Hinweisschilder am Gradierwerk

Zigarettenrauch stört Besucher der Hammer Saline

Mit einem Schild weist die Künstlerin Katja Kröger auf das Rauchverbot am Gradierwerk hin.
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Mit einem Schild weist die Künstlerin Katja Kröger auf das Rauchverbot am Gradierwerk hin.

Zum Gradierwerk im Hammer Kurpark geht man, um besonders gute Luft einzuatmen. Zigarettenraum kommt bei den Besuchern gar nicht gut an. Ein auffälliges Hinweisschild, dass die Künstlerin Katja Kröger vor zwei Jahren anfertigte, will die Stadt aber nicht aufstellen.

Hamm - Wilfried Kröger und Gattin Ursula Pohlmann schätzen gesunde Luft. Daher drehen sie drei bis vier Mal wöchentlich ihre Runden um das Hammer Gradierwerk. Steigt ihnen dabei blauer Dunst aus Zigaretten in die Nasen, ärgert sie das. Schließlich wollen sie ihren Lungen mit dem Einatmen der salzhaltigen Luft etwas Gutes tun. „Es gibt zwar Schilder, die darauf hinweisen, dass man das Rauchen unterlassen möge. Aber die sind recht klein und eher versteckt angebracht“, so Krögers Empfinden.

Erst vor einigen Tagen ist ihm ein Plakat-Entwurf seiner Tochter Katja in die Hände gefallen. „Raucht der Elefant an der Saline, sticht ihn gleich die flotte Biene, vor Schreck lässt er die Kippe fallen, nun gehört die frische Luft uns allen“, steht darauf. Vor rund zwei Jahren habe er Bezirksvorsteher Björn Pförtzsch den Vorschlag gemacht, doch mit dem bunten Bild auf den Missstand aufmerksam zu machen. Mit Humor und einem Augenzwinkern, so die Erfahrung des 80-Jährigen, lasse sich schließlich oft mehr erreichen als mit Vorhaltungen. „Ich habe ja nichts gegen Raucher. Der Rauch stört einfach nur, wenn man die Salinenluft inhalieren möchte.“

Der Hammer Stadtverwaltung gefiel das fröhlich-bunte Motiv offenbar nicht. Sie lehnte ab. „Die Verwendung der Schilder von Frau Kröger kommt leider nicht in Betracht, da wir als öffentliche Verwaltung im öffentlichen Raum grundsätzlich die allgemein bekannten und akzeptierten, eindeutig identifizierbaren Schilder mit klarem Regelungsgehalt verwenden“, heißt es aus dem Rathaus. Zudem seien dort keine größeren Probleme „mit Verstößen gegen das Rauchverbot“ bekannt. Man beobachte einen gewissen sozialen Druck – die Leute würden sich gegenseitig darauf aufmerksam machen, in diesem Bereich das Rauchen zu unterlassen. Bis auf Erneuerung der Schilder oder Umplatzierungen habe man also nichts geplant.

„Ich finde das schade. Aber das Bild gefällt nun einmal vielleicht nicht jedem. Und letztlich habe ich das Plakat für meinen Vater gemalt. Und dem gefällt es“, sagt Katja Kröger, die als Diplom-Kunsttherapeutin und freischaffende Künstlerin in Fischerhude (nahe Worpswede) lebt und arbeitet. „Ausstellungen sind natürlich wegen Corona schwierig. Einige Arbeiten präsentiere ich immer im Flur meiner Wohnung, das ist mein privater Ausstellungsraum. Aktuell versuchen wir hier mit mehreren Künstlern offene Ateliers an den Start zu bringen. ,Werkfisch‘ heißt die Veranstaltungsreihe, die eigentlich bereits im April wieder hätte stattfinden sollen“, erklärt die 52-Jährige, die Hamm vor 30 Jahren den Rücken gekehrt hat, um ihre Berufung zu finden.

„Ich bin viel gereist, war unter anderem ein halbes Jahr Indien, ein halbes Jahr in der Karibik und ein halbes Jahr in Neuseeland. Das Geld für die Reisen habe ich mir als Saisonkraft auf Sylt verdient.“ Am Ende der Findungsphase nahm Kröger ein Kunsttherapie-Studium an der FH in Ottersberg auf.

Ist sie in Hamm zu Besuch, ist ein Familienausflug zum Gradierwerk nicht ausgeschlossen. Wilfried Kröger und Ursula Pohlmann schwören auf die Heilsamkeit der mit Salz angereicherten Luft. Restlos begeistert hat sie das Salinental in Bad Münster am Stein-Ebernburg, Europas größtes Freiluftinhalatorium, das sich über eine Länge von rund einem Kilometer erstreckt. „Bevor in Hamm das Gradierwerk gebaut wurde, sind wir nach Werne oder nach Werl gefahren“, erzählt Wilfried Kröger.

Erkältungen seien für ihn und seine Frau seither kaum noch ein Thema. „Wir waren dann sehr erstaunt, dass auch in Hamm ein Gradierwerk gebaut wurde. Und da wir das bis heute für eine unterstützenswerte Sache halten, haben wir eine Bank gespendet. Allerdings ist es fast noch besser, wenn man sich beim Inhalieren bewegt, da man dann tiefer einatmet“, weiß Kröger, der am Gradierwerk oft Bekannte trifft. „In Kombination mit dem Gradierwerksgarten ist das eine wunderbare Sache, auch für Familien mit Kindern.“

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