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Provokation und Pöbelei in Hammer Zentralbibliothek

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Von: Frank Osiewacz

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Die Zentralbibliothek ist zum Tummelplatz für jugendliche Störer geworden. © Foto: Wiemer

Hamm - Sie kommen gewiss nicht, um die Bestsellerlisten abzuarbeiten: Weil eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend Besucher und Personal der Zentralbibliothek im Heinrich-von-Kleist-Forum terrorisiert, setzt die Stadt ab Montag einen Sicherheitsdienst ein.

Es ist das erste Mal, dass die Stadt in der Bibliothek zu einer derartigen Maßnahme greift. Erst war es nur Müll in Form von zertretenen Chips, Getränke- und Essensverpackungen sowie Lautstärke, mit denen die Störer auf sich aufmerksam machten. Inzwischen sei es so weit gekommen, dass eine Person durch einen Gummiball am Kopf getroffen wurde, Bücher aus den Regalen flogen und sowohl Besucher als auch Personal durch mehr oder weniger unterschwellige Drohgebärden provoziert und auch angepöbelt worden seien, beschreibt Stadtsprecher Tom Herberg die Vorkommnisse. 

Angehörige der Gruppe hätten sich zudem vor die Toiletten gesetzt, so dass sich ältere Besucher nicht mehr dort hingetraut hätten. Mit Aussagen wie „Ruf doch die Polizei“ seien Mitarbeiter provoziert worden. Besucher hätten das Personal auf die Situation angesprochen. Fazit einer Besprechung im Büchereiteam: „Mit guten Worten ist die Situation nicht in den Griff zu bekommen. Im Sinne von Kunden und Mitarbeitern muss gehandelt werden“, so Herberg. 

Im Dezember ging es los

Erstmals im Dezember tauchten jene Gesichter in der Bibliothek auf, die dem Personal inzwischen bestens bekannt sind. Ob sie ursprünglich nur zum Aufwärmen ins Haus kamen oder von Beginn an auf Krawall gebürstet waren, wisse niemand, so Herberg. Ab Ende Januar nahmen die Besuche zu, zuletzt seien Mitglieder der Gruppe täglich in der Bibliothek gewesen. 

Insgesamt handle es sich um bis zu 20 Jugendliche und junge Erwachsene, so der Stadtsprecher. Geschätztes Alter: 16 bis 22 Jahre. Mal tauchten Gruppen von drei bis vier Personen auf, manchmal seien es bis zu zehn. Personalien wurden bislang nicht festgestellt. Den Beobachtungen zufolge handelt es sich um eine bunt gemischte Gruppe unterschiedlicher Herkunft und Nationalitäten. Bevorzugte „Spielwiese“ sei das 2. Obergeschoss, so Herberg. Manchmal blieben sie eine halbe Stunde, manchmal länger. 

Hausverbote nicht ernst genommen

Hausverbote seien durch den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) zwar ausgesprochen worden, daran gehalten hätten sich die Personen allerdings nicht. Das soll nun anders werden. Zwischen 10 und 19 Uhr – also während der gesamten Öffnungszeit – wird ein Mitarbeiter eines externen Sicherheitsdienstes in der Zentralbibliothek Präsenz zeigen. Dezent, aber falls erforderlich mit dem nötigen Nachdruck. Zunächst werde er sich im Eingangsbereich aufhalten und sich ein Bild verschaffen, so Herberg. 

„Einlass erhält nach wie vor jeder“, sagt Herberg. „Und jeder, der sich vernünftig benimmt, kann bleiben.“ Sollten die Jugendlichen wieder auftauchen, dürften auch sie die Bibliothek betreten. „Kommt es allerdings zu erneuten Pöbeleien und Problemen, wird der Sicherheitsdienst den KOD und die Polizei hinzuziehen, um auf diesem Wege das Hausrecht durchzusetzen.“ Zum Maßnahmenkatalog gehöre dann möglicherweise auch ein generelles Hausverbot. 

Mitarbeiter mit Pieper ausgestattet

Die Mitarbeiter sind zudem mit einem Pieper, einer Art Mini-Funkgerät, ausgestattet und können darüber den Mann von der Security verständigen, sollte er sich gerade in einem anderen Bereich des Gebäudes aufhalten. 

Über welchen Zeitraum der Sicherheitsdienst in der Bibliothek bleibe, sei nicht festgelegt. „Vielleicht ändert sich die Situation ja in der wärmeren Jahreszeit“, sagt der Stadtsprecher.

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