Boom in Hamm lässt sich nicht nach

Pakete-Zahl auf Weihnachtsniveau: Selbst Klopapier wird online bestellt

Gehören zum täglich Stadtbild dazu: Die vielen Paket-Transporter.
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Gehören in Hamm zum täglichen Stadtbild dazu: die vielen Paket-Transporter.

Hamm - Seit Corona hat sich die Zahl der Lieferungen erheblich erhöht. Nach WA-Recherchen werden pro Tag allein im Postleitzahlbereich 59069 Hamm im Schnitt über 2500 Sendungen verteilt.

Im Stadtbezirk Rhynern gibt es rund 8500 Haushalte, dazu etliche Firmen Das heißt also, dass nahezu jede vierte Adresse demnach im Durchschnitt am Tage von einem Paketdienst. „Otto-Normalverbraucher“ wird dies vermutlich wundern, erhält er doch vielleicht einmal im Monat ein Päckchen.

Diese Zahlen der Lieferungen sind Mit der Herausgabe von konkreten Zahlen tun sich die fünf bekanntesten Paketdienste allerdings schwer. DHL nennt 890 pro Tag in Rhynern und Umgebung. DPD über 400 am Tag. Teile von Berge gehören nicht zur „Rhynern-Tour“. Hermes wollte aufgrund der großen Schwankungen keine verlässlichen Zahlen ausgeben. Vor zwei Jahren nannte das Unternehmen rund 500 Sendungen pro Tag im PLZ-Bereich 59069.

Alleine seit Corona sei deutschlandweit ein Anstieg von 40 Prozent festzustellen, so dass die Zahl bei rund 700 eingefunden haben dürfte. Alleine diese beiden Dienst erreichen also bereits über 2000 Sendungen am Tag nur in Rhynern. Die weiteren Mitbewerber UPS und GSL waren nicht bereit, Zahlen zu nennen. Auch hier ist damit zu rechnen, dass mehrere hundert Sendungen auch auf deren Transportern liegen, so dass alleine in Rhynern mittlerweile über 2500 Pakete und Päckchen verteilt werden.

Täglich über zehn Fahrzeuge in Rhynern unterwegs

Da im Schnitt rund 200 Päckchen mit einem Fahrzeug transportiert werden, sind täglich eine zweistellige Anzahl an Fahrzeugen in den Wohn- und Gewerbegebieten unterwegs, um fast ausschließlich Internetbestellungen bis an die Haustür zu liefern.

Das sind alles Werte, die bislang lediglich aus dem Vorweihnachtsgeschäft bekannt waren. „Das ist mit dem Lockdown sprunghaft in die Höhe geschossen“, sagt Reiner Ernzer, Pressesprecher von DHL. „Zu Ostern hatten wir die Auftragszahlen wie ansonsten zu Weihnachten“, berichtet er. Und seitdem seien die Zahlen so geblieben. Und das habe die Dienste im Gegensatz zum Weihnachtsgeschäft völlig unvorbereitet getroffen. „Als Reaktion darauf haben wir unsere Kapazitäten schnell hochgefahren und Logistikketten weiter optimiert“, sagt ein Hermes-Sprecher.

Die extrem großen Steigerungen haben übrigens ausschließlich mit privater Kundschaft zu tun. Touren, zum Beispiel in den Gewerbepark seien seltener geworden. „Im Geschäftskundenbereich hatten wir aufgrund von geschlossenen Geschäften und Betrieben bei einigen Industrien und Dienstleistungsgewerben einen Rückgang der Mengen zu verzeichnen“, teilt ein Sprecher des niederländischen Logistikunternehmens GSL mit. Allerdings sei dies durch erhöhte Aufträge beim Transport von Medizin und Pharmagütern, zum Teil aufgefangen worden, wie ein UPS-Sprecher als zusätzlichen neuen Topposten aufführt.

Klopapier aus dem Internet

Ohnehin gibt es offenbar nichts mehr, das nicht im Internet bestellt und auf einem Paketwagen landet. Schon vor zwei Jahren war dem DHL-Sprecher Ernzer die gestiegene Nachfrage nach Klopapier aufgefallen. Wenig überraschend, dass sich dies in der Lockdown-Phase noch weiter erhöhte. „Auch Autoreifen gehören mittlerweile zu den Produkten, die sehr häufig geliefert werden“, sagt Ernzer. Der DSL-Sprecher bemerkte, dass sich das Kaufverhalten der Menschen in der Corona-Zeit noch einmal veränderte, was auch Auswirkungen auf die Auslieferung hat. „Für die Zustellfahrer hat sich zum Beispiel auch die Sendungsstruktur bei der Auslieferung merklich verändert: Sie haben mehr Stopps pro Tour und die Pakete sind größer geworden, weil vermehrt Waren wie Gartenmöbel und -zubehör, Sportgeräte oder ähnliches bestellt wurden.“

Dass die Fahrer dieses Pensum überhaupt erfüllen konnte, habe auch wiederum auch mit dem Lockdown zu tun gehabt. Denn die Empfänger waren häufiger zu Hause anzutreffen als zuvor. „Der Themenkomplex Lockdown und Home Office hat zu einer leicht erhöhten Erstzustellquote geführt“, sagt der DPD-Sprecher. Und auch die Übergabe ohne Unterschrift habe die Zustellung erleichtert und beschleunigt. Ein netter Nebeneffekt der Maßnahmen zum Schutz der Zusteller.

Letztlich sind sich alle fünf Paketdienstleister einig: Ein Ende ist hier nicht in Sicht. Die Zahl der Paketwagen, die gefühlt rund um die Uhr durch die Wohnstraßen des Straßenbezirk fahren, wird immer weiter steigen. Corona hat dies noch einmal angeschoben und zum Teil neue Kunden ins Internet gelockt. Und das Weihnachtsgeschäft 2020 läuft jetzt erst an...

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