Ein Relikt des Kalten Krieges

Hammer Zivilschutz-Fahrzeug kommt ins Deutsche Feuerwehrmuseum

Christian Quante und Rainer vom vom Historischen Löschzug Pelkum vorm DMF.
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Christian Quante (links) und Rainer Baum vom Historischen Löschzug Pelkum freuen sich, dass das Dekontaminations-Mehrzweck-Fahrzeug im Deutschen Feuerwehrmuseum ausgestellt wird.

Kassel statt Hamm: Ein altes Zivilschutz-Fahrzeug kommt zu neuen Ehren.

Hamm-Westen/Pelkum – Nach mehr als 30 Jahren wurde es ausgemustert, ohne jemals so richtig zum Einsatz gekommen zu sein – zum Glück. Denn in den Jahren, in denen das Dekontaminations-Mehrzweck--Fahrzeug (DMF) des Katastrophenschutzes bei der Feuerwehr stationiert war, kam es in Hamm weder zu einem großen atomaren Störfall, noch wurde die Lippestadt mit biologischen oder chemischen Waffen angegriffen. Seit 2008 befindet sich das DMF im Eigentum von Christian Quante, Mitglied des Historischen Löschzugs Pelkum. In den kommenden Monaten kommt es zu neuen Ehren: Das Hammer Fahrzeug geht als Leihgabe ans Deutsche Feuerwehrmuseum in Fulda.

Für Einsatz im Verteidigungsfall gedacht

1975 gebaut, übergab es der Bund Ende 1976 der Stadt Hamm – und zwar als Spezialfahrzeug des Zivilschutzes, welches primär für den Einsatz im Verteidigungsfall bei der Verwendung von ABC-Kampfmitteln konzipiert wurde. Und die Angst davor war zu Zeiten des Kalten Krieges mit dem militärischen Wettrüsten der beiden Supermächte in Ost und West groß. Zudem wurde in Hamm gerade der THTR gebaut, sodass man für den „Fall der Fälle“ gerüstet sein wollte. „Insgesamt wurden in der Bundesrepublik Deutschland 229 dieser Fahrzeuge ausgeliefert“, weiß Quante zu berichten.

Stationiert war es zuletzt beim ABC-Zug der Freiwilligen Feuerwehr Hamm-Westen an der Rathenaustraße. In den 32 Jahren, in denen das orangefarbene DMF in der Region unterwegs war, legte es gerade einmal 24 000 Kilometer zurück – also keine 1000 Kilometer im Jahr. Statt im Verteidigungsfall wurde es beispielsweise bei Hochwassereinsätzen, zur Beseitigung von Ölspuren oder bei Unfällen mit Gefahrgütern angefordert. „Und beim Silvesterlauf in Werl, bei dem die Duschkabinen vom DMF mit Warmwasser versorgt wurden.“

2008 ausrangiert

2008 hatte es dann schließlich seinen Dienst getan. Es ging aber nicht, wie viele andere Fahrzeuge dieser Art, nach Afrika, sondern blieb in Hamm. Darauf hatten sich im Vorfeld der langjährige Vorsitzende der Museumseisenbahn, Bernd Quante, der damalige Feuerwehr-Chef Willi Tigges und eben der Historische Löschzug Pelkum verständigt.

Bevor der 7-Tonnen-Koloss jedoch an den Privatmann Quante ging, wurde es von der Feuerwehr „geplündert“. „Die Ladefläche war quasi leer“, erinnert sich Rainer Baum, Vorsitzender des Historischen Löschzugs Pelkum. Im Laufe der Jahre sei es dann nach und nach vor allem mithilfe anderer ausrangierter DMF wieder aufgerüstet worden – und zwar genau so wie es einst bestückt war.

Trotz seines Alters war der Hammer Oldtimer noch gut in Schuss. „Es stand ja auch warm und sicher“, so Quante. Lediglich die Kotflügel habe er erneuern müssen. „Sie waren vom Salz stark angegriffen.“ Doch egal ob Motor, Plane oder sogar die Farbe: „Sie alle sind noch original“, so der Familienvater, der dennoch viel Zeit damit verbracht hat, das Fahrzeug zu warten.

Seltenes Exemplar

In den vergangenen zwölf Jahren hat er damit fast 7 000 Kilometer zurückgelegt, beispielsweise um an Treffen der Interessengemeinschaft Historischer Luft- und Katastrophenschutz teilzunehmen. „Das Hammer DMF ist eines der wenigen, die hierzulande überhaupt noch unterwegs sind.“

Und genau das macht es für das Deutsche Feuerwehrmuseum so interessant. Dessen Leiter Rolf Schamberger hatte den Kontakt zu dem Hammer über die Interessengemeinschaft hergestellt. Zwischen ihm und dem Museum gebe es schon seit vielen Jahren eine tolle Zusammenarbeit, sagt er. Und es freue ihn sehr, dass Menschen wie Christian Quante viel Zeit investierten, um ein Stück technisches Kulturgut zu erhalten und es auch noch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Und dafür bedanke er sich.

Die Sonderausstellung „Katastrophenschutz“ im Deutschen Feuerwehrmuseum beginnt im Jahr 1968. Geplanter Eröffnungstermin ist der 14. November. Laut Schamberger soll sie mindestens ein Jahr laufen.

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