besuch aus der Politik empfangen zu „dürfen“. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Fast eine halbe Stunde der nicht ganz dreistündigen jüngsten Ratssitzung in Hamm dauerte die Diskussion über die am Ende beschlossene Änderung der sogenannten „Repräsentationsrichtlinie“.

Hamm – Was sperrig klingt ist simpel erklärt die Richtlinie, in der festgehalten ist, wie und wem die Stadt zu besonderen Geburtstags- und Ehejubiläen gratuliert. Bisher ist vorgesehen, Menschen zu ihrem 80. Geburtstag erstmals einen Gratulationsbesuch abzustatten – mitsamt kleinem Präsent. Das ist Aufgabe der Bezirksbürgermeister und deren Vertreter. Weil aber immer mehr Menschen immer älter werden, hat der Rat beschlossen, erst bei 85-Jährigen mit den Besuchen zu beginnen.

Vonseiten der CDU und der AfD gab es dafür während der Ratssitzung Gegenwind. „Jeder weiß, dass ein Geburtstag an dessen Ende eine Null steht, ein besonderer Geburtstag ist. Die Leute freuen sich darüber, dass die Stadt an sie denkt. Wir müssten uns schämen, diesen Damen und Herren nicht zu gratulieren“, sagte Uentrops Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch (CDU). Es könne bei jeweils 19 Bezirksvertretern nicht sein, dass die Termine künftig nicht mehr besetzt werden könnten.

„85 Jahre ein gutes Einstiegsalter“

Heessens Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke begründete die Anhebung der Altersgrenze mit der Berufstätigkeit vieler Bezirksvertreter. Sie betonte indes auch die Wichtigkeit der Gratulationsbesuche – 85 Jahre sei aber ein gutes Einstiegsalter, das mittlerweile viele Menschen erreichen würden.

CDU-Frau Judith Schwienhorst sah durch den Ratsbeschluss die Bezirke geschwächt – das widerspreche klar dem Koalitionsvertrag.

Gratulationsbesuche - die Zahlen:

Dass auch im Rat so manches heißer gekocht als gegessen wird, verdeutlichen unterdessen die tatsächlichen Zahlen der Stadt zu Gratulationsbesuchen. Diese waren wegen Corona zwischen März 2020 und diesem Juni ausgesetzt. 2019 hatte die Mehrzahl der 80-Jährigen kein Interesse. 1654 Hammer feierten damals 80. Geburtstag, 489 Gratulationsbesuche haben stattgefunden. Das entspricht einer Quote von knapp 30 Prozent.

Der Wunsch nach einem Besuch eines Stadtrepräsentanten steigt erst mit dem Alter leicht. Bei den 90-Jährigen lag die Quote 2019 bei 43 Prozent, bei den 95- bis 99-Jährigen – in diesem Alter ist jedes Jahr ein Besuch möglich – bei 40 Prozent. Nur bei den 100-Jährigen und noch älteren Geburtstagskindern liegt die Quote mit 53 Prozent bei über der Hälfte.

Auch interessant

Kommentare