Firma GelKoh könnte großen Wurf gelandet haben

Hightech-Branddecke aus Hamm kann brennende Elektroautos löschen

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Der „Rescue Bag“ sieht aus wie eine mobile Autogarage, ist in Wirklichkeit aber eine moderne Hightechlösung.

Hammer Tüftler haben eine Hightech-Branddecke entwickelt, mit der man brennende Elektroautos löschen kann. Das war bisher ein erhebliches Problem; der Bedarf dürfte riesig sein.

Hamm – Eine Art Decke, mit der sich auch hartnäckigste Feuer ohne allzu großen Aufwand löschen lassen: Das Hammer Unternehmen GelKoh mit Sitz am Sachsenweg im Öko-Zentrum hat eine solche Brandschutzdecke, den „Rescue Bag“, jetzt gemeinsam mit dem Bocholter Textilunternehmen Ibena bis zur Marktreife entwickelt und könnte damit den sprichwörtlich großen Wurf gelandet haben. Schon kurz nachdem GelKoh-Geschäftsführer Markus Kothen die Meldung über die sozialen Kanäle in die Welt hinaus geschickt hatte, kamen die ersten Anfragen – aus ganz Europa, wie der Hammer im Gespräch mit dem WA sagt. „Mir ist ganz schwindelig“, sagte er über die gewaltigen Resonanz auf sein Produkt.

Die immense Nachfrage erstaunt nicht. Sind es doch vor allem die immer stärker nachgefragten Elektroautos, die die Feuerwehren künftig vor große Probleme stellen dürften.

48 Stunden lang Gefahr durch die Akkus

Nach einem Unfall geht von den in den Autos verbauten Lithium-Ionen-Akkus noch bis zu 48 Stunden lang eine Gefahr aus. So lange kann sich der Akku bei einer möglichen Beschädigung selbst entzünden. Da das Löschwasser meist nicht an die verbauten Akkus gelangt, gab es für die Rettungskräfte bisher nur zwei Lösungen: Das Fahrzeug mehrere Tage lang zu beobachten oder es gleich in einem Container mit Löschwasser zu versenken. Die Folge dieses Löschverfahrens: ein Totalschaden.

Und an dieser Stelle setzt der findige 52-jährige Unternehmer an, der seit 2012 selbstständig, beruflich aber schon seit 25 Jahren mit dem Thema Brandschutz befasst ist. Er war zugleich lange als freiwilliger Feuerwehrmann aktiv: Sein „Rescue Bag“, der auf den ersten Blick aussieht wie eine mobile Autogarage, ist in Wirklichkeit eine moderne Hightech-Lösung. „Das Gewebe reagiert aktiv auf Feuer“, erklärt der Entwickler.

Hitze im Gewebe löst chemische Reaktionen aus

Wenn ein Feuer im Fahrzeug entsteht, löst die durch den Brand entstehende Hitze im Gewebe chemische Reaktionen aus, die den Sauerstoff entziehen. Gleichzeitig werden Gase frei, die den Brand löschen. Dennoch halten die Gewebe der thermischen Zersetzung des Akkus stand und sind über 1500 Grad Celsius belastbar.

Außerdem ist in dem „Rescue Bag“ eine Schutzschicht verbaut, die den Lack des Fahrzeugs schont. Ein saugfähiges Filtermaterial filtert und absorbiert zudem Schadstoffe wie giftige Dämpfe oder austretende Flusssäure. Eine Keramikschicht am Bodenteil des „Rescue Bags“ sorgt dafür, dass austretender Kraftstoff – etwa bei einem Hybridfahrzeug – nicht in die Umwelt gelangt. Für den Fall einer Explosion des Akkus wurde das Gewebe gasdurchlässig entwickelt, sodass der Explosionsdruck den Stoff nicht zerreißen kann.

Teures Produkt attraktiv für tausende Feuerwehren

Zum Verkaufspreis des „Rescue Bag“, der ab Juli in Größen ausgeliefert wird, wollte Markus Kothen noch keine Angaben machen, er dürfte jedoch das Vielfache einer handelsüblichen Kuscheldecke fürs Sofa betragen; die rund 5500 Feuerwehren in Deutschland, aber auch Werksfeuerwehren und Pannendienste sind die Adressaten der Neuentwicklung.

„Ich kann mir vorstellen, dass dieses Produkt am Markt voll durchschlägt“, meint Wolfgang Rumpf, Sprecher der Hammer Feuerwehr. Der Bedarf sei schließlich schon jetzt vorhanden und wachse unaufhörlich. Zwei Jahre haben die Tüftler von GelKoh und Ibena an ihrem Projekt gearbeitet, sogar für E-Bikes und deren Fahrradakkus gibt es eine Lösung. Ein „Rescue Bag“ für Pkw und SUVs ist in Arbeit.

Und so funktioniert der „Rescue Bag“:

Das beschädigte Auto wird komplett in den „Rescue Bag“ gehüllt und für die nächsten 48 Stunden darin verwahrt. Drei Minuten soll es dauern, bis das Fahrzeug von zwei Personen in den „Rescue Bag“ eingepackt ist. Dafür muss zuerst das Auto auf den unteren Teil der Schutzumhüllung geschoben werden. Mit Reiß- und Klettverschlüssen werden dann die anderen Teile befestigt.

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